Steigende Kosten, schärfere Regeln: Wie die Geflügelbranche aus Sicht des Plukon-Chefs reagieren muss
Der europäische Markt für Geflügelfleisch wächst weiter. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Erzeuger und Verarbeiter. Nach Einschätzung von Plukon-CEO Kees Kraijenoord werden künftig vor allem Automatisierung, starke Vermarktungskonzepte und eine engere Zusammenarbeit entlang der Wertschöpfungskette über die Wettbewerbsfähigkeit entscheiden.
Geflügelfleisch bleibt weltweit auf Wachstumskurs
Die Produktion von Geflügelfleisch entwickelt sich weltweit dynamischer als diejenige anderer Fleischarten. Vor allem in Asien, Afrika und Südamerika steigt die Nachfrage kontinuierlich an. Aber auch in Europa wächst der Verbrauch weiter, wenn auch mit deutlichen Unterschieden zwischen den einzelnen Ländern.
Während Polen und Spanien ihre Produktion weiter ausbauen, erholt sich der französische Markt. Die Niederlande haben nach mehreren Jahren des Rückgangs wieder Stabilität erreicht.
Für Kees Kraijenoord, Vorstandsvorsitzender der Plukon Food Group, sprechen vor allem Wirtschaftlichkeit, Ressourceneffizienz und Nachhaltigkeit für Geflügelfleisch. Gleichzeitig warnt er vor einem sinkenden Selbstversorgungsgrad in Europa. Viele Betriebsleiter geben auf, während geeignete Hofnachfolger fehlen.
Höhere Wertschöpfung statt Preiswettbewerb
Nach Ansicht des Plukon-Chefs können sich westeuropäische Geflügelstandorte künftig nur begrenzt über niedrige Produktionskosten behaupten. Wettbewerbsvorteile entstünden vielmehr durch Qualitätsprogramme, Tierwohlstandards und maßgeschneiderte Vermarktungskonzepte.
Als Beispiele nennt Kraijenoord Tierwohlprogramme wie das niederländische „Beter Leven“-Label, nachhaltige Sojakonzepte und spezielle Programme für die Systemgastronomie.
Gerade anspruchsvolle Marktsegmente böten die Chance, höhere Erlöse entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu erzielen und die Wirtschaftlichkeit der beteiligten Betriebe zu sichern.
Neue Auflagen erhöhen den Kostendruck
Gleichzeitig verschärfen sich die Rahmenbedingungen für die Geflügelwirtschaft. Kraijenoord verweist auf strengere Vorgaben beim Tierwohl, beim Transport von Geflügel sowie im Arbeitsrecht.
Hinzu kommen steigende Lohnkosten und mögliche Einschränkungen beim Einsatz von Leiharbeitskräften. Dadurch gewinnen Automatisierung und größere Produktionseinheiten weiter an Bedeutung.
"„Wer wettbewerbsfähig bleiben will, muss seine Prozesse effizienter gestalten“, lautet die Kernbotschaft des Plukon-Chefs Kees Kraijenoord."
Tierwohlprogramme reduzieren die Stallkapazitäten
Besonders deutlich zeigen sich die Veränderungen nach Aussagen des Plukon-Chefs in den Niederlanden. Der Umbau hin zu Freiland- und Tierwohlprogrammen senkt die Besatzdichten und damit die Zahl der Tiere je Stallfläche.
Dennoch bewertet Kraijenoord diese Entwicklung positiv. Verbraucher akzeptierten höhere Preise für Tierwohlprodukte zunehmend. Seit 2022 sei der Absatz entsprechender Hähnchenprogramme wieder gestiegen.
Lebensmitteleinzelhandel gewinnt an Bedeutung
Plukon setzt strategisch vor allem auf den Lebensmitteleinzelhandel. Nach Unternehmensangaben bietet dieser Absatzkanal höhere Wertschöpfung und größere Planungssicherheit als reine Industriegeschäfte.
Daneben bleibt die Belieferung der Systemgastronomie ein wichtiger Baustein. Die internationale Aufstellung des Unternehmens hilft dabei, Risiken einzelner Märkte abzufedern, etwa bei regionalen Ausbrüchen der Aviären Influenza.
Nach Angaben von Plukon befinden sich 98,5 Prozent der bestellten Produkte bereits einen Tag nach Auftragseingang im Verkaufsregal.
Wachstum durch Übernahmen und Investitionen
Der Konzern verfolgt seinen Expansionskurs konsequent weiter. In den vergangenen zwei Jahren übernahm Plukon neun Unternehmen.
Besonders in Spanien und Polen sieht das Management weiteres Wachstumspotenzial. Gleichzeitig investiert das Unternehmen massiv in neue Produktionskapazitäten und Automatisierungstechnik.
Allein in diesem Jahr fließen rund 150 Millionen Euro in Anlagen, Digitalisierung und Robotik. Gewinne werden nach Unternehmensangaben vollständig reinvestiert.
Robotik soll den Personalmangel ausgleichen
Der Arbeitskräftemangel zählt für viele Unternehmen der Geflügelwirtschaft inzwischen zu den größten Herausforderungen.
Plukon investiert deshalb verstärkt in automatische Kommissioniersysteme, Sortieranlagen und robotergestützte Produktionsprozesse. Ziel ist es, den Bedarf an manueller Arbeit deutlich zu senken und gleichzeitig die Produktivität zu steigern.
Vor allem Tätigkeiten mit hohem Personalaufwand stehen dabei im Fokus der Automatisierungsstrategie.
Enge Kettenpartnerschaften gewinnen an Bedeutung
Für Kraijenoord endet Optimierung nicht am Werkstor. Er sieht die Zukunft in einer engeren Zusammenarbeit zwischen Brütereien, Vermehrungsbetrieben, Futtermühlen, Geflügelhaltern und Verarbeitern.
Plukon arbeitet derzeit mit rund 1.800 Geflügelhaltern, 28 Brütereien und etwa 30 Futtermittelwerken zusammen. Langfristige Liefervereinbarungen gewinnen insbesondere bei Tierwohl- und Freilandprogrammen an Bedeutung.
Nur mit einer verlässlichen Planung lasse sich die Versorgung mit Bruteiern, Küken und Mastplätzen dauerhaft absichern.
Internationale Konkurrenz bleibt ein Risikofaktor
Trotz positiver Marktaussichten bleibt der Wettbewerbsdruck hoch. Vor allem Importe aus Brasilien beeinflussen weiterhin die Preisbildung auf dem europäischen Markt.
Zudem hängen die Erlöse vieler Standardprogramme von Exportmärkten ab. Nicht alle Teilstücke eines Hähnchens lassen sich innerhalb Europas vermarkten. Deshalb bleibt die Branche auf funktionierende internationale Handelsströme angewiesen.
Gleichzeitig beobachtet Kraijenoord einen Trend zu regional erzeugten Lebensmitteln. Länder wie Frankreich und Dänemark setzen zunehmend auf nationale Herkunft und lokale Produktion. Dieser Trend könnte auch für andere europäische Märkte an Bedeutung gewinnen.
Geflügelnews
Bild:
Monique van Loon, Plukon Food Group
Quelle:
Monique van Loon
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