Die Lage auf dem US-Eiermarkt hat sich binnen eines Jahres grundlegend verändert. Nach den Preissprüngen infolge der Vogelgrippe sorgt nun ein Überangebot für fallende Erlöse. Die Großhandelspreise liegen teilweise unter den Produktionskosten. Gleichzeitig bleibt die Nachfrage schwach.
Eierpreise brechen nach Vogelgrippekrise ein
Noch im Frühjahr 2025 trieb die hochpathogene Aviäre Influenza (HPAI) die Eierpreise in den USA nahezu auf Rekordniveau. Millionen Legehennen fielen der Seuche zum Opfer, das Angebot schrumpfte deutlich.
Inzwischen hat sich das Bild gedreht. Nach Angaben des US-Landwirtschaftsministeriums (USDA) sank der Großhandelspreis für Schaleneier im April auf 0,22 Dollar (0,19 Euro) je Dutzend Eier. Für Eier, die in die Verarbeitung gehen, wurden im Durchschnitt sogar nur 0,085 Dollar (0,073 Euro) je Dutzend bezahlt. Beide Preisniveaus liegen nach USDA-Angaben unter den Produktionskosten vieler Betriebe.
Thomas Flocco, Geschäftsführer des Eierproduzenten Pete & Gerry’s, verweist darauf, dass die Verbraucherpreise die gestiegenen Kosten für Futter, Energie und Arbeit nur unzureichend widerspiegeln. Während vor einem Jahr die Vogelgrippe für Knappheit sorgte, drückt heute ein Überangebot auf den Markt. Teilweise werden Eier für weniger als einen Dollar je Dutzend gehandelt.
Legehennenbestand wächst schneller als der Absatz
Seit Jahresbeginn 2026 hat sich die Zahl neuer Vogelgrippeausbrüche deutlich verringert. Gleichzeitig bauten die Betriebe ihre Bestände rasch wieder auf. Der Markt kann die zusätzlichen Mengen jedoch bislang nicht aufnehmen.
Ende Mai lagerten in den USA nach USDA-Angaben 1,84 Millionen Kartons Konsumeier. Das waren mehr als vier Prozent mehr als eine Woche zuvor.
Die sinkenden Preise haben die Nachfrage bislang kaum belebt. Viele Abnehmer aus Gastronomie und Lebensmittelindustrie stellten während der Hochpreisphase auf Flüssigei und andere verarbeitete Eiprodukte um. Ein großer Teil dieser Kunden ist bislang nicht zu Schaleneiern zurückgekehrt.
Analysten von LEAP Market Analytics schätzen, dass die Großhandelsnachfrage nach Konsumeiern derzeit 40 bis 50 Prozent unter dem Durchschnitt der Jahre 2010 bis 2024 liegt.
Verbraucherpreise folgen dem Markt nur zögerlich
Die niedrigen Großhandelspreise kommen bislang nur teilweise bei den Verbrauchern an. Während der Vogelgrippekrise verkauften einige Handelsketten Eier zeitweise ohne Gewinn oder sogar unter Einstandspreis, um Kunden anzulocken.
Deshalb blieben die Ladenpreise hoch, obwohl die Großhandelspreise bereits fielen. Während Händler im April rund 0,22 Dollar je Dutzend zahlten, kostete dieselbe Menge im Einzelhandel durchschnittlich 1,68 Dollar. Das entspricht rund 14 Dollarcent pro Ei.
Auch der Export konnte den Markt nur kurzzeitig entlasten. Als die Inlandspreise im Mai vorübergehend anzogen, verloren US-Eier ihre Wettbewerbsfähigkeit auf den Weltmärkten. Ein Teil der Exportware floss daraufhin wieder in den heimischen Markt.
Der Preisdruck beschränkt sich nicht auf konventionelle Eier. Auch Erzeuger anderer Eiersorten spüren die Folgen eines wachsenden Angebots.
Mehrere Bundesstaaten lockerten während der Vogelgrippekrise zeitweise ihre Vorgaben zur käfigfreien Haltung. Gleichzeitig investierten viele Betriebe in neue Ställe, um künftige gesetzliche Anforderungen zu erfüllen.
Nun treffen zusätzliche Kapazitäten auf einen Markt, der bereits ausreichend versorgt ist. Branchenvertreter berichten deshalb von einem steigenden Druck auf die Preisaufschläge für käfigfreie Eier. Für viele Betriebe sind diese Zuschläge jedoch entscheidend, um die Investitionen in neue Haltungssysteme zu finanzieren.




































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