Steigende Energiekosten: „Nicht verrückt machen lassen“

14 März 2026
Dienstleister
Flüssiggascontainer

Eine für jeden Verbraucher spürbare Auswirkung des Irankrieges sind die steigenden Energiepreise. Geflügelmäster brauchen viel Wärme für ihre Ställe, meistens kommt dabei immer noch Gas zum Einsatz. Wieviel Sorgen müssen sie sich machen? Wir sprachen mit Bernd Krone, der als Dienstleister des Landvolk Niedersachsen Energie makelt. 

Steigende Energiepreise als Auswirkung des Irankrieges

1. Müssen sich Tierhalter mit hohem Wärmebedarf Sorgen machen angesichts der Entwicklung im Nahen Osten?

Das kommt darauf an, wie der jeweilige Betrieb seine Energiebeschaffung aufgestellt hat. Wer einen Vertrag mit fester Laufzeit und fixem Energiepreis hat, ist bei seriösen Versorgern in der Regel erst einmal abgesichert. Solche Mengen sind im Einkauf hinterlegt und gegen kurzfristige Marktschwankungen geschützt.

Anders sieht es bei Betrieben aus, die in Spotpreismodellen unterwegs sind. Dort schlagen aktuelle Marktbewegungen deutlich schneller durch. Zuletzt hat sich der Erdgaspreis am Markt innerhalb kurzer Zeit von etwas über 30 Euro pro Megawattstunde auf rund 50 Euro pro Megawattstunde erhöht hat. Das sind 2 Cent/KWh. 

2. Sie makeln Energie für das Landvolk, welche Kontrakte bieten Sie an?

Bei der Wärmeversorgung im Stall ist Erd- oder Flüssiggas nach wie vor der zentrale Energieträger. Bei kleineren und mittleren Verbräuchen von ca. unter 1,5 Mio. KWh Jahresverbrauch, laufen meist klassische Jahres-Lieferverträge mit zwölf Abschlägen und einer Jahresabrechnung. Sie haben einen fixen Energiepreis und bieten in der Regel eine volle Mengenflexibilität.

Laufzeiten zwischen 12 und 24 Monaten sind auch üblich. Durch die Ukrainekrise und die zuletzt abschwingenden Preise gibt es weniger längere Kontrakte. 

Es gibt auch Sonderverträge, häufig ab etwa 300.000 KWh Verbrauch pro Jahr. Dort wird ebenfalls ein fester Preis vereinbart, meist mit Mengentoleranzen von +/- 20 Prozent.

Und drittens gibt es die bereits erwähnten Spot-Modelle, bei denen sich die Abrechnung am Tagesmarkt orientiert, zuzüglich eines Aufschlags.

Energiemakler Bernd Krone

3. Sie sind Energiemakler. Wie weit im voraus machen Sie Kontrakte, können Sie kürzere Preisschwankungen abfedern?

Wir beobachten die für uns relevanten Energiemärkte laufend und sehr eng, zusammen mit unseren Partnern. Dabei beschaffen wir nicht nach einem starren Kalender, sondern situationsabhängig nach Marktchancen. 

Aktuell haben wir etwa im Erdgasbereich Verträge mit Laufzeiten bis Ende 2027, andere größere Kontrakte laufen derzeit bis Anfang 2027. Wir arbeiten also durchaus mit mittel- bis längerfristigen Beschaffungszeiträumen. Genau dadurch können wir kurzfristige Ausschläge zumindest teilweise abfedern. 

Eine etwas ruhigere geopolitische Lage würde diese Einschätzungen des Marktes allerdings deutlich einfacher und solider gestalten.

4. Müssen sich die Tierhalter auf dauerhaft höhere Energiekosten einstellen?

Im Moment spricht einiges dafür. Kurzfristig hängt viel von der geopolitischen Lage ab. Wenn Konflikte andauern, wirkt sich das direkt auf Spot- und Terminmärkte aus.

Hinzu kommt, dass sich der Gasmarkt in Deutschland und Europa grundlegend verändert hat durch den weitgehenden Wegfall der russischen Gasimporte. Der Markt ist heute deutlich stärker von internationalen Beschaffungsströmen, LNG, Speicherbewirtschaftung und geopolitischen Einflüssen geprägt als noch vor einigen Jahren.

Unabhängig davon sehen wir bei netzgebundenem Erdgas zusätzlich steigende Netzentgelte, weil die Betriebskosten der Netze auf geringere Durchleitungsmengen verteilt werden. Dazu kommen höhere CO₂-Kosten sowie weitere staatliche Abgaben und Umlagen.

Das heißt: Auch wenn wir durch strukturierten Einkauf am Markt oft noch gute Energiepreise erzielen können, werden diese Vorteile leider häufig durch steigende Nebenkosten teilweise wieder aufgezehrt.


Das ist die Landvolk Betriebsmittel GmbH, Cloppenburg

Die Landvolk Betriebsmittel GmbH mit Sitz Cloppenburg wurde im Jahr 2000 gegründet, um die Chancen der Strommarktliberalisierung für landwirtschaftliche Betriebe zu nutzen. Gesellschafter waren zu Beginn 32 Landvolk-Kreisverbände in Niedersachsen. Heute werden über 35.000 landwirtschaftlichen Strom- und Erdgasanschlüsse betreut. Kunden sind ausschließlich Landvolkmitglieder. 

Das Team von acht Mitarbeitern, zu denen auch Bernd Krone gehört, berät unabhängig beim Energieeinkauf, begleitet und verwaltet Energieverträge und gibt Preisanalysen und Einschätzungen zu den Energiemärkten ab. 




5. Wie sehen Sie die Stimmung bei den Tierhaltern?

Wir bekommen aktuell sehr viele Nachfragen aus allen energieintensiven Bereichen der Landwirtschaft. In vielen Fällen besteht aber keine akute Panik, vor allem dort nicht, wo langfristige oder sauber strukturierte Verträge bestehen. Viele zum Beispiel unserer Rahmenverträge laufen noch über die nächste Heizperiode bzw. bis in den Winter 2026/2027.

Wenn man vereinfacht zum Beispiel in der Hähnchenmast mit 1 KW Wärme pro Tier rechnet und den aktuellen Mehrpreis von 2 Cent/KWh ansetzt, kommt man bei einem 30.000er Stall und sieben Durchgängen auf rund 4.200 Euro Mehrkosten im Jahr.

Das ist natürlich Geld. Aber im Verhältnis zu den Gesamtkosten ist es vielfach auch nicht existenzbedrohend, vor allem bei abgeschriebenen Ställen und guten Erlösen. Außerdem muss man feststellen, dass viele Tierhalter in erneuerbare Energien investiert haben bzw. investieren, um betrieblich autarker zu werden. Das macht in solchen Zeiten wie heute entspannter.  

6. Was raten Sie den Tierhaltern aktuell?

Unser Rat ist derselbe wie immer: Sich nicht von jeder Marktnachricht oder von vermeintlich besonders cleveren neuen Beschaffungsmodellen verrückt machen lassen.

Die Märkte reagieren derzeit sehr sensibel auf politische Signale. Wir haben ja bereits gesehen, dass schon einzelne Aussagen aus der Politik zu deutlichen Gegenbewegungen führen können. Es kann schnell nach oben gehen, aber eben auch schnell wieder zurück.

Wer jetzt einen neuen Vertrag abschließen muss, sollte deshalb besonnen und strukturiert vorgehen. Man sollte genau prüfen, welches Modell zum eigenen Betrieb, zum Verbrauch und zum eigenen Risikoprofil passt.

Ungünstig wäre natürlich, wenn ein geopolitischer Konflikt länger andauert und gleichzeitig die Nachbeschaffung für die Gasspeicher in ein engeres Zeitfenster fällt. Dann würde zusätzlicher Einkaufsdruck entstehen, und das könnte die Preise weiter erhöhen. Aber genau deshalb ist es wichtig, mit System an die Beschaffung heranzugehen.

So ein volatiler Markt bietet Chancen für den einzelnen aber auch oft Risiken für die Masse. Schaut man sich die Preise an, ist der Unterschied an der Börse für die Lieferjahre 2028 und 2029 usw. schon wieder auf einem deutlich tieferen Niveau wie heute.

Christa Diekmann-Lenartz
Bild: AdobeStock_ Hieronymus Ukkel, Bernd Krone

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