Ulrich Löhr ist ehrenamtlich stark engagiert. Er war bis 2024 Vizepräsident des Landvolkverbandes Niedersachsen. Und er ist Hähnchenmäster. Jetzt ist er einen besonderen Schritt gegangen: Er pausiert für ca. fünf Jahre mit der Tierhaltung. In einem Podcast des Landvolks erläutert er die Gründe. Und sagt auch, warum er und seine Familie „wild entschlossen“ sind, danach mit den Hähnchen weiterzumachen.
Ulrich Löhr war zehn Jahre lang bis 2024 Vizepräsident des Landvolkverbandes Niedersachsen. Heute ist er in anderen landwirtschaftlichen Gremien in führenden Positionen ehrenamtlich tätig. Er bewirtschaftet im Landkreis Wolfenbüttel einen Betrieb mit Ackerbau, Hähnchenmast, Damwild und Beteiligung an einer Biogasanlage. In einer neuen Podcast-Reihe beleuchtet das Landvolk die aktuellen Herausforderungen und Perspektiven der Tierhaltung im Bundesland. Ulrich Löhr kommt in der ersten Podcast-Folge zu Wort. Und verkündet dort einen mutigen Schritt: Er hat seine Hähnchenmast für die nächsten fünf Jahre auf Eis gelegt.
Statistik: 50 Prozent weniger Tierhaltungen in Niedersachsen
Der Hintergrund der Podcast-Reihe des Landvolks: Niedersachsen ist Agrarland Nummer 1 in Deutschland. Mehr als die Hälfte der landwirtschaftlichen Wertschöpfung in Niedersachsen stammt aus der Tierhaltung. Mit dem Futterbau zusammen macht dieser Bereich sogar rund 70 Prozent aus. Gleichzeitig ist der Strukturwandel dramatisch. Seit 2010 haben mehr als die Hälfte der tierhaltenden Betriebe in Niedersachsen aufgegeben – allen voran Sauenhalterinnen und Sauenhalter.
In einer Online-Umfrage hatte das Landvolk nach den Gründen dafür gefragt und wo die Tierhalterinnen und Tierhalter die größten Probleme und Hürden sehen. Rund 1.300 Betriebe beteiligten sich. Ulrich Löhr nennt im Podcast die Punkte, die dabei genannt wurden: Zu viele Auflagen, ständige gesetzliche Änderungen, Misstrauen in die Zuverlässigkeit von politischen Entscheidungen, keine Planungssicherheit.
Enttäuschend: Meinung und Verhalten der Verbraucher passen nicht zusammen
Hinzu komme bei vielen die Enttäuschung darüber, dass Verbrauchermeinung und konkretes Verbraucherverhalten im Supermarkt nicht zusammenpassen. Gefordert werde bio und regional, gekauft werde aber das, was am billigsten sei, so Löhr.
Seiner Einschätzung nach ist die Stimmung dabei schlechter als die wirtschaftliche Lage. Gerade auch in der Geflügelhaltung werde aktuell Geld verdient. Die zuvor genannten Punkte trügen jedoch dazu bei, dass zum Beispiel Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die Tierhaltung schwer zu finden seien bzw. die Motivation, in der Tierhaltung zu arbeiten, gering sei. Für Ulrich Löhr persönlich sind -wegen seines zeitintensiven Ehrenamtes- motivierte und gute Mitarbeiter unentbehrlich.
Hofnachfolge: Tochter will wieder Hähnchen mästen
„Deshalb bin ich zu dem Entschluss gekommen, jetzt erst mal für fünf Jahre die Tierhaltung zu pausieren, bis unsere Tochter nach Ende ihres Studiums wieder auf den Betrieb kommt“, sagt der Landwirt im Podcast. Trotz aller genannter Unbilden sei sie derzeit „noch wild entschlossen“, wieder in die Tierhaltung einzusteigen. Ulrich Löhr teilt die Einstellung seiner Tochter.
Seine Argumentation: Nur etwa zehn Prozent der Deutschen sind Vegetarier. Der Rest möchte Fleisch essen. Sie sollten mit heimischen Produkten versorgt werden. Niedersachsen etwa sei ein Gunststandort für die Veredlung, ein wirtschaftsstarker vor- und nachgelagerter Bereich sei hier vorhanden. „Eigentlich beste Voraussetzungen“, so sein Fazit.
Podcast: Hohe wirtschaftliche Bedeutung der Tierhaltung
Mit der Podcast-Reihe will das Landvolk in Richtung Gesellschaft, Politik und Wirtschaft deutlich machen, wie wichtig und essenziell die Tierhaltung in Niedersachsen ist“, sagt Ulrich Löhr.
Sein Stall steht übrigens nicht leer: Er ist verpachtet an einen jungen Berufskollegen, der in die Hähnchenmast einsteigen will. Das Baugenehmigungsverfahren für den eigenen Stall zieht sich…

































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