Hühner besser vor Krankheiten schützen: Britische Forscher entdecken neuen Immunmechanismus

08 November 2026
Impfung
Legehenne Porträt

Britische Wissenschaftler haben bei Hühnern bislang unbekannte Immunzellen entdeckt. Diese können Krankheitserreger bekämpfen und andere Abwehrzellen aktivieren. Die Forscher hoffen, mit diesem Wissen künftig wirksamere Impfstoffe für Geflügel entwickeln zu können.

Wissenschaftler der Universität Bristol und des britischen Pirbright Institute haben eine bislang unbekannte Gruppe von Immunzellen bei Hühnern nachgewiesen. Die Entdeckung könnte die Entwicklung neuer Geflügelimpfstoffe voranbringen. Besonders interessant: Der zugrunde liegende Abwehrmechanismus kommt offenbar bei verschiedenen Hühnerrassen vor. Damit könnte er künftig als gemeinsamer Ansatzpunkt für Impfstoffe dienen.

Die Forscher veröffentlichten ihre Ergebnisse im Fachjournal European Journal of Immunology. Darin beschreiben sie erstmals sogenannte NKT-ähnliche Zellen bei Vögeln, die auf bestimmte Fettmoleküle reagieren.

Neu entdeckte Immunzellen helfen Hühnern bei der Abwehr von Krankheitserregern

NKT-Zellen sind spezielle Immunzellen, die bei Säugetieren bereits bekannt sind. Sie reagieren schnell auf Infektionen und unterstützen das Immunsystem dabei, einen längerfristigen Schutz aufzubauen. Ob Hühner über vergleichbare Zellen verfügen, war bislang unklar. Nun konnten die britischen Wissenschaftler solche NKT-ähnlichen Zellen erstmals bei Hühnern nachweisen.

Die Forscher untersuchten auch, wie diese Zellen aktiviert werden. Erkennt das Immunsystem eine mögliche Gefahr, bilden bestimmte Immunzellen ein natürlich vorkommendes Fettmolekül namens GM3 und präsentieren es auf ihrer Oberfläche. Gleichzeitig setzen sie chemische Botenstoffe frei, die andere Abwehrzellen alarmieren.

Die neu entdeckten NKT-ähnlichen Zellen reagieren auf diese Kombination. Erst wenn sie sowohl das GM3-Molekül als auch die Alarmsignale erkennen, werden sie aktiv.

Immunzellen bekämpfen Salmonellen und virusinfizierte Zellen

Nach ihrer Aktivierung übernehmen die NKT-ähnlichen Zellen gleich mehrere Aufgaben. Sie setzen Botenstoffe frei, die weitere Immunzellen zum Infektionsort locken. So unterstützen sie die Abwehr von Krankheitserregern wie Salmonellen und Escherichia coli (E. coli).

Darüber hinaus können sie virusinfizierte oder geschädigte Körperzellen direkt zerstören.

Die neu entdeckten Immunzellen erfüllen damit zwei wichtige Funktionen: Sie steuern die Abwehrreaktion und greifen zugleich selbst in die Bekämpfung infizierter Zellen ein.

Neue Impfstoffe könnten bei verschiedenen Hühnerrassen wirken

Nach Einschätzung der Wissenschaftler könnte der neu entdeckte Immunmechanismus dazu beitragen, Geflügel künftig zuverlässiger vor Infektionskrankheiten zu schützen. Nitin Kamble, Postdoktorand am Pirbright Institute und Mitautor der Studie, sieht darin großes Potenzial. Da der untersuchte Immunmechanismus bei verschiedenen Geflügelrassen vorkomme, könnte er einen gemeinsamen Ansatzpunkt für Impfstoffe bieten.

Durch die Kombination von Impfstoffen mit lipidbasierten Bestandteilen wie GM3 ließen sich möglicherweise mehrere Bereiche des Immunsystems gleichzeitig aktivieren. Das könnte die Immunantwort verstärken und einen zuverlässigeren Schutz ermöglichen.

Bis zu neuen Geflügelimpfstoffen ist weitere Forschung nötig

Die Ergebnisse liefern neue Erkenntnisse darüber, wie das Immunsystem von Hühnern Krankheitserreger erkennt und bekämpft. Zugleich eröffnen sie neue Möglichkeiten für die Impfstoffentwicklung.

Ob sich der entdeckte Mechanismus tatsächlich für neue Impfstoffe nutzen lässt, müssen weitere Untersuchungen zeigen. Auch ob solche Impfstoffe unter Praxisbedingungen einen besseren Schutz bieten, ist noch offen.

Geflügelnews / Cordula Möbius
Bild: GWÖ
Quelle: WATTPoultry

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