Energie am Bauernhof: Wie Betriebe Schritt für Schritt energieautark werden

18 Dezember 2025
Energie
kurzumtriebsplantage als schattenspender

Strom, Wärme und Treibstoffe werden für landwirtschaftliche Betriebe zunehmend zum Kostenrisiko. Auf der Naturland Öko-Mastgeflügeltagung Süd in Piding erläuterte Reinhard Derntl, wie Höfe ihre Energieversorgung selbst in die Hand nehmen können – praxisnah, wirtschaftlich und mit Blick auf kommende Anforderungen.

Energie als Kosten- und Risikofaktor

Die Energieversorgung entwickelt sich zunehmend zu einem zentralen Kosten- und Unsicherheitsfaktor in der Landwirtschaft. Strom und Wärme machen auf vielen Betrieben bereits rund zehn Prozent der variablen Kosten aus – ein Anteil, der angesichts volatiler Märkte weiter zu steigen droht. Orientierung bieten lediglich Richtwerte: Die tatsächliche Wirtschaftlichkeit hängt stark von individuellen Investitions- und Energiekosten ab. Betriebe sind daher gut beraten, eigene Kalkulationen anzustellen. Unterstützend stehen etwa Excel-Tools und Heizkostenrechner, wie jener des Österreichischen Biomasseverbandes, zur Verfügung.

Während fossile Energieträger und andere Rohstoffe starken Preisschwankungen unterliegen, scheint Waldhackgut aktuell die einzige weitgehend stabile Energiequelle zu sein. Die Folge: Für viele landwirtschaftliche Betriebe wird es immer wichtiger, die eigene Unabhängigkeit zu erhöhen. Auch ökologische Faktoren rücken in den Fokus – etwa die Frage, ob eine CO₂-neutrale Geflügelproduktion künftig zur Vermarktungsschiene werden könnte, nicht zuletzt unter dem Druck möglicher CO₂-Abgaben.

Klar ist: Energetische Autarkie beginnt bei der Gebäudehülle. Eine gute Dämmung bleibt die Basis jedes Effizienzkonzepts.

Strom: Steigende Preise, steigende Ansprüche

Rund 30 Prozent beträgt der Anstieg der Stromkosten zuletzt – getrieben durch höhere Arbeitspreise, Netzgebühren und Abgaben. Das macht Photovoltaik-Anlagen und Batteriespeicher für die Landwirtschaft attraktiver denn je. Sie senken nicht nur laufende Kosten, sondern erhöhen auch die Ausfallsicherheit: Moderne Speicher bieten Notstromfunktionen, alternativ stehen Zapfwellengeneratoren als robustes Backup bereit.

Für die Dimensionierung helfen Faustzahlen aus der Praxis: Der jährliche Stromverbrauch geteilt durch 1.000 ergibt sowohl die empfohlene kWp-Leistung einer PV-Anlage als auch die Kapazität des Stromspeichers. Beispiel: Ein Betrieb mit 30.000 kWh Jahresverbrauch sollte rund 30 kWp PV und 30 kWh Speicherkapazität einplanen. Damit lässt sich in der Regel etwa ein Drittel des Strombedarfs direkt über PV-Überschüsse decken und ein weiteres Drittel über den Speicher.

Das letzte Drittel bleibt technisch möglich, aber wirtschaftlich herausfordernd – größere Speicher, ein kleines Windrad oder die Einbindung von E-Fahrzeugen könnten Lösungen bieten. Deutlich wird jedoch: Die Photovoltaik hat im Winter Grenzen. Im Dezember werden im Schnitt nur rund 1,5 Prozent des Jahresertrags erzeugt.

Wärmeversorgung: Hackgut bleibt unschlagbar

Bei der Wärmeversorgung ist Hackgut weiterhin die mit Abstand günstigste und krisensicherste Form der Energiegewinnung. Selbst ohne eigenen Wald kann sich der Einsatz lohnen: Regionale Preise zwischen 15 und 30 Euro pro Schüttraummeter machen Hackgut zu einem stabilen Energieträger. Für den Sommerbetrieb kann ein Heizstab in Kombination mit PV sinnvoll sein, denn Strom aus der Photovoltaik lässt sich auf diese Weise flexibler nutzen als über thermische Solaranlagen.

Eine interessante Ergänzung stellen Kurzumtriebsplantagen (KUP) auf Geflügelweiden dar. Sie liefern nicht nur Energieholz, sondern schaffen Schatten, fördern eine bessere Auslaufnutzung und entsprechen zunehmend den Erwartungen vieler Konsumenten an tiergerechte Haltungsformen.

Ein Rechenbeispiel zeigt das Potenzial: Für einen Bestand von 9.600 Biomast-Hühnern werden rund 280 Schüttraummeter Wärmeholz pro Jahr benötigt. Bei einem Ertrag von 74 srm pro Hektar und Jahr wären dafür etwa 3,8 Hektar KUP nötig. Die mögliche Ersparnis liegt bei rund 7.000 Euro, während die jährlichen Kosten für die Plantage etwa 3.000 Euro betragen. Fachliche Grundlagen liefern unter anderem das DLG-Merkblatt 371 und der Biomasseverband Österreich.

Treibstoffe: Zwischen E-Mobilität und Pflanzenöl

Auch im Bereich Mobilität stehen landwirtschaftliche Betriebe vor Umbrüchen. E-Fahrzeuge – vom Auto bis zum Hoflader, perspektivisch vielleicht sogar Traktoren – gewinnen an Bedeutung. Parallel dazu bleibt die Umrüstung von Motoren auf Pflanzenöle wie Raps- oder Sonnenblumenöl ein Thema. Doch die Herausforderungen sind beträchtlich: Pflanzenöle kosten oft ähnlich viel wie fossile Kraftstoffe, und die Nutzung landwirtschaftlicher Flächen für Energie statt Lebensmittel sorgt für Akzeptanzprobleme. 

Derntl schließt mit folgender Überlegung:
„Hier könnte man aber argumentieren: Auch früher hat der Landwirt Flächen benötigt, damit die Zugfahrzeuge, also die Pferde, betrieben werden konnten...”

Magdalena Esterer
Bild: Kudlich

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