Die Europäische Kommission will die Tierhaltung in Europa grundlegend umbauen und zugleich die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe sichern. Bis Ende 2026 sollen Vorschläge zum Ausstieg aus der Käfighaltung und zum Verbot des Kükentötens vorliegen. Gleichzeitig kündigt Brüssel strengere Anforderungen für Importe, neue Förderinstrumente und Maßnahmen zur Stabilisierung der Nutztierhaltung an.
EU will Tierwohlstandards im Binnenmarkt vereinheitlichen
Die Europäische Kommission hat ihre neue Tierhaltungsstrategie vorgestellt. Ziel ist es, die Haltungsbedingungen für Nutztiere innerhalb der Europäischen Union stärker anzugleichen. Im Mittelpunkt stehen Haltungsverfahren, die in einzelnen Mitgliedstaaten weiterhin erlaubt sind, in Deutschland jedoch bereits weitgehend abgeschafft wurden.
Dazu zählt insbesondere die Haltung von Legehennen in ausgestalteten Käfigen. Auch die Kastenstandhaltung von Sauen soll schrittweise beendet werden. Während Deutschland bei der Käfighaltung bereits nationale Vorgaben umgesetzt hat, gelten für die Sauenhaltung noch Übergangsfristen.
Gesetzesvorschläge für Käfighaltung und Kükentöten noch 2026
Nach den Plänen der Kommission sollen bis Ende dieses Jahres konkrete Gesetzesvorschläge zum Ende der Käfighaltung sowie zum Verbot des Kükentötens vorgelegt werden. Für die Kastenstandhaltung von Sauen kündigt Brüssel einen eigenen Rechtsvorschlag für das zweite Quartal 2027 an.
Beim Kükentöten setzt die Kommission künftig auf Verfahren zur Geschlechtsbestimmung im Brutei. Diese Technologien sollen das bisherige Töten männlicher Küken aus Legehennenlinien ersetzen. Deutschland hat diesen Schritt bereits vollzogen.
Mit dem angekündigten Zeitplan reagiert die Kommission auch auf die Europäische Bürgerinitiative „End the Cage Age“, die seit Jahren ein Ende der Käfighaltung fordert.
Tierwohl soll auch für Importe gelten
Ein weiterer Schwerpunkt der Strategie betrifft den Wettbewerb mit Importware aus Drittstaaten. Nach Auffassung der Kommission entstehen viele tierische Erzeugnisse außerhalb der EU unter niedrigeren Tierwohlstandards.
Deshalb will Brüssel künftig darauf hinwirken, dass importierte Produkte vergleichbaren Anforderungen genügen wie Erzeugnisse aus der Europäischen Union. Die Kommission verweist dabei auf die Vorgaben der Welthandelsorganisation (WTO). Zusätzlich sollen Initiativen die Qualität und Nachhaltigkeit europäischer Tierhaltungsprodukte stärker hervorheben.
Brüssel will Rückgang der Tierbestände stoppen
Gleichzeitig betont die Kommission, dass sie die Nutztierhaltung wirtschaftlich stärken will. Die Tierbestände in der Europäischen Union gehen seit Jahren zurück. Diesen Trend möchte Brüssel bis 2040 umkehren.
Die Bedeutung der Branche ist erheblich: Nach Angaben der Kommission erwirtschaftet die Tierhaltung rund 40 Prozent der landwirtschaftlichen Wertschöpfung in der EU. Der jährliche Umsatz liegt bei etwa 400 Milliarden Euro. Rund sieben Millionen Menschen arbeiten in diesem Sektor auf etwa vier Millionen Betrieben.
Schlachthöfe und Vermarktung im Fokus
Um die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu verbessern, plant die Kommission eine Überprüfung der Richtlinie gegen unlautere Handelspraktiken (UTP). Darüber hinaus sollen kleinere und mobile Schlachtstätten leichter genehmigt werden.
Brüssel räumt ein, dass frühere Verschärfungen von Hygienevorschriften zum Rückgang kleiner Schlachthöfe beigetragen haben könnten. Besonders im ländlichen Raum gingen dadurch wichtige Vermarktungs- und Verarbeitungsstrukturen verloren. Viele Tierhalter verloren in der Folge wohnortnahe Schlachtmöglichkeiten.
Milliarden für den Umbau der Tierhaltung
Der Umbau hin zu höheren Tierwohlstandards verursacht nach Schätzungen der Kommission erhebliche Kosten. Bis 2040 rechnet Brüssel mit einem jährlichen Finanzierungsbedarf zwischen 5,9 und 8,4 Milliarden Euro.
Um diese Investitionen zu unterstützen, plant die Behörde ein eigenes Finanzinstrument. Die Mittel sollen unter anderem aus der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) stammen. Zusätzlich will die Kommission den Zugang zu privaten Finanzierungsquellen erleichtern.
EIB soll Investitionen und Risikomanagement unterstützen
Gemeinsam mit der Europäischen Investitionsbank (EIB) arbeitet die Kommission an weiteren Finanzierungsmodellen. Diese sollen den Zugang zu Versicherungen, Rückversicherungen und Einkommenssicherungsinstrumenten erleichtern.
Auch Tierseuchen spielen in den Überlegungen eine wichtige Rolle. Die Kommission setzt auf wissenschaftlich fundierte Impfstrategien und prüft, ob bestehende Regelungen zur Seuchenkategorisierung und zu Impfvorschriften angepasst werden müssen.
Umsetzung bleibt die große Herausforderung
Ob die angekündigten Vorhaben tatsächlich Realität werden, bleibt offen. Die Kommission muss ihre Vorschläge zunächst vorlegen. Anschließend müssen Europaparlament und Mitgliedstaaten zustimmen.
Wie langwierig dieser Prozess sein kann, zeigt die Reform des EU-Tiertransportrechts. Obwohl die Kommission ihre Vorschläge bereits 2023 vorgelegt hat, konnten sich Rat und Parlament bislang nicht auf gemeinsame Positionen verständigen.

































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