Rheinland-Pfalz ist das letzte Bundesland, in dem eine Geflügel-Tierseuchenkasse eingerichtet wurde. Sie ging zum Jahresanfang an den Start. Mitarbeitende erleben seitdem Unfassbares: Sie werden beschimpft und bedroht. Der Geflügelwirtschaftsverband Rheinland-Pfalz distanziert sich ausdrücklich.
Es ist kaum zu fassen: Seit Versendung der Informationen zur Geflügelkasse und der Aufforderung zur Tierzahlmeldung sind in Rheinland-Pfalz mehr als tausend, teilweise beleidigende Beschwerden bei der Tierseuchenkasse eingegangen. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden telefonisch beschimpft.
Auf der jüngsten Mitgliederversammlung des Geflügelwirtschaftsverbandes (GWV) Rheinland-Pfalz e.V. in Koblenz kamen diese Vorfälle zur Sprache: Die Geschäftsführerin Helga Futterknecht und der Vorstand unter dem Vorsitzenden Guido Andres distanzierten sich ausdrücklich von dem unakzeptablen Verhalten. Sie gehen allerdings davon aus, dass dafür keine Mitglieder ihres Verbandes verantwortlich sind. Der GWV betont in diesem Zusammenhang, dass eine respektvolle und konstruktive Diskussion im Interesse aller Beteiligten liege.
Geflügelkasse neu in Rheinland-Pfalz
Rheinland-Pfalz hatte zum Jahresbeginn 2025 eine Geflügelkasse bekommen – als letztes Bundesland. Damit unterliegen alle Geflügelhalter nun auch in Rheinland-Pfalz der gesetzlichen Melde- und Beitragspflicht. Künftig muss zum 1. Januar eines jeden Jahres der durchschnittliche Jahresbestand an Geflügel an die Tierseuchenkasse gemeldet werden. Mit den zu zahlenden Beiträgen werden bekanntlich Rücklagen für Entschädigungen und Beihilfen im Seuchenfall gebildet.
Hintergrund ist zum einen, dass die Anzahl gehaltenen Geflügels in Rheinland-Pfalz in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen hat. Außerdem ist das Vogelgrippe-Risiko gestiegen. Bislang ist Rheinland-Pfalz diesbezüglich recht glimpflich davongekommen. Wie Helga Futterknecht informierte, hatte es Anfang Januar diesen Jahres einen Fall in einer Hobbyhaltung gegeben, 2024 gab es keine Fälle, 2022/23 waren acht Bestände betroffen gewesen.
Fehlende Zahlen an Tierseuchenkasse melden
Laut der GWV-Geschäftsführerin sind noch nicht alle landwirtschaftlichen Geflügelbetriebe der Meldepflicht nachgekommen. Sie führt das jedoch darauf zurück, dass diese erst gerade neu eingeführt wurde. Sie ermahnte dazu, noch fehlende Meldungen durchzuführen. Sonst könnte es im Seuchenfall Probleme mit Entschädigungszahlungen geben. Die Meldung kann ganz einfach per Mail erfolgen.
Der GWV Rheinland-Pfalz hat aktuell 85 Mitglieder, gehalten werden unter anderem rund 1 Mio. Legehennen. Helga Futterknecht legte den Mitgliedern zur Weiterbildung das Netzwerk „Fokus Tierwohl“ ans Herz. Auf dem Internet-Auftritt sind zahlreiche praxisnahe Beiträge und Videos zur Geflügelhaltung zu finden, die zum Beispiel auch für Mitarbeitende auf dem Betrieb interessant sind.
Der Landesverband plant auch in diesem Jahr wieder eine Studienfahrt. Es soll in die Niederlande gehen in die Region `s-Hertogenbosch und Breda. Besucht werden soll unter anderem die Firma Vencotec. 2024 gab es eine Fahrt ins Elsass.
BVEi finanziert Projekt zu Emissionsminderung
Zu Beginn der Mitgliederversammlung hatte Wolfgang Schleicher, Geschäftsführer des Zentralverbandes der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG) online unter anderem über ein neues Projekt zum Thema TA Luft informiert: Laut TA-Luft müssen in größeren Geflügelställen Ammoniakemissionen deutlich gesenkt werden. Als günstigere Alternative zur Abluftreinigung hat sich eine Einstreulösung gezeigt, die Ammoniak im Stall reduzieren kann („ImproBed“). In Hähnchenställen schon erfolgreich erprobt und von der DLG zertifiziert, wird sie jetzt im Auftrag des BVEi in Legehennenställen (mit dreimaligem Kotbandabdrehen) auf ihr Minderungspotenzial getestet. Die Vorversuche hierfür seien abgeschlossen, so Schleicher.
In interessanten Fachvorträgen auf der Mitgliederversammlung ging es unter anderem um die Ursachen von Eischalendeformationen, Stand bei der TA Luft und alternative energetische Konzepte, mit denen Betriebe nachhaltiger werden und gleichzeitig Geld sparen können.




































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