Margen brechen ein: Flämische Masthähnchenhalter denken über Stallleerstände nach

13 Dezember 2025
Belgien
verladene masthähnchen

Die wirtschaftliche Lage vieler Masthähnchenhalter in Flandern spitzt sich zu. Stark gesunkene Margen lassen zahlreiche Betriebe zögern, neue Durchgänge zu starten. Erste überlegen, ihre Ställe vorübergehend leer stehen zu lassen. Gleichzeitig verharren die Notierungen auf niedrigem Niveau, während

Schlachthöfe blocken Preiswünsche ab

Bei den jüngsten Verhandlungen zur Deinze-Notierung am Mittwoch, dem 10. Dezember, hofften die Broilerhalter auf eine Korrektur nach oben. Sie wollten zumindest den letzten Preisrückgang ausgleichen. Die Schlachthöfe lehnten dies jedoch ab. Ihre Position fiel klar aus: Eine Preisänderung komme nur infrage, wenn das Angebot sinke. Auch die ABC-Broiler-Notierung blieb unverändert.

Vogelgrippe verschärft die Marktlage

Nach Einschätzung der Masthähnchenhalter steckt der Markt seit dem Ausbruch der Vogelgrippe in Houthulst am 22. Oktober in einer ersten Produktionskrise. Küken, die ursprünglich für diese Region vorgesehen waren, fanden damals andere Abnehmer, unter anderem in den Niederlanden. Dort wirkte sich zusätzlich der Brand in der Brüterei Munsterhuis in Saasveld aus. Aus Sicht der flämischen Schlachthöfe half diese Verlagerung sogar, den Angebotsüberschuss zu begrenzen.

Zaghafte Aufhellung der Stimmung

Nach Wochen mit stark negativer Tendenz zeigt sich die Marktstimmung zuletzt etwas weniger düster. Broilerhalter hatten bereits früh vor möglichen Versorgungslücken ab Woche 7 gewarnt. Angesichts der geschrumpften Margen überlegen viele Betriebe nun sehr genau, ob sie neue Durchgänge belegen oder ihre Ställe vorübergehend leer lassen.

Diese Signale blieben auch den Schlachthöfen nicht verborgen. Sie entschieden sich daher für stabile Notierungen in der kommenden Woche. Dennoch mahnen sie zur Vorsicht. Zu Wochenbeginn wurden erneut Küken für die laufende und die kommende Woche angeboten. Das deute darauf hin, dass noch keine strukturelle Verknappung eingetreten sei. Zudem kämen weiterhin Küken zu Preisen auf den Markt, mit denen man kaum konkurrieren könne.

Januar bereits gut verplant

Die Schlachthöfe verweisen darauf, dass ihre Terminkalender für Januar bereits weitgehend gefüllt sind. Ob sich die Preise stabilisieren oder erholen, hängt aus ihrer Sicht vor allem von einer steigenden Nachfrage ab.

Polnischer Wettbewerb drückt den Markt

Zusätzlichen Druck erzeugt der wachsende Wettbewerb aus Polen. Dort bieten Schlachthöfe große Mengen Hähnchenbrustfilet zu sehr niedrigen Preisen an. Auf dem freien Markt erzielen Broiler aktuell rund 1,00 Euro pro Kilogramm. Im August und September lagen die Preise noch bei etwa 1,50 Euro.

Nach dem Sommer gelang es polnischen Erzeugern zunehmend, die zuvor durch Vogelgrippe verursachten Angebotslücken zu schließen. Mitte Oktober setzte ein erster Preisrückgang ein, Ende Oktober lag die Notierung bei 1,40 Euro pro Kilogramm. Anfang November folgte eine deutliche Korrektur: Innerhalb weniger Tage fiel der Preis von 1,19 auf 1,02 Euro. Seit Wochen pendelt der Markt um die Marke von 1,00 Euro.

Dank dieser niedrigen Einkaufspreise können polnische Anbieter Geflügelfleisch europaweit günstig vermarkten. Das geschieht zudem in einer Phase, die traditionell zu den absatzschwächeren Zeiten des Jahres zählt.

Vogelgrippe sorgt für Planungsprobleme

Auch in den Niederlanden zeigen sich erste Lücken in der Lieferplanung der Schlachthöfe. Überwachungsgebiete rund um Orte wie Weert, Helden, Tienray und Bornerbroek betreffen viele Betriebe gleichzeitig. In diesen Regionen verhindern Auflagen das reguläre Entladen von Masthühnern. Die Tiere müssen daher gebündelt und oft früher als geplant angeliefert werden. Das hält das Angebot hoch, führt aber auch dazu, dass die Tiere nicht das gewünschte Schlachtgewicht erreichen.

Hoffnung auf Wende bleibt gedämpft

Wie in Flandern sind auch die niederländischen Broiler-Notierungen seit Mitte September rückläufig, wenn auch weniger stark. Während die Erzeuger auf eine Trendwende hoffen, zeigen sich die Schlachthöfe zurückhaltend. Angesichts der starken Konkurrenz aus Polen sehen sie derzeit keinen Spielraum, höhere Preise zu zahlen.

Geflügelnews
Bild: Susan Rexwinkel
Quelle: Tom Schotman

Reagieren

Geflügelnews lädt Sie ein, auf Artikel zu reagieren und schätzt Reaktionen mit Inhalt. Die Redaktion behält sich das Recht vor, beleidigende oder kommerziell motivierte Reaktionen ohne Angabe von Gründen zu entfernen.