Der deutsche Eiermarkt steht vor einer angespannten Saison. „Bio-Eier sind auf dem freien Markt nicht mehr erhältlich. Das Angebot ist viel zu gering für die Nachfrage“, sagt der niederländische Marktexperte Wim Thomassen vom Verband der Geflügelproduzenten (UPP) und Biomeerwaarde Ei. Grund sind ein gestiegener Eierverbrauch in Deutschland, Stilllegungsregelungen in den Niederlanden sowie der Rückgang von Bio-Legehennen.
Eierkonsum in Deutschland steigt weiter
Die Nachfrage nach Eiern nimmt seit Jahren kontinuierlich zu. 2024 lag der Pro-Kopf-Verbrauch bereits bei 244 Eiern, acht mehr als im Vorjahr. Dabei handelt es sich nicht nur um Tafeleier, sondern auch um Industrieeier. „Es würde mich nicht überraschen, wenn der Eierverbrauch in diesem Jahr erneut ähnlich stark ansteigt“, so Thomassen.
Bio-Eier kaum noch am Markt
Viele ehemals biologische Betriebe sind auf Freilandhaltung umgestiegen – auch, weil die Nachfrage nach Freilandeiern hoch ist. Gleichzeitig haben zahlreiche Bio-Legehennenhalter an den niederländischen Stilllegungsprogrammen (Lbv und Lbv-plus) teilgenommen. „Ich kenne Betriebe mit 18.000 und 24.000 Bio-Legehennen, die ausgestiegen sind“, berichtet Thomassen. Das führt zu einem deutlichen Angebotsrückgang bei Bio-Eiern.
Preise ziehen kräftig an
Die Preise, die von Packstationen für Bioeier angeboten werden, liegen schon jetzt bei über 20 Cent pro Ei. Auch Freilandeier und Industrieeier sind knapp und teuer. Besonders die eierverarbeitende Industrie deckt sich frühzeitig ein, um vor Weihnachten keine Engpässe zu haben. „Der Markt ist insgesamt auf einem sehr hohen Niveau“, so Thomassen.
Thomassen empfiehlt Betrieben, den Markt genau im Blick zu behalten. Da die Nachfrage sowohl nach Bio-, Freiland- als auch Industrieeiern hoch ist, können sich Landwirte derzeit flexibel positionieren.
Verhandlungen mit dem Handel
Aktuell laufen die Preisverhandlungen zwischen Einzelhandel und Packstationen. Thomassen erwartet, dass die Verbraucher in Deutschland im kommenden Jahr „etwas mehr für ihre Eier bezahlen müssen“. Besonders gefragt sind Eier aus Deutschland und den Niederlanden. „Der deutsche Einzelhandel vertraut auf die Qualität hiesiger Eier und will keine Ware aus Polen oder Belgien“, betont er.
Vogelgrippe bleibt Unsicherheitsfaktor
Ein Risiko bleibt jedoch: die Vogelgrippe. In der ersten Jahreshälfte 2025 war Osteuropa stark betroffen. Sollten dort neue Herden in Produktion gehen, könnten Exporte nach Westeuropa das Angebot erhöhen und die Preise für Industrieeier drücken. „Das wirkt sich oft auch auf Tafeleier aus – obwohl es eigentlich ein anderer Markt ist“, erklärt Thomassen.
Prognose bis Ostern
Trotz Unsicherheiten bleibt der Marktexperte optimistisch: „Ich sehe keine Trendwende. Der Eiermarkt wird in den kommenden Jahren gut bleiben.“ Bis Ostern 2026 – das am 5. April gefeiert wird – rechnet Thomassen mit hohen Eierpreisen und einer anhaltend starken Nachfrage.
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