Brustbein-Schäden bei Legehennen: Ursachen, Folgen, Lösungen

17 Juli 2025
Junghenne
Brustbein Legehennen Fraktur

Aufnahme einer Legehenne mit deutlicher Fraktur im mittleren Brustbeinbereich.

 

Brustbeinveränderungen bei Legehennen sind weit verbreitet, aber durch gezielte Maßnahmen in Haltung, Fütterung und Stallmanagement deutlich reduzierbar.

Deformation oder Fraktur? Das steckt hinter den Brustbein-Schäden

Brustbeinveränderungen kommen in jeder Legehennen-Herde vor – unabhängig von der Haltungsform. Laut Tierärztin Julia Marggraff, Doktorandin an der Tierärztlichen Hochschule (TiHo) Hannover, können diese Veränderungen den Hennen Schmerzen bereiten. Es handelt sich um Deformationen (Verformungen des Brustbeinkamms) und Frakturen (Knochenbrüche), die oft gemeinsam auftreten.

  • Deformationen entstehen meist durch Belastung auf den empfindlichen Brustbeinkamm.
  • Frakturen können traumatisch (z. B. durch Sturz) oder atraumatisch (ohne äußere Einwirkung) sein.
  • Atraumatische Frakturen treten häufiger bei älteren Tieren auf – meist ab der 30. Lebenswoche.

Haltungsform und Stallausstattung: Risiko richtig einschätzen

In Käfighaltung sind meist nur Deformationen zu beobachten – die Hennen können sich weniger verletzen. In Boden- und Freilandhaltung, aber auch in der Bio-Haltung, sind Frakturen deutlich häufiger. In einer Studie mit Bio-Hennen wiesen 88 % Brustbeinveränderungen auf. Laut Marggraff hängt das mit der höheren Bewegungsfreiheit, aber auch mit der Gestaltung der Stalleinrichtung zusammen.

Je nach Haltungssystem sind Herden unterschiedlich stark von Frakturen am Brustbein betroffen. Systeme mit mehreren Etagen bergen besonders die Gefahr für Stürze und Verletzungen.

Erkennen oft schwierig

Hennen zeigen Schmerzen kaum, da sie als Beutetiere Verletzungen verstecken. Die Legeleistung bleibt oft trotz Frakturen stabil, was die Erkennung zusätzlich erschwert. Frakturen im hinteren Brustbeindrittel sind besonders tückisch: Sie entstehen häufig still und lassen sich kaum ertasten.

Marggraffs Rat: Regelmäßig kontrollieren!

  • Bereits bei der Einstallung sollte der Zustand der Hennen geprüft werden.
  • Ideal sind Kontrollpunkte zu Legebeginn (ca. 21. Woche), Legespitze (ca. 32. Woche) und bei verlängerter Legeperiode zur Mauser.
  • Etwa 50 Tiere pro Kontrolle sollten per Hand abgetastet und mit einem Score-System bewertet werden (z. B. MTool, KTBL).
  • Keine Panik bei „knickigem Fortsatz“: Dieser wird oft mit einer Fraktur verwechselt – dabei handelt es sich meist um eine harmlose Deformation.

Wichtige Ursachen: Von Genetik bis Fütterung

  • Frühe Legeleistung & große Eier: belasten den Knochenstoffwechsel.
  • Körpergewicht: Sowohl Über- als auch Untergewicht erhöhen das Risiko.
  • Genetik: Weiße Hennen bekommen eher Deformationen, braune häufiger Frakturen. Gemischte Herden stressen sich gegenseitig.
  • Lichtmanagement: Eine ausreichend lange Dämmerung (mind. 45 Minuten) sorgt für stressfreie Platzwahl auf der Stange.
  • Fütterung: Calciumversorgung ist entscheidend – am besten über Phasenfütterung und organische Quellen. Split Feeding ist empfehlenswert.

Vorbeugung im Stall: Diese Maßnahmen helfen wirklich

Vor allem in Volierensystemen sollte auf sichere Aufstiegshilfen geachtet werden: Rampen, Stangen, Kisten oder Brücken zwischen den Ebenen helfen Verletzungen zu vermeiden. Hennen sind keine guten Flieger, sondern klettern lieber mit Flügelschlägen – dafür brauchen sie trittsicheren Untergrund.

Zusätzlich wichtig: Hennen frühzeitig an Menschen gewöhnen, um Panikreaktionen im Stall zu verhindern.

Fazit für Praktiker

Brustbeinveränderungen lassen sich nicht ganz vermeiden, aber deutlich reduzieren, wenn Haltung, Fütterung und Stallgestaltung stimmen. Laut Marggraff lohnt es sich für jeden Betrieb, an den richtigen Stellschrauben zu drehen – zum Wohl der Tiere und der Bestandsleistung.

Quelle: Vortrag von Julia Marggraff auf dem Bio-Legehennenforum in Ankum.

Geflügelnews
Bild: Julia Marggraff, Christa Diekmann-Lenartz
Quelle: Land und Forst / Leonie Jost

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