Auf dem jüngsten Biogeflügeltag der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen auf Haus Düsse ging es um die spannende Frage, welches Huhn in den Bioställen der Zukunft steht. Erfreulich ist, dass Vermarkter sowohl aus dem Eier- als auch aus dem Fleischbereich auf der Suche nach Erzeugern sind.
Auf dem diesjährigen Biogeflügeltag Nordrhein-Westfalen stellte Axel Hilckmann, Fachberater im Ökoteam der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen für Biogeflügel, die wesentlichen Neuerungen für die Haltung und den aktuellen Markt vor. Er hob die hier die gute Nachfrage nach Eiern und Geflügelfleisch hervor. Herausforderungen der Biogeflügelbranche bestehen bezüglich der neuen Richtlinien der EU-Öko-Verordnung. Speziell geht es um die geforderten Ausläufe bei Junggeflügel oder die Forderung nach 100 Prozent Biofütterung. Angeregt diskutiert wurde auch, wie im Biogeflügelbereich mit dem In-Ovo-Verfahren zur Geschlechtserkennung umgegangen werden soll.
Aktuelle Legeherkünfte diskutiert
Matthias Girschik, Bioland-Berater für Bayern und Baden-Württemberg, ging auf die verschiedenen Rassen und aktuellen Herkünfte im Legebereich ein. Neben den ÖTZ-Herkünften über die bekannten Hybriden wie Lohmann Brown oder Sandy, werde in letzter Zeit vermehrt Warren-Tiere eingestallt. Die spannende Frage wurde diskutiert, welches Huhn in den Bioställen der Zukunft steht.
Anschließend stellten sich die Vermarktungspartner vor. Lea Gauer von der Packstelle Gut Rosenthal berichtete von einem Nachfragemarkt nach Bioeiern. Pro Woche werden in der Packstelle im Oberbergischen Kreis etwa 600.000 Bioeier sortiert „Wir sind dringend auf der Suche nach Erzeugern, die sich uns anschließen möchten“, warb Lea Gauer. Das Gut Rosenthal steht interessierten Landwirten als Abnehmer für Bioeier zur Verfügung.
Vermarkter brauchen neue Bio-Geflügel-Erzeuger
Auch der Biogeflügelfleisch-Vermarkter Biofino stellte sich vor und berichtete von einer positiven Marktlage. Geflügelfleisch sei das einzige Fleisch, bei dem die Nachfrage noch wächst. Gute Tierhaltung, Regionalität und faire Zusammenarbeit zeichne die Unternehmensgruppe Biofino in Emstek aus. Auch hier sind Landwirte willkommen, die ökologisches Geflügel produzieren wollen. Auch Klemens Hinssen von Thönes Natur aus Wachtendonk ist auf der Suche nach Erzeugern von Biogeflügelfleisch aus der Region.
Erfolgreiche Umstellung auf Öko
In den Beiträgen am Nachmittag ging es bei Johanna Hanczaryk und Jan-Niclas Sablewski von der Universität Bonn um die Umstellung eines konventionellen Acker- und Schweinemastbetriebs auf einen Biobetrieb mit 9.600 Bio-Hähnchen. Der Betrieb im Münsterland mit 75 ha, 2,5 Arbeitskräften, 1.500 Mastschweine-, 140 Fresser- und 600 Legehennenplätzen wurde von den Studenten zu einem ökologisch wirtschaftenden Betrieb mit nur noch zwei Arbeitskräften und zwei Mal 4.800 Biomasthähnchenplätzen umgeplant. Die Schweinehaltung wurde aufgegeben. Nach der Umstellung erzielte der Betrieb ein höheres Einkommen bei weniger Arbeitskrafteinsatz.
Echte Erzeugerpreise: Was Bio-Landwirte wirklich brauchen
Der letzte Vortrag beim Biogeflügeltag widmete sich den wahren Erzeugerpreisen. Matthias Girschick und Axel Hilckmann stellten den Teilnehmern eine betriebswirtschaftliche Berechnung für einen vollkostendeckenden Eierpreis und eine für den Auszahlungspreis eines Biomasthähnchens vor. So müsste der Eierpreis der Packstelle unter Berücksichtigung aller Kosten 24,71 Cent für den Erzeuger betragen und der Preis für 1 kg Biomasthähnchen von der Schlachterei an den Mäster 3,22 €/kg Lebendgewicht - dies gerechnet bei einem Arbeitslohn des Tierhalters von 40 € pro Stunde.
Schon kleine Veränderungen in der Erzeugung, wie etwa eine geringe Verbesserung der Legeleistung um zwei Prozent oder auch die Verringerung der Baukosten für den Stall, verändern den Erzeugerpreis. Ein um 3 € geringerer Futtermittelpreis senkt den vollkostendeckenden Erzeugerpreis beim Ei um 0,5 Cent. Beim Mastgeflügel sind Faktoren wie die Futterverwertung, die Leerstandszeit und auch die Verringerung der Baukosten entscheidend für den nötigen Erzeugerpreis.

































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