Strengere Auslaufregeln in den Niederlanden: Biobäuerin Van Wincoop kämpft um ihre Ställe
28 April 2025
Niederlande
Wegen neuer Auslaufvorschriften muss Biobäuerin Gisela van Wincoop 25000 Aufzuchtplätze in ihrer Bio-Aufzucht aufgeben.
25.000 Aufzuchtplätze aufgeben?
Die niederländische Biobäuerin Gisela van Wincoop aus Putten (GD) steht vor massiven Herausforderungen durch neue gesetzliche Anforderungen. Danach müssen Öffnungen vom Stall zum überdachten Auslauf seit 2022 mindestens 2 Meter je 100 m² Stallfläche betragen – eine Vorgabe, die ihre beiden Aufzuchtställe nur teilweise erfüllen. Werden keine baulichen Maßnahmen getroffen, müsste sie rund 25.000 ihrer 58.000 Aufzuchtplätze aufgeben – eine drastische Reduzierung, die sie als „erschreckend hoch“ beschreibt.
Neue Bio-Auslaufvorschriften setzen Geflügelhalter unter Druck
Neben den überdachten Ausläufen betrifft eine zweite Regelung die Ausgänge zu den Freilandflächen. Statt bisher 2 Meter müssen nun 4 Meter Auslauföffnung je 100 m² Stallfläche gewährleistet sein. Diese Anforderungen, ursprünglich für Bio-Legehennenställe gedacht, wurden auf die Bio-Aufzucht übertragen. In vielen bestehenden Ställen, wie Van Wincoops Stall 2 – ein umgebauter Jungviehstall –, sind diese Standards baulich kaum realisierbar.
„In Stall 1 erfüllen wir eine der beiden neuen Anforderungen, weil wir dort mit einem Windschutz über die gesamte Länge des überdachten Auslaufs in beiden Ausläufen arbeiten“, sagt Van Wincoop.
Erhöhte Sterblichkeit aufgrund von Kolibakterien
Van Wincoop und andere Landwirte üben deutliche Kritik: Die Maßnahme schade dem Tierwohl mehr, als sie nütze. Mehr Öffnungen führten zu Zugluft, die Kolibakterien und eine erhöhte Sterblichkeit begünstigen könnten. „Das kann doch wohl nicht die Absicht neuer Vorschriften sein“, sagt Van Wincoop.
"Ich weiß nicht einmal, ob die Struktur des Stalls das aushält"
Die Auswirkungen für ihren Betrieb hat Van Wincoop detailliert durchgerechnet: Stall 1 könnte nach neuer Regelung noch 22.500 Tiere aufnehmen, Stall 2 lediglich 11.625 – insgesamt 23.875 Plätze weniger. Die zuständige Kontrollstelle Skal verlangt einen Aktionsplan, wie die Anforderungen bis 2030 erfüllt werden sollen. Eine bauliche Anpassung ist jedoch fraglich. „Ich weiß nicht einmal, ob die Struktur des Stalls das aushält“, so Van Wincoop besorgt.
Familiärer Betrieb mit langen Wurzeln
Gisela van Wincoop betreibt den Bio-Aufzuchtstall gemeinsam mit ihrer Mutter Aline van Harten. Der Betrieb wurde 2013 aufgebaut, der zweite Stall kam 2015 hinzu. Gisela, ursprünglich in der Pflege tätig, übernahm 2023 den Betrieb. Seitdem arbeitet sie mit großer Hingabe daran, ihren Hennen eine stressfreie Aufzucht zu ermöglichen.
In der Aufzucht legt Van Wincoop großen Wert auf Tierbeobachtung und Stallklima. So kontrolliert sie regelmäßig das Verhalten der Tiere, achtet auf Kotqualität und reagiert frühzeitig auf mögliche Gesundheitsprobleme. Etwa durch das Beimischen von Dinkelschalen ins Futter zur Förderung der Darmgesundheit oder das gezielte Einsetzen von Lichtintensität zur Vermeidung von Federpicken.
Sie stellt deutliche Unterschiede zwischen weißen und braunen Hennen fest: Weiße seien lebhafter, braune dagegen ruhiger. Ihre Schwester, selbst Legehennenhalterin, bevorzuge weiße Tiere – Van Wincoop zeigt sich hier flexibel.
Marktentwicklung: Zukunft der Bio-Geflügelaufzucht bleibt offen
Die Nachfrage nach Bio-Aufzuchtplätzen ist schwankend. 2023 musste Van Wincoop konventionelle Legehennen aufziehen, da die Nachfrage nach Bio-Tieren durch enttäuschende Eierpreise gesunken war. Ein drohender Überschuss an Aufzuchtplätzen bereitet ihr jedoch keine Sorgen. Viele Betriebe geben auf, es fehlen Nachfolger oder die Wirtschaftlichkeit ist nicht mehr gegeben. Sie sieht daher keinen langfristigen Einbruch in der Nachfrage nach Bio-Aufzucht.
„Ich weiß nicht einmal, ob die Struktur des Stalls es verkraften würde, wenn doppelt so viele Auslauföffnungen in den Seitenwänden von Stall 2 vorhanden wären“, sagt Van Wincoop.
Geflügelnews
Bild:
Tom Schotman, Gisela van Wincoop
Quelle:
Tom Schotman
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