Ausstiegsprogramm Niederlande: Auch 243 Geflügelbetriebe haben sich beworben

12 September 2025
Niederlande
Eier

In den Niederlanden können viehhaltende Betriebe an einem staatlich geförderten Ausstiegsprogramm teilnehmen. Ziel ist die Verringerung der Stickstoffüberschüsse aus der Tierhaltung. Anträge zur Teilnahme haben 1.576 Betriebe gestellt. Darunter sind auch 243 Geflügel haltende Betriebe. 

Seit Mitte 2023 gab es in den Niederlanden das „Nationale Ablöseprogramme für Tierhaltungsstandorte“ („Landelijke beëindigingsregeling veehouderijlocaties“=LBV). Betriebe mit Schweinen, Milchkühen, Hühnern oder Puten, die einen oder mehrere Standorte aufgeben wollten, konnten hierfür eine Förderung beantragen. Die Antragstellung für das Programm endete am 1. Dezember 2023. Das Gesamtbudget hierfür betrug 1,1 Mrd. Euro.

Insgesamt fast 3 Mrd. Euro für Ausstiegsprogramme 

Ein zweites Programm „LBV-plus“ endete am 20. Dezember 2024 mit einem Gesamtbudget von 1,8 Mrd. Euro und galt für besonders stickstoff-belastete Gebiete. Beim LBV-plus-Programm gibt es eine um 20 Prozent höhere Förderung, die (notwendigen) Abbruchkosten für die Ställe werden dabei zusätzlich mit einem Pauschalbetrag pro Quadratmeter erstattet.

Insgesamt haben 1.576 Betriebe einen Antrag zur Teilnahme an den beiden Ausstiegsprogrammen gestellt. Neben 243 Geflügel haltenden Betrieben waren dabei 573 Betriebe mit Schweinehaltung und 446 Betriebe mit Rinderhaltung, 210 Betriebe mit Kälbermast und 104 Betriebe mit gemischter Tierhaltung.

Gleiche Tierart darf EU-weit nicht mehr gehalten werden

Die Teilnahme an einem der Ausstiegsprogramme bedeutet quasi ein Berufsverbot. Geflügelhalterinnen oder Geflügelhalter, die die Ausstiegsprämie erhalten, dürfen in keinem Land der EU wieder Geflügel halten. Analog gilt das auch für Schweinehalterinnen und Schweinehalter oder Rinder haltende Betriebe. 

Aktuell werden in den Niederlanden die Anträge für die Teilnahme am Ausstiegsprogramm abgearbeitet. Monatlich werden aktuelle Zahlen veröffentlicht. Bis September diesen Jahres wurden im Programm LBV 848 Anträge positiv beschieden und von den Betrieben angenommen, davon waren 107 Betriebe Geflügelhaltungen. Im Programm LBV plus wurden 587 Anträge positiv beschieden, dabei waren 17 Geflügelbetriebe, die das Angebot zum Ausstieg annahmen. 

Nach einem positiven Antragsbescheid haben die Betriebe noch eine gewisse Bedenkzeit, ob sie wirklich aussteigen wollen. Bei 75 Geflügelbetrieben mit positivem Bescheid warte man noch auf die Entscheidung der Betriebe, so eine Sprecherin der zuständigen Behörde. 

Geflügelsektor schrumpft um 13 Prozent

Nach Schätzungen der niederländischen ABN AMRO Bank wird die niederländische Tierhaltung durch LBV-/LBV plus-Programme und andere Maßnahmen zur Reduzierung des Stickstoffanfalls bis 2030 um 15 bis 18 Prozent zurückgehen gegenüber dem Ausgangsjahr 2024. Für den Geflügelbereich wird der Rückgang mit 13 Prozent beziffert. Der Rückgang wird laut ABN AMRO 2025 und 2026 am stärksten sein, danach wird mit einer Konsolidierung des Sektors gerechnet.   

 

„Bei ‚LBV plus‘ kann ich hier wohnen bleiben“

Harold Maassen ist froh, dass er weiterhin an seinem Unternehmensstandort in Homoet (GD) wohnen kann.

Harold Maassen aus der Gemeinde Homoet im Gelderland ist einer der Geflügelhalter, die am niederländischen Ausstiegsprogramm „LBV plus“ teilnehmen. Der 59jährige übernahm 1997 den Hof von seinen Eltern, bislang hielt er 62.000 Legehennen, 54.000 in Freilandhaltung und 8.000 in Bodenhaltung. Außerdem betreibt er einen Eier- und Regionalprodukte-Automaten und einen Eierhandel. Alle drei Geschäftsfelder laufen bzw. liefen gut. 

Der Anstoß auszusteigen, kam vor zwei Jahren. Sein Sohn, der bei ihm derzeit angestellt ist, signalisierte, den kompletten Betrieb nicht übernehmen zu wollen. 

Also bot er Anfang 2023 den Betrieb zum Verkauf an – nicht unüblich in den Niederlanden. Kurze Zeit später starteten die Ausstiegsprogramme „LBV“ und „LBV plus“. Bei Teilnahme am Programm können die Landwirtsfamilien in ihren Häusern auf dem Betrieb wohnen bleiben. Das war für Maassen der ausschlaggebende Punkt: „Ich bin hier aufgewachsen und möchte hier wohnen bleiben.“ Also bewarb er sich für das Programm und bekam auch einen Zuschlag. 

Sohn Koen wird die Eierautomaten und Eierhandel übernehmen, worüber wöchentlich rund 35.000 Eier und ein Sortiment regionaler Produkte verkauft werden. „Das ist eine gute Einnahmequelle“, sagt Harold Maassen.

Die Stalleinrichtung wurde inzwischen verkauft. Polnische Händler kaufen gebrauchte Volieren in den Niederlanden, bauen die Einrichtung selbst ab und in Polen wieder zusammen. 

Wie es bei ihm selbst beruflich weitergeht, weiß Harold Maassen noch nicht genau. 15 Prozent der ursprünglichen Stickstoffemissionen seiner Tierhaltung dürfte er für neue Pläne nutzen. Aber alles muss abgestimmt sein mit der Regierung, der Provinz und der Gemeinde. Das funktioniert leider nicht so gut, sagt Maassen.

Text:
Christa Diekmann-Lenartz

Aufgewachsen auf einem landwirtschaftlichen Betrieb in der intensiven Tierhaltungsregion Weser-Ems (und Studium der Agrarwissenschaften). Seit vielen Jahren berichtet sie darüber, was sich im Bereich Geflügel tut - mit Schwerpunkt Niedersachsen.

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Bild: Natasja Beverloo, AdobeStock_Stockfotos-MG

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