Der Markt braucht mehr Hähnchen

19 Juli 2025
Masthuhn
Rothkötter Gruppe Hähnchenmäster

Nicht nur der Eiermarkt läuft derzeit gut. Auch Hähnchenmäster können sich aktuell nicht beklagen. Und sie sind stark umworben, Mastplätze werden gesucht. Da wächst Interesse an einem Neueinstieg. Der Arbeitskreis Unternehmensführung der Landwirtschaftskammer Niedersachsen informierte sich jetzt bei einer der größten Integrationen Deutschlands. 

Uwe Bintz, Unternehmensberater der Landwirtschaftskammer Niedersachsen in Meppen, Landkreis Emsland, bringt es auf den Punkt: „In den letzten ein, zwei Jahren habe ich viele Anfragen von Betrieben bekommen, die Interesse am Bau eines Legehennenstalles haben. Aktuell hat sich das gedreht. Etwa die Hälfte der Anfragen bezieht sich jetzt auf Hähnchenmastställe.“ 

Hähnchenmäster derzeit stark umworben

Hintergrund ist ein Markt, der derzeit als erfreulich anzusehen ist. Die Nachfrage nach Hähnchenfleisch steigt hierzulande noch. Der Lebensmittelhandel hat zumindest im Plan, stärker auf die höheren Haltungsformen zu setzen und außerdem auf „5xD“. Dafür braucht es Plätze in Deutschland. 

Aber auch niederländische Unternehmen sind gerade in der Grenzregion Emsland und Grafschaft Bentheim auf der Suche nach Hähnchenmastbetrieben. In den Niederlanden werden Tierzahlen abgestockt, die staatlichen Ausstiegsprämien nehmen auch Hähnchenmästerinnen oder Hähnchenmäster in Anspruch. 

Auch Niederländer suchen Mastplätze

Auf der anderen Seite findet man in niederländischen Supermärkten bereits heute zu etwa zwei Drittel Hähnchen-Frischfleisch aus höheren Haltungsstufen („Beter Leven“). Für diese Tiere braucht man deutlich mehr Platz im Stall. Der Bedarf in den Niederlanden kann nicht mehr alleine im Land gedeckt werden.

Kammerberater Uwe Bintz leitet in der Weser-Ems-Region einen Arbeitskreis Unternehmensführung mit Schwerpunkt Veredlung. Auch bei den Mitgliedern, die aus den Bereichen Schwein, Rind und Geflügel kommen, besteht Interesse, sich mit dem Thema „Neueinstieg in die Hähnchenmast“ zu befassen. So stand beim jüngsten Treffen der 15 Arbeitskreis-Mitglieder ein Besuch bei der Rothkötter Unternehmensgruppe auf dem Programm. 

Die Rothkötter Unternehmensgruppe mit Hauptsitz im Emsland, zählt zu den größten Hähnchenintegrationen Deutschlands. Ein Rothkötter-Berater stellte dem Arbeitskreis Unternehmensführung das Unternehmen vor. Und bewirbt den Einstieg in die Hähnchenmast. 

Rothkötter unterstützt bei Stallneubau

So gibt es bei Rothkötter schon seit längerem ein Planungsbüro, das bauwillige Landwirte beim komplizierten und teilweise schwierigen Weg zur (möglichen) Baugenehmigung berät und begleitet. Dieses Konzept gibt es inzwischen auch bei anderen Firmen, die sich mit Hähnchen befassen. 

Für bauwillige Landwirte ist aktuell immer die Frage, ob man auf die höheren Haltungsformen mit Wintergarten gehen soll oder ob Haltungsform 2 mit etwas reduzierter Besatzdichte die bessere Variante ist. 

„5xD“ derzeit wichtig im Handel

Der Selbstversorgungsgrad in Deutschland würde bei vollständiger Umstellung in Haltungsform 3, wegen des höheren Platzbedarfs, auf unter 50 Prozent sinken. Im Moment sieht es so aus, dass für den Lebensmitteleinzelhandel „5xD“, also die Herkunft Deutschland, das wichtigere Verkaufsargument ist. 

Die Unternehmensgruppe Rothkötter hat deshalb folgende Empfehlung: Ein neuer Stall, falls man einen möglichen Standort findet, sollte so gebaut werden, dass sowohl Haltungsform 2 als auch 3 produziert werden könnte. Das bedeutet, eine Baugenehmigung für knapp 30.000 Mastplätze Haltungsstufe 2, aber mit innenliegendem Wintergarten. Hierfür braucht es keine BImSchG-Genehmigung. 

Bei Stallneubau flexibel bleiben

Auch Berater Uwe Bintz empfiehlt, sich die Option offenzuhalten, in eine andere Haltungsform zu wechseln: „So kann man auf aktuelle Nachfragentwicklungen reagieren.“ Nach seinen Berechnungen benötigt man zum Beispiel für Haltungsform 3-Hähnchen derzeit mindestens 30-40 Cent/kg Mehrerlös gegenüber Haltungsform 2. Diese Zuschläge zahle der Markt derzeit. 

Bei der Wahl eines Standortes sollte man vorausschauend ebenfalls eine mögliche spätere Aufstockung im Blick haben. Es gibt Stallkonzepte, die dabei eine Stallverlängerung vorsehen.

Text:
Christa Diekmann-Lenartz

Aufgewachsen auf einem landwirtschaftlichen Betrieb in der intensiven Tierhaltungsregion Weser-Ems (und Studium der Agrarwissenschaften). Seit vielen Jahren berichtet sie darüber, was sich im Bereich Geflügel tut - mit Schwerpunkt Niedersachsen.

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Bild: Christa Diekmann-Lenartz

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