Kolkraben, Krähen, Wölfe: „Auch Gänse brauchen draußen Schutz!“

14 August 2026
Gans
Gänsezucht Schwerk

Die Weiden von Manfred Schwerks Zuchtgänsen liegen weit verstreut im freien Gelände. Hier sagen sich nicht nur Fuchs und Hase gute Nacht. Auch Krähen, Kolkraben und Wölfe fühlen sich hier wohl. Zum Schutz hat der Züchter Herdenschutzhunde angeschafft. Er wünscht sich, dass es hierfür Zuschüsse gibt – wie bei Schaf- oder Ziegenhaltern.   

„Bei uns gibt es Wölfe, ich habe bereits mehrfach Tiere gesichtet“, erzählt Gänse- und Entenzüchter Manfred Schwerk. Er ist auch Jäger. Rund um seinen Wohnort Wistedt im niedersächsischen Landkreis Harburg leben mehrere bestätigte Rudel. Dort befinden sich auch die Weiden für seine Zuchtgänse-Herden.

Kolkraben gangjährig unter Schutz

Noch mehr Sorge und sehr konkret zu schaffen machen ihm Rabenkrähen und Kolkraben. Die Zuchtgänse bauen ihre Nester draußen, legen die Eier dort ab. Die Nester sind während der Brutsaison immer wieder das Ziel von Attacken durch Krähen und Kolkraben: „Die Rabenkrähen dürfen wir zumindest ab dem 1. August bejagen, aber die Kolkraben stehen ganzjährig unter Schutz, wir können sie überhaupt nicht dezimieren“, erzählt er. Auch junge Mastgänse seien vor den Angriffen von Kolkraben nicht sicher. Kolkraben haben sich bei ihm zu einer regelrechten Plage entwickelt.  

Zum Schutz seiner wertvollen Zuchttiere hat Manfred Schwerk deshalb Herdenschutzhunde angeschafft. „Das erste Paar Pyrenäen-Berghunde habe ich 2015 erworben“, so Schwerk. Heute sind bei ihm 20 Tiere im Dienst, jeweils zwei oder drei Tiere bewachen eine Herde. Außerdem zäunte er die Ausläufe mit Knotengeflechtzäunen ein. Die Pyrenäen-Berghunde halten Prädatoren fern, kosten den Betrieb aber natürlich viel Geld. Der Anschaffungspreis lag bei rund 4.000 Euro pro Tier, die laufenden Kosten betragen etwa 2.000 Euro pro Tier und Jahr.

Die Gänsezucht von Manfred Schwerk umfasst mehrere Herden, die räumlich weit verteilt auf den Flächen des Betriebes stehen.

242 Wolfrisse in 2025 in Niedersachsen

In Niedersachsen gibt es, wie in anderen Bundesländern auch, ein Wolfsmanagement. Die -gewünschte- Koexistenz von Wolf und Weidetieren ist ein schwieriges Thema, das regelmäßig für kontroverse und hitzige Diskussionen sorgt. Niedersachsen ist das Bundesland mit den meisten Wolfsrudeln. Im vergangenen Jahr gab es dort 242 Wolfsrisse bei Nutztieren, der überwiegende Teil davon Schafe. 

In Niedersachsen gibt es nicht nur „Billigkeitsleistungen“, also Entschädigungen, für durch Wolfsübergriffe getötete oder verletzte Tiere. Als weitere Komponenten gibt es eine Unterstützung für Präventionsmaßnahmen und für den „Mehraufwand des Grundschutzes“ für Schaf- und Ziegenhalter. Bei Schafhaltern sind dies zum Beispiel 260/325 Euro je Hektar und Jahr. Das Geld kann für wolfsabweisende Schutzzäune oder für Herdenschutzhunde eingesetzt werden. 

Gänse kommen in Förderrichtlinie nicht vor

Der Knackpunkt für Manfred Schwerk: Laut Förderrichtlinie können diese Unterstützung nur Halter von Schafen, Ziegen, Gatterwild, Rindern und Pferden beantragen. Für Manfred Schwerk unverständlich: „Zuchtgänse kommen dort nicht vor. Sie sind aber auch Weidetiere und müssen ebenso geschützt werden vor wild lebenden Feinden, die eben nicht bejagt werden dürfen.“ 

Herdenschutzhunde, bei Manfred Schwerk sind es Pyrenäen-Berghunde, sind teuer in der Anschaffung und im Unterhalt.

Kolkraben greifen auch Lämmer an

Ihm ist bewusst, dass er mit seinem Zuchtgeflügel eine Ausnahme darstellt, dennoch ist er der Meinung, dass ihm eine Unterstützung des Landes auch gewährt werden sollte: „Man möchte eine Koexistenz von Wolf und Weidetieren. Bei den Gänsezüchtern kommen die Rabenkrähen und Kolkraben als geschützte Arten dazu. Das ist eine große Herausforderung und bedeutet für betroffene Betriebe hohe Extrakosten“, erläutert er. Über Kolkraben weiß man inzwischen, dass sie durchaus auch Lämmer auf der Weide angreifen. Das Thema betrifft also nicht nur die Geflügelhalter. 

Er kann seine Gänse nicht drinnen halten, das wäre seiner Meinung nach auch aus Tierschutz- und Tierwohlaspekten nicht machbar, betont er. Deshalb ist es für ihn nicht nachvollziehbar, warum er mit seinen wertvollen Zuchttieren aus dem Förderraster des Landes Niedersachsen herausfällt. Ein Anliegen für den Geflügelzüchter und Jäger ist es außerdem, dass Kolkraben bejagt werden dürften.     


Betriebsspiegel Schwerk (Stand 2025)

425 ha landwirtschaftliche Nutzfläche

13.000 Zuchtgänse (neun Herden)

2.500 Zucht-Pekingenten 

250.000-300.000 verkaufte Küken pro Jahr

16.000 Mastgänse pro Jahr

18.000 Mastenten pro Jahr

Brüterei

EU-Schlachthaus

19 Mitarbeitende


 


Christa Diekmann-Lenartz
Bild: Kristoffer Finn, Christa Diekmann-Lenartz

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