Keine Eier im Winter? Warum Zugluft und Nässe Legehennen stärker belasten als Frost

06 Februar 2026
Stallmanagement
Wintergarten

Frost gilt vielen als größter Feind im Hühnerstall. Doch in der Praxis sind es oft Zugluft und Feuchtigkeit, die Legeleistung und Tiergesundheit gefährden. Immer mehr Geflügelhalter reagieren darauf mit Streifen- oder Planenvorhängen – und verbessern damit nicht nur das Stallklima, sondern auch die Qualität der Eier.

Feuchte Einstreu erhöht Krankheitsdruck und Ammoniak




Frost ist selten das Hauptproblem im Stall

Wenn im Winter die Temperaturen sinken, wächst bei vielen Geflügelhaltern die Sorge um ihre Tiere. Doch nicht die Kälte selbst bringt Legehennen am stärksten unter Druck. Entscheidend ist das Stallklima – und das leidet vor allem unter Wind, Zugluft und Feuchtigkeit.

Windchill-Effekt: Wenn Energie nicht mehr ins Ei fließt

Hühner gelten als relativ kältetolerant. Mit einer Körpertemperatur von rund 41 Grad Celsius können sie Wärme effizient regulieren, solange ihr Gefieder trocken bleibt und der Stall nicht auskühlt. Problematisch wird es, wenn kalte Luft ungehindert einströmt. Dann müssen die Tiere zusätzliche Energie für die Thermoregulation aufbringen. Diese Energie fehlt an anderer Stelle – etwa bei der Eibildung.

Der sogenannte Windchill-Effekt verstärkt die Belastung. Einströmende Kaltluft senkt die gefühlte Temperatur im Stall deutlich. Gleichzeitig steigt bei sinkenden Temperaturen der Futterbedarf, weil die Tiere ihren Wärmehaushalt ausgleichen müssen. Können Halter diese Mehraufnahme nicht kompensieren, nimmt die Legeleistung ab oder bricht im Extremfall vollständig ein.

Neben Wind zählt Nässe zu den größten Risiken in der kalten Jahreszeit. Ohne Schutz gelangt Schlagregen oder Schnee leicht in den Stallbereich und durchnässt die Einstreu. Feuchte Einstreu fördert Fußballenentzündungen (Pododermatitis) und erhöht die Ammoniakbelastung. Beides belastet die Tiere erheblich und kann langfristig auch die Atemwege schädigen.

Vorhänge im Stall: einfache Technik, große Wirkung

Um den direkten Windeinfall an Ausläufen, Türen oder offenen Stallfronten zu verhindern, installieren immer mehr Betriebe flexible Windschutzsysteme. Besonders verbreitet sind PVC-Streifenvorhänge oder robuste, feuchtigkeitsbeständige Gewebeplanen. Sie wirken wie eine Pufferzone: Sie bremsen Wind und Nässe aus, ohne den freien Tierverkehr einzuschränken.

Die Vorteile zeigen sich in mehreren Bereichen. Vorhänge reduzieren Stress, weil Hühner auf Zugluft häufig mit Meideverhalten reagieren und sich zusammenkauern. Gleichzeitig stabilisiert ein ausgeglicheneres Stallklima die Eierschalenqualität. Kältestress und Stresshormone können den Mineralstoffwechsel stören – die Folge sind dünnere Schalen oder deformierte Eier. Auch die Einstreu bleibt durch den Windschutz länger trocken und scharrfähig, was Hygiene und Tiergesundheit verbessert.

Wichtig bleibt die Lüftung: Frischluft darf nicht fehlen

Entscheidend bleibt jedoch die richtige Balance: Windschutz darf die Lüftung nicht ersetzen. Nach den Leitlinien der DLG muss der Luftwechsel im Stall gesichert bleiben, damit Feuchtigkeit sowie Schadgase wie Ammoniak und CO₂ zuverlässig entweichen können. Vorhänge sollten daher vor allem Zugluft auf Tierhöhe stoppen, während Firstlüftung oder höher gelegene Lüftungsklappen weiter funktionieren müssen.

Denn zu hohe Luftfeuchtigkeit gilt als gefährlicher als moderate Kälte. Wer den Stall dicht macht, riskiert ein Klima, das Tierwohl und Leistung stärker beeinträchtigt als Frost.

Geflügelnews
Bild: Big Dutchman
Quelle: agrarheute / Martina Hungerkamp

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