Geflügelfutter neu gedacht: Kann Grünlandprotein Soja ersetzen?

09 Juni 2026
Deutschland
EIP Projekt Grashähnchen

Antibiotikaeinsatz reduzieren, Tierbestände per KI überwachen und heimische Grünland-Proteine im Futter nutzen: Drei neue EIP-Förderprojekte zeigen, wohin sich die Geflügelhaltung in Niedersachsen entwickeln könnte.

Wie kann man den Agrarsektor zukunftsfähig und nachhaltig gestalten? Um diese Frage geht es in den Projekten der „Europäischen Innovationspartnerschaft“ (EIP Agri). Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte überreichte in Hannover jetzt Förderbescheide für 14 neue EIP-Projekte mit einem Gesamtbudget von rund 6,5 Mio. Euro. 

Die EIP-Förderung solle Anreize schaffen, innovative Lösungen auszuprobieren, bestehende Probleme ungewöhnlich zu lösen oder neue Produkte zu entwickeln, so Ministerin Staudte. Folgende Projekte aus dem Geflügelbereich werden mit jeweils knapp 0,5 Mio. Euro gefördert:

1.Grashähnchen – Protein vom Grünland fürs Geflügelfutter

Dauergrünland macht rund 28 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche in Niedersachsen aus. In viehschwachen Regionen bleibt vielfach nur die Produktion von Heu oder Heulage, die oft wenig wirtschaftlich ist. Gleichzeitig basiert die Proteinversorgung in der Broilerfütterung überwiegend auf importiertem Sojaextraktionsschrot. Dadurch entstehen Importabhängigkeiten, unterbrochene Nährstoffkreisläufe sowie Nährstoffüberschüsse in viehstarken Regionen. Dauergrünland benötigt verlässliche wirtschaftliche Perspektiven und die Proteinversorgung soll regionaler werden.

Durch den Einsatz von Grünlandprotein in der Broilerfütterung wird das Potenzial von Dauergrünland als Proteinquelle genutzt, ohne in Konkurrenz zur Lebensmittelproduktion zu treten. In aufgeschlossener Form ist Grünlandprotein für Geflügel verdaulich und weist eine vorteilhafte Aminosäurezusammensetzung mit einem hohen Methioningehalt auf. Im Projekt Grashähnchen ist die Produktionsanlage zur Gewinnung des Grünlandproteins direkt auf einem landwirtschaftlichen Betrieb platziert. Der Hähnchenmist wird wieder auf die Dauergrünlandflächen zurückgeführt. Dadurch werden regionale Nährstoffkreisläufe geschlossen, neue Wertschöpfungsketten etabliert und die Abhängigkeit von importiertem Sojaextraktionsschrot wird verringert.

Durch den Einsatz von Grünlandprotein in der Fütterung von Masthühnern könnte Dauergrünland als Proteinquelle sinnvoll genutzt werden, und zwar ohne Konkurrenz zur Lebensmittelproduktion.

2.SINGLETIER – KI-gestützte Überwachung von Masthähnchen

In großen Geflügelbeständen ist eine individuelle Kontrolle einzelner Tiere unter Praxisbedingungen herausfordernd. Das Projekt SINGLETIER setzt auf ein kamerabasiertes Monitoringsystem zur automatisierten Erfassung tierbezogener Parameter in der Geflügelmast. Mithilfe fest installierter Kameras sowie weiterer Sensorik werden kontinuierlich Daten aus dem Stall erhoben. Ein KI gestütztes Bildanalysesystem identifiziert individuelle Tiere, verfolgt diese über die gesamte Mastperiode und ermöglicht eine visuelle Schätzung des Körpergewichts. 

Darüber hinaus wird der Zustand des Integuments erfasst, einschließlich Gefiederschäden, Federverlusten und Unregelmäßigkeiten im Federkleid. Aus den Gesamtdaten werden Tierwohlkennzahlen über die gesamte Mastperiode abgeleitet. Die Ergebnisse werden in ein praxisnahes Auswertungssystem integriert, das Auffälligkeiten erkennt und Frühwarnsignale ausgibt. Die Projektleitung hat Prof. Dr. Inga Tiemann von der Hochschule Osnabrück. 

3.GESUND – Bakteriophagen gegen multiresistente Darmkeime  

Salmonella- und Campylobacter-Bakterien stellen nach wie vor eine große Bedrohung für die menschliche Gesundheit dar. Ein wachsendes Problem bei der Bekämpfung dieser Erreger sind zunehmende Resistenzen gegenüber wichtigen Antibiotika. 

Im Projekt GESUND sollen Bakteriophagen bei Masthähnchen in Kombination mit einem Probiotikum als innovative Maßnahmen zur Verringerung des Antibiotikums Einsatzes und zur Schonung von Reserve Antibiotika eingesetzt werden. Durch den Einsatz von Bakteriophagen soll die Nachhaltigkeit der Tierhaltung durch eine verringerte Therapiehäufigkeit und geringere Antibiotika Einsatzmengen gefördert werden. Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit sollen dadurch verbessert werden. Das entwickelte innovative Konzept ist auf andere Tierarten übertragbar. Projektleiter ist das Dr. Frieling Projekt- u. Innovationsmanagement, beteiligt ist die Tierärztliche Hochschule Hannover. 

PM/Christa Diekmann-Lenartz
Bild: Niedersächsisches Landwirtschaftsministerium, AdobeStock_Westwind

Reagieren

Geflügelnews lädt Sie ein, auf Artikel zu reagieren und schätzt Reaktionen mit Inhalt. Die Redaktion behält sich das Recht vor, beleidigende oder kommerziell motivierte Reaktionen ohne Angabe von Gründen zu entfernen.