Eierbranche: Große Hoffnung auf „5xD“

22 August 2024
Agribusiness
Wissenspartner Tobis Ferling

Vor vier Monaten fiel der offizielle Startschuss für das Herkunftskennzeichen „Gutes aus deutscher Landwirtschaft“, kurz „5xD“. Handel und Landwirtschaft haben es ins Leben gerufen. Der bewusste Kauf heimischer Produkte soll damit erleichtert werden – sehr wichtig für die deutsche Eierwirtschaft.

„Die Kostenführerschaft haben wir in Deutschland schon lange verloren“, sagt Tobias Ferling, Geschäftsführer von Lohmann Deutschland. Das gilt seines Erachtens nicht nur für den Eierbereich, sondern ebenso für die Geflügel- oder Schweinefleischproduktion.

„Eine Chance für die hiesige Tierhaltung besteht nur darin, mit den sehr hohen Standards bei Tierwohl oder auch beim Arbeits- oder Umweltschutz zu punkten“, ist der Chef von Deutschlands größter Legehennen-Brüterei sicher. Diese Einschätzung teilt er mit Branchenverbänden der Landwirtschaft, aber ebenso mit dem Lebensmittelhandel (LEH). Hier setzt „5xD“ an.

Ursprung sind die Bauernproteste

Zur Vorgeschichte: Als Folge der Bauernproteste vor den Zentrallagern des LEH wurde 2021 die Zentrale Koordination Handel-Landwirtschaft e.V. (ZKHL) gegründet. Mitglieder sind Organisationen des Handels und der Landwirtschaft. Ziel sollte es sein, die Zusammenarbeit in der Kette zu verbessern und die Zukunft der deutschen Landwirtschaft durch eine bessere Wahrnehmung heimischer Produkte im Handel zu sichern.

Hierfür wurde das Herkunftskennzeichen „Gutes aus deutscher Landwirtschaft“ kreiert. Die führenden deutschen Handelsunternehmen Aldi Nord, Aldi Süd, Edeka, Kaufland sowie Lidl und Rewe Group haben sich zur Nutzung verpflichtet.

„5xD“ soll zunächst für Schweine-, Rind- und Geflügelfleisch, Obst, Gemüse, Kartoffeln, Milch sowie frische Eier eingeführt werden. Alles muss dabei vollständig in Deutschland produziert sein – vom Anbau bzw. der Geburt, bei Geflügelfleisch und Eiern von den Elterntieren an, bis zur Verpackung.

Erste gelabelte Produkte im Handel

„5xD“ ist ein freiwilliges Kennzeichen. Wer es nutzen will, muss einen Lizenzvertrag mit der ZKHL abschließen. Unabhängige Prüfsysteme aus der Landwirtschaft, wie QS, übernehmen die Zertifizierung und die Kontrollen. Nach Information einer ZKHL-Sprecherin sind die ersten gelabelten Produkte jetzt in den Filialen des Handels zu finden.

Dies gilt jedoch noch nicht für Eier. Tobias Ferling: „Bei Eiern beinhaltet „5xD“, dass auch Schlupf/Brüterei und Junghennenaufzucht in Deutschland stattfinden müssen. Hierfür gibt es jedoch eine Übergangszeit von knapp zwei Jahren bis Anfang 2026. Damit berücksichtigt man, dass heute Herden in den Betrieben stehen, bei denen die Küken oder Junghennen auch aus Nachbarländern wie den Niederlanden kommen“, so Ferling. Diese Eier können übergangsweise einen Stempel „3xD“ erhalten.

Massive Wettbewerbsnachteile in Deutschland

Lohmann Deutschland hat sich massiv mit dafür eingesetzt, dass „5xD“ umgesetzt wird. Die deutschen Brütereien haben durch den politischen Alleingang Deutschlands beim Verbot des Kükentötens einen enormen Wettbewerbsnachteil. Die Alternativen Geschlechtssortierung im Brutei sowie Bruderhahnaufzucht sind mit sehr hohen Zusatzkosten verbunden und belasten jede in Deutschland erzeugte Junghenne kostenmäßig erheblich. Das hat sich drastisch ausgewirkt: „Vor zehn Jahren gab es noch 21 Legehennen-Brütereien in Deutschland, jetzt sind es nur noch acht“, berichtet Ferling.
Er hofft stark darauf, dass sich das Label „Gutes aus deutscher Landwirtschaft“ zumindest bei Konsumeiern durchsetzt: „Wir haben einen Selbstversorgungsgrad von nicht ganz 80 Prozent. Der Eierverbrauch besteht zur Hälfte aus Konsumeiern. Diesen Markt könnten wir locker aus deutscher Produktion bestreiten.“  

Umsetzung in der Eierproduktionskette läuft an

Erste Nachfragen nach „5xD“-Eiern aus dem LEH gebe es bereits. Er sieht den Lebensmittelhandel aber auch in der Pflicht, mitzuziehen: „Die Forderung nach dem Verbot des Kükentötens kam schließlich auch vom Markt. Es kann nicht sein, dass das Verbot in Deutschland umgesetzt ist, aber weiter Eintagsküken oder Junghennen importiert werden können, bei denen dieses Verbot nicht gilt und diese -günstigeren- Eier weiterhin bei uns verkauft werden.“

Ferling geht davon aus, dass auch die Packstellen reagieren und eine Berücksichtigung von „5xD“ demnächst anläuft. Bei Legehennen gibt es, wie erläutert, schließlich einen längeren Vorlauf.
Laut ZKHL soll es Anfang September eine größere Presseaktion zu „Gutes aus deutscher Landwirtschaft“ geben mit aktiverer Werbung und Verbraucheransprache durch den LEH und Veröffentlichungen des ZKHL. „Perspektivisch“ soll das Herkunftskennzeichen laut ZKHL auf Convenience-Produkte sowie weitere Nutzerkreise (Gastronomie und Großverbraucher) ausgedehnt werden.

Text:
Christa Diekmann-Lenartz

Aufgewachsen auf einem landwirtschaftlichen Betrieb in der intensiven Tierhaltungsregion Weser-Ems (und Studium der Agrarwissenschaften). Seit vielen Jahren berichtet sie darüber, was sich im Bereich Geflügel tut - mit Schwerpunkt Niedersachsen.

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Bild: Lohmann Deutschland

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Als deutschlandweit tätiger Vermehrungsbetrieb für Legehennen beginnt die Wertschöpfungskette von LOHMANN Deutschland weit vor der Brüterei. Das Unternehmen hält eigene Elterntiere, welche Bruteier legen. In den unternehmenseigenen Brütereien finden Brut, Schlupf und in-ovo-Geschlechtsbestimmung statt.

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