Soja: Mit heimischer Herkunft beim Verbraucher punkten
Die Sojabohne zählt zu den weltweit wichtigsten Eiweißpflanzen. Inzwischen wird sie auch - mit wachsender Tendenz - in Deutschland angebaut. Heimisches Soja ist für die Geflügelfütterung interessant, besonders, wenn bei Abnehmern von Fleisch und Eiern regionales Futter und/oder Gentechnikfreiheit gefragt sind.
Julian Ingenbleek ist überzeugt, dass die Superbohne Soja in Deutschland Zukunft hat. Und das nicht nur für die menschliche Ernährung: „Soja hat einen hohen Proteingehalt, enthält deutlich mehr Protein als Raps, aber auch viel Energie.“ Das sind natürlich auch die Gründe, warum Soja nach wie vor in großen Mengen für Futtermittel importiert wird.
„Soja kann überall angebaut werden, wo Körnermais wächst.“ Julian Ingenbleek, LeguNet
Für regionale Direktvermarkter interessant
Doch diese Importe werden bekanntlich kritisch diskutiert. Die Stichpunkte hierzu: Gentechnische Veränderung und Regenwaldzerstörung. Von Seiten der Lebensmittelhersteller bzw. des Lebensmittelhandels gibt es zunehmende Forderungen nach Gentechnikfreiheit in der Nutztierfütterung und Verwendung heimischer Futtermittel. Aber auch in der Direktvermarktung können die Anbieter von Eiern, Fleisch oder Milchprodukten bei ihren Kunden punkten, wenn sie auf heimische Herkunft beim Futter setzen. Regionalität liegt im Trend.
Die Anbauflächen von Soja wachsen in Deutschland jährlich, schwerpunktmäßig bisher im Süden.
Da passt es gut, dass Sojabohnen durch die klimatischen Veränderungen inzwischen auch in Deutschland anbauwürdig geworden sind: „Soja kann überall dort angebaut werden, wo Körnermais (ab K240) wächst“, bringt Julian Ingenbleek es auf den Punkt. Er ist Regionalmanager für Hessen bei LeguNet. LeguNet ist ein Projekt des Bundeslandwirtschaftsministeriums mit dem Ziel, den Anbau von Soja und anderen Körnerleguminosen in Deutschland voranzubringen. In allen Bundesländern gibt es LeguNet-Regionalmanager oder -managerinnen wie Julian Ingenbleek, die an landwirtschaftlichen Institutionen wie den Landwirtschaftskammern angesiedelt sind.
Anbaupotenzial über 100.000 ha hierzulande
Die Anbauflächen von Soja hierzulande sind in den vergangenen Jahren bereits beständig gestiegen, 2024 waren es über 40.000 ha. Ein Großteil davon befand sich in Bayern und Baden-Württemberg, aber es gibt auch Anbauflächen in anderen Bundesländern bis hoch nach Schleswig-Holstein. Experten gehen davon aus, dass mehr als 50 Prozent der deutschen Ackerfläche grundsätzlich für den Sojaanbau geeignet sind.
„Auch in Schleswig-Holstein oder im eher trockenen Osten wird inzwischen Soja angebaut.“ Hanne Peter, IG Pflanzenzucht
LeguNet veranstaltet bundesweit regionale Leguminosentage, um interessierte Landwirtinnen und Landwirte zusammenzubringen, um über den Anbau und die Verwertung im Futtertrog zu informieren oder auch, um Wertschöpfungsketten vor Ort aufzubauen.
Ackerbauliche Pluspunkte von Soja
In diesem Jahr fand der „2. Wetterauer Sojatag“ auf dem Betrieb von Daniel Goldhammer in Nidda-Borsdorf statt. Daniel Goldhammer ist Legehennenhalter und baut seit 2020 Soja an. Er mischt das Futter für seine 6.000 Legehennen selbst. Für den Leguminosentag hat er in Zusammenarbeit mit Saatgutfirmen und LeguNet eine Sortendemonstrationsfläche angelegt. Drei Saatgutfirmen informierten dort über ihre Soja-Sorten, die Deutsche Saatgut, Farmsaat und IG Pflanzenzucht. Ein wichtiger ackerbaulicher Pluspunkt von Soja: Als Sommerung lockert sie winterungslastige Fruchtfolgen auf. Der Anbau trägt zur Verbesserung der Bodenstruktur und -fruchtbarkeit bei und Soja hat als Leguminose einen hohen Vorfruchtwert.
Dass Soja heute in Deutschland anbauwürdig ist, ist auch den Züchtungsfortschritten bei dieser Kultur zu verdanken. Im Durchschnitt lag der Ertrag bundesweit im vergangenen Jahr bei 3,1 t/ha. Das Ertragspotenzial geht bei den frühreifen Sorten inzwischen bis 5-5,5 t/ha.
„Soja enthält nicht nur viel Protein, sondern ist auch guter Energielieferant.“ Sebastian Schmidt, Salvana
Tauben lieben leider Sojabohnen
Daniel Goldhammer lag im vergangenen Jahr bei einer Erntemenge von 3,8 – 4 t/ha auf seinen Flächen. Als entscheidend sieht er eine zügige Jugendentwicklung an. Eine kleine „Anekdote“ von ihm: Ein Berufskollege aus dem Frankfurter Umland mit 12.000 Legehennen und Direktvermarktung seiner Eier, ebenfalls Eigenmischer, liebäugelte auch mit dem Anbau von Soja. Es blieb jedoch bei einem Testanbau: Die vielen Tauben auf seinen Flächen im Großraum Frankfurt hatten die Sojabohnen quasi restlos sofort nach dem Keimen weggepickt.
Soja kann bekanntlich nicht direkt an Geflügel und Schweine verfüttert werden, sondern muss thermisch behandelt werden, damit das enthaltene Eiweiß verwertet werden kann. Auf dem Sojatag informierte Sebastian Schmidt vom Mineralfutter-Hersteller Salvana über die Einsatzmöglichkeiten.
Thermische Behandlung für Geflügelfutter
Legehennenhalter Daniel Goldhammer entschied sich, selbst eine Entölung und eine Toastanlage zu bauen. Heute verarbeitet er nicht nur sein eigenes Soja, sondern bietet das Toasten und Entölen (auch von Raps) sowie ggf. auch das Vermarkten der Produkte zusätzlich als Dienstleistung für Berufskollegen an.
Was rät Julian Ingenbleek Landwirtinnen und Landwirten, die sich für den Sojaanbau interessieren: „Vermarktungsmöglichkeiten vor dem Anbau klären und dann einfach mal ausprobieren, wenn der Standort für Sojabohnen passt!“ Wer das Soja im eigenen Betrieb für sein Geflügelfutter verwenden will, muss sich natürlich um Möglichkeiten der Aufbereitung kümmern.
„Das Erntefenster bei den Sojasorten wird sich weiter verschieben.“ Nicolas Valentin, Deutsche Saatgut
Text:
Christa Diekmann-Lenartz
Aufgewachsen auf einem landwirtschaftlichen Betrieb in der intensiven Tierhaltungsregion Weser-Ems (und Studium der Agrarwissenschaften). Seit vielen Jahren berichtet sie darüber, was sich im Bereich Geflügel tut - mit Schwerpunkt Niedersachsen.
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