Niederländische Eierproduktion schrumpft weiter – Legehennenbestand soll um bis zu 6 Millionen sinken

27 Oktober 2025
Niederlande
Legehennen

Die niederländische Eierproduktion steht vor einem deutlichen Rückgang. Durch Aufkaufregelungen und Vogelgrippe könnten Millionen Legehennen verschwinden. Während der Markt schrumpft, bleibt die Nachfrage nach KAT-zertifizierten Eiern aus den Niederlanden in Deutschland hoch.

Zahl der Geflügelbetriebe hat sich stark reduziert

„Der niederländische Legehennenbestand ist seit 2015 um knapp zwölf Prozent zurückgegangen. Wir gehen davon aus, dass er durch die aktuellen Aufkaufregelungen um weitere vier bis sechs Millionen Tiere sinken wird“, erklärte Aalt den Herder, Geschäftsführer von UPP Sales BV.

Den Herder präsentierte kürzlich bei einer Versammlung der Vereinigung der Geflügelproduzenten (UPP) in Lunteren (Gelderland) aktuelle Zahlen und Entwicklungen zum Eiermarkt. „Im Jahr 2000 gab es in den Niederlanden noch 2.190 Legehennenbetriebe – im vergangenen Jahr waren es nur noch rund 800. Zählt man Aufzucht-, Vermehrungs- und Masthähnchenbetriebe hinzu, existierten im Land insgesamt nur noch etwa 1.800 Geflügelbetriebe“, so den Herder unter Verweis auf Daten des Centraal Bureau voor de Statistiek (CBS).

2015 habe es noch 1.030 Legehennenbetriebe gegeben – innerhalb von zehn Jahren also ein Rückgang um fast ein Viertel. Laut CBS wurden im vergangenen Jahr rund 31 Millionen Legehennen in den Niederlanden gehalten, was einem Minus von etwa zwölf Prozent gegenüber 2015 entspricht.

„Wir schätzen, dass die Zahl in den Jahren 2026 und 2027 infolge der Aufkaufprogramme um weitere vier bis sechs Millionen Hennen sinken wird“, sagte den Herder. „Diese Prognose basiert nicht auf einer wissenschaftlichen Berechnung, sondern auf unseren Kenntnissen darüber, welche Betriebe an den Aufkaufregelungen teilnehmen und wie viele Haltungsplätze dadurch wegfallen.“

Nutzung der genehmigten Fläche

Der Eiermarkt war in den letzten drei Jahren – seit Mitte 2022 – sehr stabil und gut. Einige Betreiber von Legehennenställen reagierten darauf: „Sie haben die zuvor stillgelegten Stallflächen wieder in Betrieb genommen und halten erstmals seit langer Zeit wieder Legehennen“, erklärt Den Herder. „Wir gehen davon aus, dass die Nutzung dieses genehmigten Raums dazu führen wird, dass der Rückgang des Legehennenbestands insgesamt eher bei vier als bei sechs Millionen Tieren liegen wird.“

In diesem Jahr wächst die Eierproduktion in den Niederlanden nur leicht. „Die Auswirkungen der Aufkaufregelungen werden erst im kommenden Jahr sichtbar. Wir erwarten, dass die Eierproduktion dann um zehn bis fünfzehn Prozent zurückgehen wird“, so Den Herder.

Vogelgrippe bremst Eierproduktion in Europa

Den Herder machte darauf aufmerksam, dass die polnische Eierproduktion in diesem Jahr aufgrund zahlreicher Vogelgrippe-Ausbrüche um rund 24 Prozent zurückgegangen ist. „Wir schätzen, dass das Virus in Polen mindestens drei bis vier Millionen Legehennen das Leben gekostet hat. Das entspricht einem Produktionsverlust von etwa 1,2 Milliarden Eiern oder 75.000 Tonnen. Dieser Rückgang ist jedoch vorübergehend.“

Von Oktober des Vorjahres bis August dieses Jahres wurden weltweit 1.333 Ausbrüche in Geflügelbetrieben registriert. „Es ist zu erwarten, dass die Vogelgrippe vorerst auf mehreren Kontinenten Marktstörungen verursachen wird“, so Den Herder.

Er betonte zudem, dass die Käfighaltung von Legehennen in Europa weiterhin weit verbreitet ist. „In den Niederlanden gibt es kaum noch Legehennen in Käfighaltung, in Polen sind es jedoch noch etwa 70 Prozent. In der Ukraine werden laut Fachmedien sogar rund 90 Prozent der Hennen in Käfigen gehalten. Insgesamt werden in den 27 EU-Ländern etwa 38 Prozent der Eier in Käfighaltung produziert.“

Niederländische Eier bleiben im deutschen Handel gefragt

Die meisten Eier aus den Niederlanden sind für den deutschen Markt bestimmt. „Rund 90 Prozent des niederländischen Eierabsatzes gehen in die Niederlande selbst sowie nach Deutschland und Belgien“, erklärt Den Herder. „Der Handel mit ganzen Eiern ist in der Regel ein regionales Geschäft, sowohl bei Tafeleiern als auch bei Eiern für die Industrie. Anders als oft angenommen, gibt es hier keinen globalen Wettbewerb auf Kostenbasis. Bei Eiprodukten sieht die Lage jedoch anders aus: Einmal aufgeschlagen oder verarbeitet, werden Halbfertigprodukte und Eiprodukte über größere Distanzen gehandelt, wodurch der internationale Wettbewerb deutlich intensiver ist.“

KAT-Zertifizierung als Wettbewerbsvorteil

„Der deutsche Einzelhandel verlangt derzeit gezielt nach niederländischen oder deutschen Eiern, die KAT-zertifiziert (Verein für kontrollierte alternative Tierhaltungsformen e. V.) sind. Auffällig ist, dass die Nachfrage nach KAT-Eiern aus Belgien, Polen oder Italien sehr begrenzt ist. Der Absatz von KAT-konformen Eiern aus Dänemark ist sogar nahezu unmöglich. Niederländische Eier genießen offenbar einen hervorragenden Ruf im deutschen Einzelhandel. Dänische KAT-Eier werden aktuell in Deutschland nur an die Industrie verkauft.“

Den Herder rechnet nicht damit, dass Polen in absehbarer Zeit eine Bedrohung für KAT-konforme Eierproduzenten in Deutschland darstellt. „In Polen gibt es lediglich zwei KAT-zertifizierte Legehennenbetriebe, darunter eine niederländische Packstation. Polen richtet sich nicht auf den deutschen Einzelhandel aus und produziert überwiegend für die Industrie. Was nach Einführung des Käfigverbots passieren wird, bleibt abzuwarten. Zwar wächst die KAT-Teilnahme in Polen, Belgien und Italien, sie macht jedoch weiterhin weniger als fünf Prozent aller Legehennen aus. Ein niederländischer Geflügelhalter ist derzeit gut positioniert, sollte die Entwicklungen jedoch genau beobachten.“

Eierhandel bleibt regional – keine globale Ware

Aus einem Bericht der Europäischen Kommission vom September geht hervor, dass die Eierproduktion in den 27 EU-Ländern größtenteils für den Inlandsverbrauch bestimmt ist. „Laut einer Analyse der Rabobank und der World Egg Organisation (WEO) ist der weltweite Eierhandel begrenzt: Nur rund zwei Prozent der globalen Eierproduktion werden über größere Entfernungen gehandelt. Wir sprechen immer vom Weltmarkt für Eier – aber das ist irreführend“, betont Den Herder. „Eier werden in der Regel nur innerhalb eines Radius von etwa 750 Kilometern gehandelt.“ Zum Vergleich: Die polnische Grenze liegt etwa 750 Kilometer von den Niederlanden entfernt, die ukrainische rund 2.000 Kilometer.

„Die Eierimporte aus der Ukraine nehmen zwar leicht zu, was viele Legehennenhalter kritisch sehen – das merken wir täglich in Gesprächen. Für 2025 handelt es sich jedoch nur um etwa 100.000 Tonnen, also rund 1,5 Prozent der EU-Produktion. Ein Tropfen auf den heißen Stein. Die ukrainischen Exporte gehen unter anderem nach Kroatien, Polen, Italien, Spanien, Großbritannien und in die Niederlande. Letztere erhalten in diesem Jahr etwa 11.000 Tonnen, rund 11 Prozent der ukrainischen Exporte in die EU. Trotz der seit Juni 2024 geltenden Quotenregelung und einer Abgabe von 1 Cent pro Ei über der Quote steigen die Exporte in die EU weiterhin – überwiegend Käfigeier für die Eiproduktindustrie. Einfluss auf den niederländischen Markt hat dies kaum.“

Fokus auf Versorgungssicherheit statt Preis

Jahrelang war der Preis beim Eierkauf der entscheidende Faktor. In den letzten Jahren habe sich dies jedoch deutlich verändert: Versorgungssicherheit rückt zunehmend in den Vordergrund, erklärt Den Herder. Grund dafür sei der Eiermangel infolge zahlreicher Vogelgrippe-Ausbrüche und eines stabilen oder sogar schrumpfenden Bestands, etwa in den Niederlanden. Hinzu komme die steigende Nachfrage, die zu einem Nachfrageüberhang führt.

„Es findet unter anderem eine vertikale Integration statt. Beispiele hierfür sind Verpackungsstationen in den Niederlanden wie die Hardeman Egg Group, die eigene Legehennenbetriebe erwerben, um ihre Eierversorgung zu sichern. Auch das US-Unternehmen Cal-Maine Foods – ursprünglich ein Einzelhändler – wuchs durch den Kauf von Legehennenbetrieben zum größten Eierproduzenten der USA und hält inzwischen etwa 45 Millionen Legehennen.“

Geflügelnews
Bild: Ellen Meinen
Quelle: Tom Schotman

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