Auf der Grünen Woche 2026 ist Bio ein wichtiges Thema. Die Anbauverbände informieren, Bioproduzenten präsentieren ihre Kreationen, in der Biohalle gibt es ein vielfältiges Bühnenprogramm. An interessierten Besucherinnen und Besuchern mangelt es nicht – aber an Neueinsteigern in die Biolandwirtschaft.
Dr. Peter Boysen ist Vorstandsvorsitzender des Bioland-Regionalverbandes Schleswig-Holstein, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern. Auch er ist am Stand seines Bundesverbandes auf der Grünen Woche aktiv und steht als Ansprechpartner für interessierte Besucher zur Verfügung. Er bringt ein aktuelles Kernproblem der Biolandwirtschaft auf den Punkt: „Die Nachfrage nach Bioprodukten wächst hierzulande – wir können den Bedarf nicht mehr aus deutscher Produktion decken."
Nachfrage auch nach Bio-Eiern und Bio-Geflügelfleisch wächst
Auch im Biobereich steigt zum Beispiel die Nachfrage nach Eiern und nach Geflügelfleisch – eine Entwicklung, die ebenso bei den entsprechenden konventionellen Produkten zu sehen ist. Egal, ob konventionell oder Bio, der Bau eines neuen Stalles erfordert eine hohe Investition – abgesehen von der Problematik Baugenehmigung. „Betriebe, die auf Bio umsteigen wollen, müssen meistens neu bauen oder erhebliche Umbaumaßnahmen vornehmen". Darin sieht Dr. Peter Boysen einen Hauptgrund, warum die Produktion hierzulande der Nachfrage hinterherhinkt.
Eine weitere wichtige Ursache ist für ihn aber auch die Unsicherheit bei umstellungsinteressierten Betrieben, wie es in den kommenden Jahren wirtschaftlich weitergeht. Bauliche Investitionen in der Landwirtschaft erfordern lange Abschreibungszeiträume. Dieses setzt politische Verlässlichkeit voraus und dazu zählt vor allem die Ausgestaltung der Prämien für die Ökologische Landwirtschaft durch GAP, die ab 2028 neugestaltet wird.
Positive Einschätzung der Kooperation mit Lebensmittelhandel
Die Nachfrageentwicklung sieht er weiter positiv. Mit dazu beigetragen, den Absatz an Bioprodukten zu erhöhen, hat seines Erachtens ganz klar die Entscheidung der Bioverbände, auch über Discounter und den Lebensmitteleinzelhandel zu vermarkten. Bioland hat als erster Verband im Herbst 2018 einen langfristigen Kooperationsvertrag mit Lidl abgeschlossen. Hierin wird angestrebt, für die Erzeuger auskömmliche Erlöse zu erzielen. Der Bioland-Verband hat zum Beispiel seit zwei Jahren auf der Grünen Woche in der Biohalle einen gemeinsamen Stand mit Lidl und Kaufland.
Andere Bioverbände nutzen inzwischen ebenso die Vermarktungswege über Discounter und den Lebensmitteleinzelhandel. Dr. Peter Boysen hält diese Entscheidung nach wie vor für richtig – auch wenn Diskussionen darüber heute noch manchmal geführt werden. Viele Verbraucher, die ökologische Lebensmittel kaufen möchten, wollen die Produkte auch im Discounter oder im Supermarkt erhalten. Der Weg zum Naturkostfachhandel oder zu einem Hofladen ist für viele oft zu weit oder zu zeitaufwändig.
Vermarktung über die verbandseigene Organisation
Die Vermarktung der Bioland-Produkte erfolgt größtenteils über die Bioland-Vermarktungsgesellschaft. Die Preisgestaltung läuft dann auch hierüber. Bei bestimmten Produkten mit regionalem Fokus wie zum Beispiel Eiern, Kartoffeln oder Saisongemüse gibt es auch Lieferverträge zwischen einzelnen Supermärkten und landwirtschaftlichen Betrieben.
Zu Bioland gehören über 8.700 Bio-Betriebe aus der Landwirtschaft, der Imkerei, dem Weinbau und dem Obstbau sowie mehr als 1.400 Partnerbetriebe aus Verarbeitung, Gastronomie und Handel. Ansässig sind sie in Deutschland und Südtirol. Insgesamt bewirtschaften diese Betriebe ungefähr 500.000 ha – das ist etwa ein Drittel der gesamten deutschen Bio-Anbauflächen.




































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