Tierseuchenkassen 2025: Große Beitragsunterschiede in Deutschland
19 Januar 2025
Deutschland
Anfang jeden Jahres müssen Tierhalterinnen und Tierhalter der zuständigen Tierseuchenkasse die Anzahl der gehaltenen Tiere melden. Auf dieser Grundlage werden dann die Beitragsbescheide verschickt. Je nach Bundesland sind die Beiträge für Geflügel sehr unterschiedlich. Hier eine Übersicht.
Auch bei den Tierseuchenkassen in Deutschland dürfte die Situation angesichts der Tierseuchensituation in Deutschland zu Beginn des neuen Jahres angespannt sein. Bei der Vogelgrippe tauchen zwar immer wieder Einzelfälle in landwirtschaftlichen Betrieben auf.
Die große Welle ist aber in diesem Winter bisher Gott sei Dank ausgeblieben. Dafür traf die Blauzungenkrankheit die Rinder-, Schaf- und Ziegenhalter umso härter. Und die Afrikanische Schweinepest, ASP, beschäftigt nach wie vor die Tierseuchenkassen mehrerer Bundesländer. Kurz vor Weihnachten kam mit dem ersten Ausbruch der Maul- und Klauenseuche in Deutschland seit 1988 ein weiteres Tierseuchenproblem hinzu.
Niedersachsen: Kostensteigerungen in vielen Bereichen
Die Niedersächsische Tierseuchenkasse schreibt in ihrer Information zu den neuen Beitragssätzen 2025, dass die allgemeinen Kostensteigerungen der letzten zwei Jahre auch die Bereiche betreffen, die die Tierseuchenkasse im Seuchenfall finanziert: Tötung und Beseitigung der Tiere, Reinigung und Desinfektion der betroffenen Bestände, Untersuchungs-, Beratungs- und Impfprogramme, Ohrmarken und Tierkörperbeseitigung.
Dies gilt insbesondere für die Tierkörperbeseitigung. Im Vergleich zu 2022 gebe es eine Kostensteigerung von über 25 Prozent. Dies führe in Summe dazu, dass die Beiträge bei fast allen Tierarten erhöht werden müssten.
Die Beiträge für Geflügel waren in Niedersachsen in den vergangenen Jahren insbesondere durch die Kosten für die Bekämpfung der Geflügelpest geprägt. Trotz eines deutlichen Rückgangs der Ausbrüche im Jahr 2024 hat die Niedersächsische Tierseuchenkasse im vergangenen Jahr rund 6 Mio. € für die Tötung, Beseitigung und Entschädigung der verschiedenen Geflügelarten gezahlt.
Trotz steigender Kosten in den genannten Bereichen kann der Beitrag für 2025 für die meisten Geflügelarten deutlich reduziert werden. Nach Angaben der Tierseuchenkasse ist der größte Teil der Geflügelpestkosten der vergangenen Jahre bereits refinanziert.
TSK-Beiträge 2025 Niedersachsen
| Geflügelart |
Beitrag/Tier |
| Legehennen |
0,0473 € |
| Masthähnchen |
0,0222 € |
| Putenhähne |
0,7585 € |
| Putenhennen |
0,1463 € |
| Küken in Brütereien |
0,1451 € |
| Sonstiges Geflügel, Großelterntiere |
0,2727 € |
| Putenküken (Aufzucht) |
0,0346 € |
| Enten |
0,0856 € |
| Gänse |
0,1985 € |
| Elterntiere |
0,1296 € |
Rheinland-Pfalz: Geflügelkasse neu eingerichtet
Die Geflügelbestände in Rheinland-Pfalz haben in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Gleichzeitig ist das Tierseuchenrisiko im Geflügelbereich, insbesondere durch die Entwicklung der Geflügelpest, stark angestiegen. Rheinland-Pfalz hat daher als letztes Bundesland eine Geflügelkasse eingerichtet. Die Beitragsstruktur ist vergleichsweise überschaubar: Für Kleinst- und Kleinhaltungen bis 50 Tiere sind 30 bzw. 50 Euro zu entrichten. Ab dem 50. Tier kommen zum Grundbeitrag von 50 Euro je Tier 0,06 Euro für Hühner (alle Arten inkl. Küken) und 0,30 Euro je Tier für Puten, Enten, Gänse sowie Laufvögel hinzu.
Brandenburg: Moderate Beitragserhöhung
Im Bundesland Brandenburg, das aktuell vom ersten Fall der Maul- und Klauenseuche in Deutschland seit 1988 betroffen ist, gibt es moderate Erhöhungen der Beiträge im Geflügelbereich um 0,02 Euro je Tier für alle Geflügelarten mit Ausnahme der Laufvögel.
TSK-Beiträge 2025 Brandenburg
| Geflügelart |
Beitrag/Tier |
| Hühner |
0,07 € |
| Puten |
0,20 € |
| Gänse |
0,14 € |
| Enten |
0,12 € |
| Küken, Junghennen |
0,19 € |
| Zuchthühner |
0,20 € |
| Puten-Elterntiere |
0,30 € |
| Laufvögel |
2,50 € |
Mecklenburg-Vorpommern: Bruderhähne separat aufgeführt
In Mecklenburg-Vorpommern sind die Tierseuchenkassenbeiträge für 2025 im Vergleich zum Vorjahr gleich geblieben. Im vergangenen Beitragsjahr hatte es moderate Erhöhungen gegeben. Für die Haltung von Bruderhähnen werden in Mecklenburg-Vorpommern gesonderte Beiträge erhoben.
TSK-Beiträge 2025 Mecklenburg-Vorpommern
| Geflügelart |
Beitrag/Tier |
| Masthähnchen |
0,065 € |
| Bruderhähne |
0,078 € |
| Junghennen bis 18. LW |
0,123 € |
| Legehennen älter 18. LW |
0,146 € |
| sonstige Hühner (Perlhühner, Wachteln etc.) |
0,325 € |
| Puten |
0,866 € |
| Gänse, Enten |
0,087 € |
| Elterntiere in gewerblicher Haltung |
0,326 € |
| Laufvögel |
0,650 € |
Nordrhein-Westfalen: Deutliche Beitragssenkungen für 2025
Für die Geflügelhalterinnen und -halter in Nordrhein-Westfalen gibt es für 2025 deutliche Beitragssenkungen für alle Geflügelarten. Die Tierseuchenkasse muss zum einen wegen der Geflügelpestausbrüche im Jahr 2022 und zum anderen wegen gestiegener Verwaltungskosten weitere Rücklagen bilden. Nach Auskunft der Tierseuchenkasse kann diese Aufgabe jedoch auch mit den reduzierten Beiträgen erfüllt werden. Der Grundbeitrag beträgt im Jahr 2025 10 Euro je Bestand und gilt bis zu der in der Tabelle aufgeführten jeweiligen Tierzahlgrenze.
TSK-Beiträge 2025 Nordrhein-Westfalen
| Geflügelart |
Beitrag/Tier |
| Lege-/Junghennen, ab 501 Tiere |
0,02 € |
| Masthähnchen/Bruderhähne, ab 1.001 Tiere |
0,01 € |
| Puten-/Gänseküken, ab 501 Tiere |
0,02 € |
| Putenhähne, ab 56 Tiere |
0,18 € |
| Putenhennen, ab 77 Tiere |
0,13 € |
| Gänse, ab 56 Tiere |
0,18 € |
| Enten, ab 334 Tiere |
0,03 € |
| Entenküken, ab 1.001 Tiere |
0,01 € |
| Elterntiere Hühner, ab 201 Tiere |
0,05 € |
Baden-Württemberg: Keine Meldepflicht für Gänse und Enten
In Baden-Württemberg besteht für die Halterinnen und Halter von Gänsen und Enten keine Melde- und Beitragspflicht bei der Tierseuchenkasse. Melde- und beitragspflichtig sind Hühnervögel und Puten. Zur Vermeidung der Einschleppung von Tierseuchen wie der Vogelgrippe oder der Afrikanischen Schweinepest bietet die Tierseuchenkasse Baden-Württemberg eine kostenlose und unabhängige Biosicherheitsberatung für Geflügel- und Schweinehaltungen an. Der Grundbeitrag der Tierseuchenkasse für Betriebe beträgt 2025 18 Euro.
TSK-Beiträge 2025 Baden-Württemberg
| Geflügelart |
Beitrag (noch vorbehaltlich der Zustimmung des Landes) |
| Lege-/Junghennen, Küken, erste 100 Tiere |
7,50 € |
| -je weitere angefangene 100 Tiere |
5,00 € |
| Masthähnchen, erste 100 Tiere |
7,50 € |
| -je weitere angefangene 100 Tiere |
3,00 € |
| Putenhähne/-küken, 1-9 Tiere |
3,50 € |
| -10 und mehr Tiere, je Tier |
0,35 € |
| Putenhennen/-küken, 1-9 Tiere |
2,20 € |
| -10 und mehr Tiere, je Tier |
0,22 € |
Bayern: Nur zwei Beitragsstufen für Hühner und Puten
Die Beitragsstruktur der Bayerischen Tierseuchenkasse ist überschaubar. Im Geflügelbereich wird wie bei den anderen Tierarten ein Mindestbeitrag von neun Euro pro Bestand erhoben. Darüber hinaus zahlen Halterinnen und Halter von Hühnervögeln, also Legehennen (einschließlich Junghennen und Küken) und Masthähnchen 0,05 Euro je Tier. Für Puten, egal ob Hahn, Henne oder Küken, werden 0,55 Euro je Tier fällig. Für die übrigen Geflügelarten, also Enten und Gänse, Wachteln oder Laufvögel, besteht keine Beitragspflicht.
Hessen: Niedrige Beiträge für alle Geflügelarten
Auch in Hessen können sich Geflügelhalter über niedrige Beiträge zur Tierseuchenkasse freuen. In Hessen ist für Geflügelbestände aller Arten ein Grundbeitrag von zehn Euro je Bestand zu zahlen. Darüber hinaus gelten die in der Tabelle aufgeführten Beiträge.
TSK-Beiträge 2025 Hessen
| Geflügelart |
Beitrag/Tier |
| Legehennen |
0,04 € |
| Masthühner |
0,017 € |
| Puten |
0,15 € |
| Gänse |
0,09 € |
| Enten |
0,06 € |
| Laufvögel |
0,50 € |
| Sonstiges Geflügel |
0,03 € |
Sachsen: Nur zwei AI-Fälle in 2024
Das Geflügelpestgeschehen in Nutztierbeständen in Deutschland hat sich im vergangenen Jahr 2024 in Grenzen gehalten. In Sachsen gab es nur zwei Ausbrüche in kleinen Haltungen, einen im Februar und einen im September. Für alle Tierhaltungen wird ein Mindestbeitrag von 5,20 Euro pro Standort erhoben.
TSK-Beiträge 2025 Sachsen
| Geflügelart |
Beitrag/Tier |
| Junghennen bis 18. LW |
0,023 € |
| Legehennen ab 18. LW |
0,06 € |
| Legehennen-Eltern-/-Großelterntiere |
0,12 € |
| Masthähnchen, Bruderhähne, Küken |
0,023 € |
| Masthähnchen-Eltern-/-Großelterntiere |
0,046 € |
| Puten/-küken |
0,10 € |
| Puten-Eltern-/-Großelterntiere |
0,20 € |
| Enten/-küken |
0,08 € |
| Enten-Eltern-/-Großelterntiere |
0,16 € |
| Gänse |
0,08 € |
| Gänse-Eltern-/-Großelterntiere |
0,16 € |
| Küken in Brütereien |
0,04 € |
| Elterntierküken in Brütereien |
0,08 € |
Sachsen-Anhalt: Bei Bedarf unterjährige Änderung
Die Beiträge zur Tierseuchenkassen werden in der Regel für ein Kalenderjahr festgesetzt. In Sachsen-Anhalt behält sich die Tierseuchenkasse vor, die Beiträge im Laufe des Jahres zu ändern, wenn dies aufgrund des Seuchengeschehens erforderlich ist. Der Mindestbeitrag zur Tierseuchenkasse beträgt sechs Euro je Betrieb.
TSK-Beiträge 2025 Sachsen-Anhalt
| Geflügelart |
Beitrag |
| Lege-/Junghennen, andere Hühnervögel, je angefangene 100 Tiere |
4,75 € |
| Eltern-/Großelterntiere Masthähnchen/Legehennen, je angefangene 100 Tiere |
7,25 € |
| Masthähnchen, Bruderhähne, je angefangene 100 Tiere |
2,25 € |
| Puten, je angefangene 25 Tiere |
7,50 € |
| Gänse, je angefangene 100 Tiere |
7,25 € |
| Enten, je angefangene 100 Tiere |
4,75 € |
| Laufvögel, je Tier |
1,00 € |
| Brütereien, je angefangene 100 Tiere |
12,25 € |
Thüringen: Enten, Gänse und Puten gleichgestellt
In Thüringen sind die Beitragssätze für die Tierseuchenkasse im Bereich Geflügel recht übersichtlich gestaltet. Pro Betrieb ist unabhängig von der Anzahl der gehaltenen Tiere ein Mindestbeitrag von 18 Euro zu entrichten. Darüber hinaus sind für Junghennen bis zur 18. Lebenswoche, Masthühner und jeweils deren Küken 0,03 Euro und für Legehennen ab der 18. Lebenswoche 0,07 Euro je Tier zu zahlen. Enten, Gänse und Puten werden mit 0,20 Euro je Tier gleich behandelt.
Text:
Christa Diekmann-Lenartz
Aufgewachsen auf einem landwirtschaftlichen Betrieb in der intensiven Tierhaltungsregion Weser-Ems (und Studium der Agrarwissenschaften). Seit vielen Jahren berichtet sie darüber, was sich im Bereich Geflügel tut - mit Schwerpunkt Niedersachsen.
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