Edeka unter Druck: Tierschützer kritisieren mangelndes Engagement beim Tierwohl von Masthühnern

20 August 2025
Deutschland
Masthähnchen Tierschützer

Die Supermarktkette Edeka steht erneut in der Kritik von Tierschutzorganisationen. Im Zentrum steht die Frage, wie glaubwürdig die Tierwohl-Versprechen des Lebensmitteleinzelhandels sind – und ob Edeka seiner Rolle als Marktführer gerecht wird. Eine repräsentative Umfrage im Auftrag der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt kommt zu dem Ergebnis: Das Vertrauen der Verbraucherinnen und Verbraucher in Supermärkte und Discounter ist beim Thema Tierschutz äußerst gering.

Umfrage zeigt: Verbraucher misstrauen Supermärkten

Für die Befragung hatte das Meinungsforschungsinstitut Civey am 12. und 13. August 2025 insgesamt 2.500 Personen ab 18 Jahren online interviewt. Die Ergebnisse sind nach Angaben von Civey repräsentativ und weisen einen statistischen Fehler von 3,6 Prozentpunkten auf.

Beim generellen Vertrauen in Tierwohl-Versprechen äußerten nur 1,9 Prozent der Befragten, dass sie Supermärkten „auf jeden Fall“ vertrauen. Weitere 9,7 Prozent gaben „eher Vertrauen“ an. Demgegenüber äußerte eine klare Mehrheit von 61,5 Prozent wenig oder gar kein Vertrauen (32,2 Prozent „eher nicht“, 29,3 Prozent „auf keinen Fall“). Rund 27 Prozent zeigten sich unentschlossen.

So schneidet der Marktführer ab: Edeka mit schwachen Vertrauenswerten

Auf die konkrete Frage nach dem Vertrauen in Edeka schnitt der Marktführer nicht besser ab. Nur 14,4 Prozent gaben an, Edeka beim Thema Tierwohl zu vertrauen, während 39,2 Prozent Misstrauen äußerten. 46,4 Prozent zeigten sich unentschieden. Damit wird Edeka trotz intensiver Werbekampagnen von vielen Konsumenten als wenig glaubwürdig wahrgenommen.

Diese Ergebnisse stehen im Zusammenhang mit der laufenden Kritik an der Haltungspolitik des Konzerns. So landete Edeka im Masthuhn-Report 2024, der von verschiedenen Tierschutzorganisationen erstellt wurde, auf dem letzten Platz. Greenpeace und die Albert Schweitzer Stiftung kritisieren seit Jahren die Zustände in den Lieferketten sowie die Weigerung des Unternehmens, sich verbindlich zu höheren Tierschutzstandards zu bekennen.

Kritik: Edeka bremst Fortschritt beim Tierschutz

Die Albert Schweitzer Stiftung wirft Edeka vor, durch seine Zurückhaltung den Fortschritt der gesamten Branche auszubremsen. Während andere Handelsketten sich bereits der sogenannten „Europäischen Masthuhn-Initiative“ angeschlossen und konkrete Maßnahmen angekündigt haben, fehle bei Edeka ein klarer Fahrplan. Die Initiative sieht unter anderem vor, schnell wachsende Hühnerrassen aus dem Sortiment zu nehmen und höhere Haltungsstandards verbindlich einzuführen.

„Edeka investiert viel in große Werbekampagnen, doch die Kundinnen und Kunden lassen sich davon nicht täuschen. Das ist eine klare Rüge an den Händler“, sagt Irina Fronescu, Kampagnenleiterin der Stiftung. Die Organisation fordert, dass Edeka seine Marktmacht nutzt, um für mehr Planungssicherheit bei Landwirtinnen und Landwirten zu sorgen und höhere Tierschutzstandards durchzusetzen. Konkret soll sich das Unternehmen verpflichten, aus den niedrigeren Haltungsformen 1 und 2 auszusteigen und die Kriterien der Masthuhn-Initiative umzusetzen.

Supermarkt in der Defensive: Edeka verweist auf Politik und Verbraucher

Bisher reagierte der Konzern auf die Vorwürfe mit Verweis auf Politik, Tierhaltungsbetriebe und Konsumenten. Nach Angaben der Stiftung weicht Edeka damit einer klaren Verantwortung aus. Kritiker betonen jedoch, dass Edeka mit einem Marktanteil von rund 30 Prozent und 15 eigenen Fleischwerken, die jährlich über eine halbe Million Tonnen Fleisch produzieren, erheblichen Einfluss auf die Produktionsbedingungen in der Tierhaltung hat.

Die Kritik wird nicht nur von Umfragen getragen, sondern auch durch zivilgesellschaftliches Engagement untermauert: Mehr als 68.000 Menschen haben nach Angaben der Stiftung bereits einen Appell gegen Edekas Umgang mit Masthühnern unterzeichnet.

Fazit 

Die Umfrage bestätigt eine weit verbreitete Skepsis gegenüber den Tierwohl-Versprechen im deutschen Lebensmitteleinzelhandel. Besonders Edeka, als größte Supermarktkette und Marktführer mit eigener Fleischproduktion, steht im Fokus. Tierschutzorganisationen fordern ein entschiedenes Umdenken und konkrete Maßnahmen, um den Standard in der Geflügelhaltung anzuheben. Bisher jedoch zeigt sich der Konzern zurückhaltend – und riskiert damit nicht nur sein Image, sondern nach Ansicht der Kritiker auch den Fortschritt einer ganzen Branche.

Geflügelnews
Bild: Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt
Quelle: Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt

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