Weniger Rohprotein, gleiche Leistung: Der neue Weg in der Legehennenfütterung
22 Oktober 2025
Nährstoffe
Mehr Eier, weniger Emissionen: Eine bayerische Untersuchung zeigt, wie nährstoffangepasste Fütterung Stickstoff- und CO₂-Ausstoß senkt, Ressourcen schont und die Legeleistung stabil hält. Entscheidend ist nicht die Menge an Rohprotein, sondern die Qualität der Aminosäuren.
Eier boomen – Umweltauflagen steigen
Die Deutschen essen mehr Eier als je zuvor: 2024 lag der Pro-Kopf-Verbrauch bei 249 Eiern. Gleichzeitig verschärft die Politik die Umweltziele. Deutschland muss seine Ammoniakemissionen bis 2030 deutlich senken. Die EU-Vorgaben der NEC-Richtlinie setzen klare Grenzen.
In der Legehennenhaltung entsteht Ammoniak vor allem dort, wo überschüssiges Rohprotein (CP) nicht in Eimasse umgesetzt wird. Das Huhn scheidet den Stickstoff aus, Mikroorganismen setzen ihn zu Ammoniak (NH₃) um. Wer den Rohproteingehalt im Futter senkt, reduziert daher direkt die Stickstoffausscheidung – und damit die Emissionen.
Nach TA Luft können Betriebe bei nachgewiesen N-reduzierter Fütterung ihre NH₃-Emissionen rechnerisch um zehn Prozent mindern. Die Fütterung wird damit zum zentralen Hebel im Umweltmanagement.
Futter bestimmt den CO₂-Fußabdruck
Neben Ammoniak rückt das Klima in den Fokus. Den größten Anteil an den Treibhausgasemissionen der Eierproduktion verursacht das Futter. Besonders Sojaextraktionsschrot (SES), häufig importiert, treibt den CO₂-Fußabdruck in die Höhe.
Wer Eiweißträger gezielt reduziert oder durch heimische Alternativen ersetzt, senkt sogenannte „Scope-3-Emissionen“. Die Maßnahme wirkt doppelt: weniger Stickstoffverluste, weniger CO₂ entlang der Lieferkette.
1.300 Hennen im Praxistest
Wissenschaftler untersuchten rund 1.300 Legehennen der Linie Bovans Brown im Versuchs- und Bildungszentrum Geflügel in Kitzingen. Sie begleiteten die Tiere vom Beginn der 49. bis zur 66. Lebenswoche – also im zweiten Legeabschnitt.
Die Forscher teilten die Herde in drei Futtergruppen:
- 17CP (Kontrolle): 17 % Rohprotein, 25 % Sojaextraktionsschrot
- 16CP: 16 % Rohprotein, reduzierter Sojaanteil
- 16CPalternative: 16 % Rohprotein, vollständiger Ersatz von Soja durch heimische Eiweißträger, ergänzt mit freien Aminosäuren
Alle Rationen orientierten sich an den Empfehlungen der Zuchtfirma Hendrix und an DLG-Richtwerten. Die Hersteller ergänzten gezielt synthetische Aminosäuren, um Defizite auszugleichen.
Tabelle 1. Futterzusammensetzung
Leistung bleibt stabil
Die Ergebnisse überraschen durch ihre Klarheit: Legeleistung, Anteil vermarktungsfähiger Eier, Futteraufnahme und Futteraufwand unterschieden sich zwischen den Gruppen nicht signifikant.
Erst im Detail zeigen sich Effekte. Die Hennen der Gruppe „16CPalternative“ legten im Schnitt Eier, die rund ein Gramm leichter waren. Sie produzierten mehr Eier der Gewichtsklasse M und weniger XL-Eier. Die Gesamteimasse je Henne fiel leicht geringer aus.
Die Eiqualität blieb stabil. Weder Schalenstabilität noch Haugh-Einheit änderten sich. Lediglich die Dotterfarbe zeigte sich in der Alternativgruppe intensiver – ein Merkmal, das Verbraucher häufig schätzen.
15 Prozent weniger Stickstoff
Deutlich wirkt sich die Rohproteinabsenkung auf die Nährstoffbilanz aus. Die Forscher berechneten die Stickstoff- und Phosphorausscheidungen über eine Massenbilanz. Das Ergebnis: Die Absenkung von 17 auf 16 Prozent Rohprotein reduzierte die Stickstoffausscheidung um rund 15 Prozent – ohne Leistungseinbußen.
Beim Phosphor zeigte sich ein differenziertes Bild. Die 16CP-Ration senkte die P-Ausscheidung gegenüber der Kontrolle. In der Variante mit heimischen Eiweißträgern stieg sie leicht an, da Raps- und Sonnenblumenprodukte mehr Phosphor enthalten. Hier müssen Rationsplaner präzise steuern.
Tabelle 2. Leistungsdaten
CO₂-Ausstoß nahezu halbiert
Besonders deutlich fällt der Effekt beim Klima aus. Durch den vollständigen Ersatz von Sojaextraktionsschrot sank der berechnete CO₂-Fußabdruck pro Kilogramm Futter und pro Kilogramm Eimasse um fast 50 Prozent.
Die Fütterung wird damit unabhängiger von Importen und klimafreundlicher. Gleichzeitig bleibt die Produktion leistungsfähig.
Qualität schlägt Menge
Die Studie bestätigt einen Grundsatz moderner Tierernährung: Nicht die absolute Menge an Rohprotein entscheidet, sondern das Profil der praecaecal verdaulichen Aminosäuren. Stimmen Gehalt und Verhältnis, kann der Betrieb den Rohproteingehalt senken, ohne Leistung zu verlieren.
Alternativen wie Raps- oder Sonnenblumenextraktionsschrot enthalten jedoch meist weniger und schlechter verfügbare Aminosäuren als Soja. Auch die Verarbeitung – etwa das Toasten von Sojabohnen – beeinflusst die Nährstoffverfügbarkeit. Fehler in diesem Schritt kosten Leistung.
Fazit: Präzision zahlt sich aus
Die Untersuchung zeigt: Wer Rohprotein moderat reduziert und Aminosäuren gezielt ergänzt, senkt Stickstoffverluste und Ammoniakemissionen deutlich. Er entlastet Klima und Gewässer, ohne die Legeleistung zu gefährden.
Der vollständige Ersatz von Soja verlangt mehr Feintuning und kann leichte Leistungseffekte zeigen. Er eröffnet jedoch die Chance, den CO₂-Fußabdruck drastisch zu senken und Importabhängigkeiten zu verringern.
Nachhaltige Legehennenhaltung beginnt im Futtertrog – und sie verlangt präzise Rationsgestaltung statt pauschaler Eiweißgaben.
Reinhard Puntigam, Katja Krebelder, Linda Fitz, Julia Slama und Philipp Hofmann
Bild:
Kristoffer Finn
Reagieren
Geflügelnews lädt Sie ein, auf Artikel zu reagieren und schätzt Reaktionen mit Inhalt. Die Redaktion behält sich das Recht vor, beleidigende oder kommerziell motivierte Reaktionen ohne Angabe von Gründen zu entfernen.