Datenflut im Stall: Welche Infos Geflügelhalter wirklich brauchen

09 Februar 2025
Stallmanagement
Auditorium

Auf jedem Betrieb fallen Unmengen an Daten an. Vieles muss dokumentiert werden – für Behörden, für die Abnehmer von Fleisch oder Eiern. Aber welche Daten braucht es, die Produktion zu verbessern, das Management zu unterstützen? Welche technischen Hilfen sind künftig zu erwarten? Auf dem 12. Osnabrücker Geflügelsymposium gab es Antworten.  

Futter- und Wasserverbrauch der Tiere, Temperatur und Luftfeuchtigkeit im Stall, Schadgase in der Stallluft oder Gewichtsentwicklung – zu allem stehen dem Geflügelhalter oder der Geflügelhalterin heute jede Mengen Daten zur Verfügung. Hinzu kommen neue Tools, die zum Beispiel die Tieraktivitäten im Stall mittels Kameras überwachen – und mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) interpretieren.  

Inga Tiemann, Hochschule Osnabrück

Dass die Entwicklung hier rasant weitergeht und künftig noch präzisere weitere Anwendungen auch für den Geflügelbereich kommen werden, daran ließ Prof. Dr. Inga Tiemann keinen Zweifel. Die Wissenschaftlerin lehrt und forscht an der Hochschule Osnabrück zum Thema „Precision Livestock Farming“. Laut Prof. Tiemann lassen sich zum Beispiel schon am 2. oder 3. Lebenstag per Videoanalyse Abweichungen im Gangbild von Küken erkennen, die später zu Problemen führen könnten. 

Digitale Überwachung: Wie Sensoren und Kameras helfen

Kameragestützte Systeme könnten künftig in Freilandhaltungen nicht nur dokumentieren, dass die Tiere nach draußen gehen, sondern auch, wie oft oder wie lange sie draußen bleiben. Ein weiterer Anwendebereich für ein kamera-gestütztes Monitoring könnten in Zukunft Gefiederbonituren sein. 

Geforscht wird, so Prof. Tiemann, auch an Analyse-Tools für Tiergeräusche, die etwa sich anbahnende Atemwegserkrankungen oder Stress bei den Tieren erkennen. Letzteres, eine Krankheitsfrüherkennung im Stall, ist ein Beispiel, dass die neuen Technologien helfen können, das Tierwohl zu verbessern und gleichzeitig wirtschaftliche Vorteile für den Tierhalter mit sich brächten. 

Der Geflügelhalter von heute steht aber sicher noch eher vor der Frage, welche der anfangs genannten Daten, die in jedem Stall anfallen, für ihn wichtig sind, wie er sie nutzen muss oder kann. Dazu gab es auf der Osnabrücker Veranstaltung eine Einordnung von Dr. Kathrin Toppel von der Arbeitsgruppe Angewandte Geflügelwissenschaften an der Hochschule Osnabrück.   

Dokumentationspflichten: Nachhaltigkeit wird immer wichtiger

Dr. Toppel geht davon aus, dass die Dokumentationspflichten für Tierhalter künftig nicht weniger werden. Als Hersteller von Lebensmitteln muss man deren Unbedenklichkeit belegen. Das hierzulande unbestritten hohe Niveau der Lebensmittelsicherheit wird durch Überwachung abgesichert. 

Kathrin Toppel, Hochschule Osnabrück

Hinzu werden künftig verstärkt Aspekte der Nachhaltigkeit auch auf betrieblicher Ebene zu dokumentieren sein. Als ein Beispiel nannte Dr. Toppel die Reduzierung des CO2-Fußabdruckes. Entsprechende Anforderungen kommen nicht nur von gesetzlicher Seite, sondern verstärkt von den Abnehmern aus dem Lebensmittelhandel. Dort spielen die Themen Nachhaltigkeit, Umwelt- und Klimaschutz eine zunehmend große Rolle. Nur wer die diesbezüglichen Kriterien erfüllt, hat eine „Lizenz zur Lieferung“. 

Monitoring im Stall: Warum kontinuierliche Daten entscheidend sind

Neben den Dokumentationsanforderungen von außen ist für den Betrieb eine laufende Überwachung des Produktionsprozesses sehr wichtig. Für ein solches Monitoring braucht man nicht nur punktuelle Daten, sondern eine Verlaufsdokumentation verschiedener Parameter. Stallkarten, egal ob händisch ausgefüllt oder digital erfasst, bieten zum Beispiel eine laufende Erfassung von Daten aus dem Stall.  

Die laufenden Monitoring-Daten sind wiederum Grundlage für das betriebliche Controlling. Gibt es Auffälligkeiten im Bestand? Muss ich eingreifen? Muss ich zum Beispiel die Lüftung anders einstellen, passt die Temperatur nicht? Dieses betriebliche Controlling kann immer nur so gut sein wie die (Monitoring-)Daten, die mir für meine Entscheidung zur Verfügung stehen. Das heißt zum Beispiel, dass die Sensoren im Stall immer ok sein müssen und auch zu kontrollieren sind. „Sonst bekomme ich falsche Daten und ziehe falsche Rückschlüsse“, so die Geflügelexpertin. 

Mehr als Zahlen: Landwirte brauchen Kompetenz im Umgang mit Daten

Ein wichtiger Aspekt für sie: Die Daten aus dem Stall, ggf. aufbereitete Daten, sollen den Tierhalter in seinen Entscheidungen unterstützen und das Herdenmanagement erleichtern. Dafür braucht es Kompetenz. Als Tierhalter muss man Zusammenhänge erkennen können, Daten von verschiedener Seite miteinander in Bezug setzen können. Dafür ist Qualifizierung notwendig. Nur dann kann man die zunehmende Digitalisierung auch gewinnbringend für den Betrieb nutzen. 

Ein unbestreitbarer Vorteil: Als Tierbetreuer kann ich nicht 24 Stunden und sieben Tage die Woche im Stall sein. Sensoren oder Kameras können das aber - und in Echtzeit Daten zur Verfügung stellen.  

Text:
Christa Diekmann-Lenartz

Aufgewachsen auf einem landwirtschaftlichen Betrieb in der intensiven Tierhaltungsregion Weser-Ems (und Studium der Agrarwissenschaften). Seit vielen Jahren berichtet sie darüber, was sich im Bereich Geflügel tut - mit Schwerpunkt Niedersachsen.

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Bild: Jörg Hunold

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