Turkey Talk als Werbung für Putenfleisch: Unbedingt nachahmenswert!
Tierhalterinnen und Tierhalter sollen mehr Öffentlichkeitsarbeit machen, für die heimischen Produkte werben, mit Vorurteilen aufräumen. Klar, sie können das am besten und sehr authentisch. In der Öffentlichkeit stehen, ist aber nicht Jedermanns’s Sache. Familie Wilke traute sich und lud ein zum „Turkey Talk“. Eine tolle Aktion!
Corinna und Christian Wilke mästen im niedersächsischen Halenhorst Puten. Den Landwirt und seine Frau, die Geflügel-Fachtierärztin ist, ärgert es immer wieder, dass Putenfleisch „im Schatten“ von Hähnchenfleisch steht: „Geflügelfleisch erfreut sich sehr großer Beliebtheit, die Absatzmengen steigen hierzulande, das ist gut! Leider liegt der Anteil an Putenfleisch dabei bei weniger als einem Viertel“, so Christian Wilke.
Mit Vorurteilen aufräumen: Antibiotika, Haltung & Co.
Über die Gründe können er und seine Frau nur spekulieren. Liegt es an „alten“ Vorurteilen zum (zu hohen) Antibiotikaeinsatz in der Putenmast oder vielleicht daran, dass es in Zeitschriften, im Netz und sozialen Medien jede Menge Rezepte mit Hähnchenfleisch gibt, mit Putenfleisch aber deutlich weniger.
Zum gemischten Salat mit Putenstreifen gab es verschiedene Dressings.
Corinna Wilke stellte ihren Betrieb und die Putenhaltung vor.
Rund 60 Gäste waren der Einladung von Wilkes gefolgt.
Auch sehr lecker mit Putenfleisch: Gyros.
Zum gemischten Salat mit Putenstreifen gab es verschiedene Dressings.
Corinna Wilke stellte ihren Betrieb und die Putenhaltung vor.
Rund 60 Gäste waren der Einladung von Wilkes gefolgt.
Auch sehr lecker mit Putenfleisch: Gyros.
Wilkes wollten es jedenfalls nicht beim Spekulieren belassen und aktiv für „alles Gute von der Pute“ werben. Deshalb luden sie per WhatsApp und mit einem Flyer die Dorfgemeinschaft, Freunde und Bekannte sowie interessierte Verbraucherinnen und Verbraucher zu einem Info-Abend über die Putenhaltung ein – inklusive Verköstigung von Puten-Leckereien. Das Landvolk Oldenburg unterstützte dabei. Die Resonanz war groß, über 60 Gäste fanden sich im Dorfgemeinschaftshaus Halenhorst ein. Dabei waren auch Berufskollegen.
Unterstützung aus der Branche: Sponsoring und Partnerschaften
Da eine Verköstigung natürlich Geld kostet, holten sich Wilkes Unterstützung von einigen mit der Putenmast verbundenen Unternehmen. Kükenlieferant Kartzfehn, Abnehmer Heidemark, Futtermittellieferant Agravis und die örtliche Raiffeisen Warengenossenschaft Bissel/Halenhorst sponserten die Aktion. Auch das eine schöne Sache!
Corinna Wilke stellte beim „Turkey Talk“ den Betrieb vor, der von ihr, ihrem Mann und dessen Bruder und Eltern gemeinsam bewirtschaftet wird. Neben Ackerbau, Bullenmast und einer Biogasanlage sind Wilkes erst vor fünf Jahren in die Putenhaltung eingestiegen. Ein Landwirt aus der Nähe suchte für seinen Stall einen Nachfolger und wurde bei Familie Wilke fündig. Kurz darauf bot ein weiterer Berufskollege seine Ställe an. Inzwischen haben Wilkes 35.000 Mast- und 30.000 Aufzuchtplätze in neun Ställen – alle in einem Radius um den eigenen Betrieb von weniger als zehn Kilometern.
Kritische Themen nicht ausgespart
Kamen besonders gut an: Knusprig frittierte ganze Putenflügel.
In ihrem Vortrag mit vielen Fotos und Videos aus den Ställen sprach Corinna Wilke auch die Themen an, die für Diskussionen sorgen oder eben einer Klarstellung bedürfen. Einige Stichworte hierzu: Schnabelbehandlung, Antibiotika-Einsatz, mangelnde Beschäftigung im Stall, Qualzucht oder fehlende rechtliche Regeln.
Zu letzterem Punkt informierte die Fachtierärztin zum Beispiel, dass für alle deutschen Putenhaltungen die freiwilligen Vereinbarungen der Branche gelten.
Besondere Leckereien
von der Pute
Nach dem theoretischen Teil gab es dann Besonderes von der Pute: Marinierte und anschließend knusprig frittierte Putenflügel, Puten-Gyros, gegrillte Puten-Spiesse und Salat mit Putenbruststreifen.
Beim Gelingen des Buffets konnte Familie Wilke auf viele helfende Hände zählen. „Wir hoffen, dass ihr beim nächsten Mal an der Fleischtheke an uns denkt und öfter mal zur Pute greift“, hatte Christian Wilke zur Eröffnung gesagt. Und auch die Aussage eines Gastes dürfte Familie Wilke und Berufskollegen freuen: „Wir haben bisher immer nur Keule oder Schnitzel von der Pute gekauft, das wird sich jetzt ändern.“
Corinna und Christian Wilke luden die Besucher ebenfalls zu einem Stallbesuch ein. „Wer sich einmal in echt anschauen möchte, wie die Tiere bei uns leben, kann sich jederzeit bei uns melden“, sagte Christian Wilke.
Text:
Christa Diekmann-Lenartz
Aufgewachsen auf einem landwirtschaftlichen Betrieb in der intensiven Tierhaltungsregion Weser-Ems (und Studium der Agrarwissenschaften). Seit vielen Jahren berichtet sie darüber, was sich im Bereich Geflügel tut - mit Schwerpunkt Niedersachsen.
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Bild:
Christa Diekmann-Lenartz, Leonie Jost
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