Tierseuchenexpertin: „Geflügelhalter sind so top!“

19 September 2025
Biosicherheit
Desintec Geflügelpest

Prof. Dr. Carola Sauter-Louis leitet den Bereich Epidemiologie am Friedrich-Loeffler-Institut, Insel Riems. Auf einer Fachsymposium in Münster sprach sie über das aktuelle Seuchengeschehen – inklusive Geflügelpest. Den hiesigen Geflügelbetrieben bescheinigte sie, dass sie top geworden sind bei Biosicherheit und Seuchenprävention. 

Das Arbeitsgebiet von Prof. Dr. Carola Sauter-Louis beim Friedrich-Loeffler-Institut (FLI), Insel Riems, sind unter anderem einheimische Tierseuchen. Bei allen Haupt-Nutztierarten gibt es aktuell viel zu berichten: Zur Afrikanischen Schweinepest, zu Blauzungenkrankheit sowie Maul- und Klauenseuche bei Rindern und zur Vogelgrippe. 

Das machte die ausgebildete Tierärztin auf einem Fachsymposium in Münster, das Hygienespezialist Desintec anlässlich seines 25. Geburtstages veranstaltete. Die Vogelgrippe hält die Geflügelbranche weltweit nach wie vor in Atem, alle Kontinente inklusive der Antarktis sind inzwischen betroffen. Und eben nicht nur Geflügelbestände. Am stärksten in den Medien diskutiert werden die vielen Fälle in Milchviehherden in den USA. 

Rückkehr zur Saisonalität bei der Vogelgrippe?

Speziell in Deutschland ist die Lage dagegen momentan relativ ruhig, so Dr. Carola Sauter-Louis. In diesem Sommer gab es weniger Fälle als in den Jahren zuvor. Bis einschließlich 2020 war die Vogelgrippe hierzulande ein stark saisonales Geschehen. Es war im Wesentlichen auf die Herbst-/Winter-/Frühjahrszeit beschränkt – die Zeit der Wildvogelzüge. 

In den vergangenen drei, vier Jahren gab es dann jedoch auch viele Fälle im Sommer, insbesondere bei Wildvögeln. Das Vogelgrippe-Virus hat sich in der heimischen Wildvogel-Population ausgebreitet. Hier hat sich scheinbar wieder etwas geändert: Laut der FLI-Wissenschaftlerin gab es beispielsweise seit Oktober vergangenen Jahres in Deutschland nur 360 gemeldete Fälle bei Wildvögeln. Im Jahr 2022/2023 waren es über 1.000 gewesen. Dr. Sauter-Louis geht davon aus, dass die „Durchseuchung“ in den heimischen Wildvogelpopulationen zu einer gewissen Immunität geführt hat.

Voller Saal beim Fachsymposium zum 25. Geburtstag von Desintec.

Vieldiskutiertes Thema: Infektionen bei Milchkühen

Im April 2024 gab es den ersten Fall von Vogelgrippe bei Milchkühen in den USA, das Virus breitete sich danach rasch aus auf andere Herden. Nach 14 Monaten waren es fast 1.000 Betriebe in 17 Bundesstaaten. Bei den Milchkühen spielt das Euter eine zentrale Rolle bei der Vogelgrippe-Infektion. Die Zellstruktur des Euters ähnelt den Zellstrukturen beim Geflügel und scheint deshalb empfänglich für das Virus zu sein. Von den in den USA gemeldeten 70 Vogelgrippe-Infektionen bei Menschen, die zumeist relativ mild verlaufen sind, standen 41 in Zusammenhang mit infizierten Milchviehherden. 

Die Gefahr, dass es auch hierzulande ein ähnliches Szenario bei Milchkühen geben könnte, sah die Wissenschaftlerin als nicht groß an: „Bei uns gibt es eine deutlich andere Nachverfolgbarkeit als etwa in den USA.“ 

Geflügelbetriebe haben Biosicherheit optimiert

Ein großes Lob gab es für die Geflügelhalterinnen und Geflügelhalter hierzulande, was die Biosicherheit angeht. „Es hat sich diesbezüglich sehr viel getan seit dem ersten großen Vogelgrippe-Zug von 2016“, sagte Dr. Sauter-Louis. Damals und auch beim zweiten großen Vogelgrippe-Geschehen 2020/2021 waren Putenbetriebe sehr stark betroffen. Das sei heute Vergangenheit, speziell auch in den Putenhaltungen sei sehr viel optimiert worden. 

Angesichts der beginnenden Vogelzugsaison mahnte sie dennoch, jetzt besonders umsichtig zu sein und die Gefahr eines Virus-Eintrags im Hinterkopf zu haben: „Das Wichtigste ist, die Biosicherheitsmaßnahmen optimal zu nutzen und sehr schnell zu reagieren und beim ersten Verdacht zu handeln, etwa tote Tiere untersuchen zu lassen.“

Tierseuchen zur biologischen Kriegsführung?

Eine interessante Frage gab es an die Wissenschaftlerin aus dem Publikum: Ist es denkbar, dass Tierseuchen als „biologische Kriegswaffe“ genutzt würden? Nach Einschätzung von Dr. Sauter-Louis sei ein „kriminelles Potenzial“ natürlich bei Tierseuchen vorhanden, man könne damit sehr großen wirtschaftlichen Schaden anrichten, allein durch die Störung von Handelsbeziehungen. Sie selbst hatte im Januar diesen Jahres am Tag nach dem MKS-Fall bei Wasserbüffeln in Brandenburg einen Anruf der Bundeswehr bekommen und war um eine Einschätzung gebeten worden. In dem Fall konnte sie jedoch keinen Vorsatz erkennen: „Kriminelle hätten sich sicher eine andere, tierdichtere Region ausgesucht als den Stadtrand von Berlin.“ 

 

Text:
Christa Diekmann-Lenartz

Aufgewachsen auf einem landwirtschaftlichen Betrieb in der intensiven Tierhaltungsregion Weser-Ems (und Studium der Agrarwissenschaften). Seit vielen Jahren berichtet sie darüber, was sich im Bereich Geflügel tut - mit Schwerpunkt Niedersachsen.

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Bild: Christa Diekmann-Lenartz

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