GWV Nordrhein-Westfalen: Verbandsarbeit und Markt im Fokus

28 September 2026
Deutschland
Charlotte

Charlotte Wilmes, Geschäftsführerin GWV Nordrhein-Westfalen


Die Geflügelbranche steht vor vielfältigen Herausforderungen. Bei der diesjährigen Mitgliederversammlung des Geflügelwirtschaftsverbandes Nordrhein-Westfalen ging es neben der aktuellen Verbandsarbeit unter anderem um die Entwicklungen auf den Geflügel- und Eiermärkten.

Die diesjährige Mitgliederversammlung des Geflügelwirtschaftsverbandes Nordrhein-Westfalen (GWV NRW) fand in Delbrück (Landkreis Paderborn) statt. Breiten Raum nahm zunächst der Bericht über die Arbeit des Verbandes ein. Geschäftsführerin Charlotte Wilmes gab einen Überblick über die vielen Themen, die den Verband im vergangenen Jahr beschäftigt haben. 

Newcastle-Krankheit wieder aktuell

Ein Schwerpunkt war das Auftreten der Newcastle-Krankheit in Deutschland, die nach sehr langer Abwesenheit wieder Betriebe in Brandenburg und Bayern traf. Der GWV Nordrhein-Westfalen reagierte kurzfristig mit einer Online-Veranstaltung, bei der nach Angaben der Geschäftsführerin fast 1.000 Teilnehmer dabei waren.

Auch die Geflügelpest beschäftigte den Verband intensiv. Im Mittelpunkt standen unter anderem Fragen zur Aufstallung, zu Restriktionszonen und zur möglichst betriebsspezifischen Umsetzung von Maßnahmen. Gleichzeitig suchte der Verband den Austausch mit Behörden und der Öffentlichkeit und erläuterte die Situation der Geflügelhalter in Mediengesprächen und Interviews.

Ein weiteres Problem zeigte sich bei der Räumung betroffener Betriebe. Begrenzte Kapazitäten bei der Keulung sowie bei Reinigung und Desinfektion führten teilweise zu Verzögerungen. Als Reaktion wurden unter bestimmten Voraussetzungen auch externe Unternehmen für diese Arbeiten einbezogen.

NRW-Geflügeltag mit hoher Beteiligung

Auch der NRW-Geflügeltag auf Haus Düsse war Bestandteil des Verbandsjahres. Mit rund 150 Teilnehmern stieß die Veranstaltung auf eine hohe Resonanz. Gerade bei neuen gesetzlichen Vorgaben sieht der Verband weiterhin erheblichen Informations- und Gesprächsbedarf. Viele Regelungen befinden sich in der Entwicklung und müssen anschließend in der Praxis umgesetzt werden.

Valentin Schulze Spüntrup, Agravis

Stallbau und Genehmigungen wichtiges Thema

Ein weiterer Schwerpunkt der Verbandsarbeit war der Stallbau. Gemeinsam mit anderen Verbänden wurden Gespräche mit politischen Entscheidungsträgern und Behörden geführt. Dabei ging es unter anderem um die Novellierung des Baugesetzbuches und die Möglichkeiten des Stallbaus im Außenbereich.

Gerade vor dem Hintergrund neuer Anforderungen an Lüftung, Abluftreinigung und Energieversorgung gewinnt dieser Bereich weiter an Bedeutung. Technische Lösungen müssen nicht nur funktionieren, sondern sich auch baurechtlich und wirtschaftlich in bestehende oder neue Stallkonzepte integrieren lassen. Hierzu gab es im Anschluss an die Mitgliederversammlung einen Fachvortrag.  

Auch die Öffentlichkeitsarbeit des Verbandes soll weiterentwickelt werden. Geplant ist unter anderem ein öffentlich zugängliches Mitgliederverzeichnis auf der Verbands-Homepage. Betriebe sollen sich dort mit Logo, Anschrift, Website und einer kurzen Beschreibung präsentieren können.

Marktüberblick: Geflügelfleisch und Eier im Fokus

In den Fachvorträgen richtete sich der Blick unter anderem auf die Entwicklung der Geflügel- und Eiermärkte. Hierzu referierte Valentin Schulze Spüntrup, Leiter des Geschäftsfeldes Geflügel bei Agravis.

Beim Geflügelfleisch zeigt sich seit längerem eine positive Entwicklung des Pro-Kopf-Verbrauchs in Deutschland. Innerhalb der Geflügelarten entwickeln sich Hähnchen und Pute allerdings unterschiedlich. Der zusätzliche Geflügelfleischkonsum wird nach Einschätzung des Referenten vor allem durch Hähnchenfleisch getragen. 

Auch das Verbraucherverhalten verändert sich. Preissensibilität spielt eine zunehmende Rolle. Größere Verpackungen, Aktionsangebote und preisgünstigere Teilstücke gewinnen an Bedeutung. Gleichzeitig wies der Geflügelfachmann darauf hin, dass der zusätzliche Konsum vor allem bei Frischware stattfindet. 

Christoph Johanngieseker, Vorsitzender GWV Nordrhein-Westfalen

Auch die Entwicklung des Eiermarktes wurde thematisiert. Der Eierverbrauch in Deutschland ist in den vergangenen Jahren gestiegen. Gleichzeitig ist die heimische Selbstversorgung rückläufig, sodass Importe aus anderen europäischen Ländern eine größere Rolle spielen.

Bei den Haltungsformen zeigt sich eine deutliche Verschiebung. Freiland- und Biohaltung haben an Bedeutung gewonnen. Damit steht die deutsche Eierwirtschaft vor der Aufgabe, eine steigende Nachfrage mit den wachsenden Anforderungen an Haltung, Tierwohl und Wirtschaftlichkeit in Einklang zu bringen.

Althennen werden zur Herausforderung

Als ein Problemfeld wurde zudem die Schlachtung von Althennen angesprochen. Durch die Schließung einzelner Schlachtbetriebe in Deutschland und den Niederlanden könnten künftig Kapazitäten fehlen. Damit könnten sich auch die Transportwege verlängern. Neben den zusätzlichen Logistikkosten spielt dabei die Transportdauer eine wichtige Rolle. 

In seiner Begrüßung zur Mitgliederversammlung hatte der GWV-Vorsitzende Christoph Johanngieseker dies bereits thematisiert: „Wenn wir beispielsweise Schlachthühner verladen wollen und bereits die Be- und Entladezeiten berücksichtigen müssen, stellt sich irgendwann die Frage, ob ein Transport überhaupt noch sinnvoll durchgeführt werden kann.“ 

Christa Diekmann-Lenartz
Bild: Dieter Theyssen

Reagieren

Geflügelnews lädt Sie ein, auf Artikel zu reagieren und schätzt Reaktionen mit Inhalt. Die Redaktion behält sich das Recht vor, beleidigende oder kommerziell motivierte Reaktionen ohne Angabe von Gründen zu entfernen.