Vom Futter bis zum Eierverkauf: Alles in eigener Hand

14 August 2025
Mobilstall
Goldhammer Soja

Daniel Goldhammer und seine Partnerin Sandra Gerresheim haben sich den Traum vom eigenen Betrieb in Nidda-Borsdorf (Hessen) verwirklicht. Im Mittelpunkt stehen 6.000 Legehennen. Die Eier werden direktvermarktet. Das Besondere: Der eigene Futteranbau mit u.a. Soja inklusive Sojabohnen-Aufbereitungsanlage.

Ohne eigene landwirtschaftliche Fläche, aber mit viel Herzblut und Optimismus aufgrund der steigenden Nachfrage nach regionalen Eiern, kaufte Daniel Goldhammer 2017 sein erstes Hühnermobil. Platz fand der Mobilstall für 860 Hennen auf gepachteten Flächen. Die Eier verkauften er und seine Partnerin zunächst aus der privaten Garage. Die Nachfrage nach den regionalen Eiern aus der „Borsdorfer Eierschachtel“ wuchs schnell. Und damit ebenso die Anzahl der Hühnermobile. Heute sind es sieben mit insgesamt 6.000 Tieren.  

Zunächst Futter-Kooperationen mit Berufskollegen

„Um Futter aus der Region zu haben, vereinbarten wir Kooperationen mit benachbarten landwirtschaftlichen Betrieben“, erinnert sich Goldhammer und ergänzt: „Im regionalen Landhandel ließen wir die Ware aufbereiten und lagern. Von Beginn an hatten wir Kooperationsbetriebe, die für uns Sojabohnen anbauten. Diese wurden im Landhandel getoastet und nach Bedarf gepresst. Mit Hilfe einer mobilen Mahl- und Mischanlage schroteten wir das Legehennenfutter, bestehend aus Soja und anderen Komponenten.“

Daniel Goldhammer

Soja-Aufbereitung nun auch als Dienstleistung

2021 baute Goldhammer eine eigene Betriebshalle mit Annahmestelle, Silos zur Lagerung und einem stationären Soja-Toaster mit angegliederter Entölungsanlage. Seit der Fertigstellung können nun Getreide, Körnermais, Sojabohnen und andere Feldfrüchte selbst angenommen und aufbereitet werden. Da die Kapazitäten (800 t/Jahr) der Soja- Aufbereitungsanlage (toasten und entölen) über dem betriebseigenen Bedarf liegen, bietet Goldhammer das Toasten und Entölen auch im Lohn für andere Betriebe an. 

„Mit der Anlage sind wir derzeit die einzige stationäre Toast- und  Entölungsanlage in Hessen, weil der Landhandel das nicht mehr anbietet“, sagt Daniel Goldhammer und ergänzt: „Um über den Anbau, die Aufbereitung und Einsatzmöglichkeiten von Sojabohnen in der Fütterung zu informieren, sind wir seit 2023 Demonstrationsbetrieb des bundesweiten Leguminosen-Netzwerk LeguNet.“ 

Lagerung von Sojabohnen

Getoastetes Soja ideal für Legehennen

Das Toasten von Sojabohnen ist bei Monogastriern wie Geflügel zwingend notwendig. Sojabohnen enthalten wachstumshemmende antinutritive Substanzen, sogenannte Trypsininhibitoren. Beim Toasten werden diese reduziert. Soja wird so zum perfekten Legehennenfutter mit hohen Rohproteingehalten. Das Aminosäureverhältnis passt sehr gut zum Nährstoffbedarf von Leghennen und Schweinen.

Fingerspitzengefühl beim Toasten nötig

Beim Toastvorgang ist Erfahrung und Fingerspitzengefühl gefragt“, berichtet Daniel Goldhammer, „denn die Einstellung des Toasters muss genau auf die Bohnen abgestimmt sein. Nur so bekomme ich einen optimalen Aminosäureaufschluss hin, bei dem die Eiweißqualität hoch bleibt. Werden die Bohnen zu heiß getoastet, kann es zu Proteinschäden kommen.“ Goldhammer entölt die Sojabohnen zusätzlich.  Hierbei entsteht der für die Tierfütterung wertvolle Sojapresskuchen. Das Sojaöl ist ein hervorragendes Speiseöl.  

An der Halle können Kundinnen und Kunden seit 2023 Eier, Speise-Sojaöl, kleine Erfrischungen und weitere regionale Produkte im digitalen Selbstbedienungsladen kaufen. Dazu muss zunächst die Lokbest-App   heruntergeladen werden. Nach einmaliger Registrierung ist die Bezahlung ausschließlich bargeldlos, etwa über PayPal, Sepa oder Kreditkarte, möglich.  

Vermarktung auch über regionalen Handel

Angebaut an die Betriebshalle wurde inzwischen noch eine neue Eier-Packstation. Über das Jahr verpackt und liefert Goldhammer auch circa 1,3 Mio. Eier an regionale Edeka- und Rewe-Märke. Er punktet auch bei der regionalen Eier-Vermarktung über den Handel mit der Haltung im Mobilstall und den regionalen Futterkomponenten. 

Inzwischen bewirtschaftet Daniel Goldhammer ca. 50 ha landwirtschaftliche Nutzfläche. Auf aktuell 23 ha wird ein Teil des Futters (Sojabohnen, Winterweizen, Körnermais) für die Hühner selbst produziert, die Restfläche teilt sich in Hühnerweide und Grünland auf. Die Sojabohnen fügen sich gut in die Fruchtfolge nach Körnermais und vor Winterweizen ein, so der Landwirt.

Spektrum an Sojasorten ist inzwischen groß

Das Spektrum europäischer Sojabohnensorten wird durch züchterische Aktivität permanent erweitert. Dies liegt nicht zuletzt an der Nachfrage nach neuen Sorten und dem kontinuierlichen Anstieg der Anbaufläche. Aktuell sind in der beschreibenden Bundessortenliste 50 Sorten zugelassen bzw. gelistet. Welche Sorten sich für den konventionellen oder ökologischen Anbau eignen, zeigen die Ergebnisse der jeweiligen Landessortenversuche (LSV) Sojabohne.

Julian Ingenbleek, LeguNet Hessen
Bild: Julian Ingenbleek, LeguNet Hessen

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