Vom Detail zur Sicherheit: Praktische Lösungen für Geflügelbetriebe

12 März 2026
Biosicherheit
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Biosicherheit entscheidet über die Gesundheit eines Geflügelbestands. Ein europäisches Projekt zeigt, wie Landwirte mit einfachen, oft überraschenden Maßnahmen Risiken erkennen und reduzieren können. Kameras, fluoreszierende Markierungen und klare Abläufe auf dem Hof helfen, Schwachstellen sichtbar zu machen – und gezielt zu beseitigen.

EU-Projekt untersucht Biosicherheit auf Geflügelbetrieben

Das europäische Projekt Biosecure untersucht, wie sich Biosicherheit auf Nutztierbetrieben verbessern lässt. Die Europäische Kommission finanziert das Vorhaben. Wissenschaftler begleiten Landwirte über längere Zeiträume und analysieren gemeinsam mit ihnen mögliche Risiken.

In den Niederlanden nahmen mehrere Legehennen- und Masthähnchenbetriebe rund ein Jahr lang teil. Ziel war es, betriebsspezifische Schwachstellen zu erkennen und praktische Lösungen zu entwickeln.

Forscher setzten dafür verschiedene Instrumente ein:

  • eine umfassende Biosicherheits-Bewertung mit Biocheck.UGent
  • fluoreszierende Markierungen, um Verschleppungswege sichtbar zu machen
  • Wildkameras, die Aktivitäten rund um die Ställe dokumentieren

Gemeinsam mit den Landwirten analysierten sie die Ergebnisse und passten Maßnahmen Schritt für Schritt an.

Ein Betrieb im Fokus

Auch der Masthähnchenhalter Joost van Lith aus Mill in der niederländischen Provinz Nordbrabant beteiligte sich an dem Projekt. Sein Betrieb mit Beter-Leven-1-Stern-Zertifizierung wurde fast ein Jahr lang intensiv beobachtet. 

Die Forscher installierten Kameras rund um die Ställe, etwa:

  • an der Einstreulagerung,
  • zwischen den Ställen,
  • an den Wintergärten,
  • an technischen Gebäuden.

Zusätzlich brachten sie fluoreszierende Flüssigkeit an kritischen Stellen aus. Damit ließ sich nachvollziehen, ob Schädlinge oder Material von außen in den Stall gelangen. Van Lith sagt: „Wir hatten zum Glück noch nie Vogelgrippe. Trotzdem versuchen wir alles, um ein Einschleppen zu verhindern.“

Wissenschaft und Praxis arbeiten eng zusammen

Die Geflügeltierärztin und Epidemiologin Francisca Velkers von der Universität Utrecht leitete das Projekt mit. Für sie liegt der Schlüssel im engen Austausch mit den Betrieben.

Forscher und Landwirte tauschten regelmäßig Fotos, Beobachtungen und Vorschläge aus. Velkers betont: „Maßnahmen müssen praktikabel sein. Nur dann werden sie im Alltag auch umgesetzt.“

Gummilappen an den Türen verhindern, das Regenwasser in den Stall gelangt.

Unerwartete Erkenntnisse aus der Praxis

Während der Beobachtungsphase stellten die Forscher nur wenig Schädlingsaktivität fest. Gelegentlich tauchten eine Ratte, eine verwilderte Katze oder einzelne Vögel auf. Wildkameras zeigten jedoch ein anderes Bild: In der Nacht hielten sich zahlreiche Wildgänse auf einem benachbarten Feld auf. Velkers erklärt: „Viele Tiere bewegen sich nachts rund um Geflügelställe – und das bleibt oft unbemerkt.“

Ein weiteres Problem entdeckten die Beteiligten bei starkem Regen. An den Türen eines Wintergartens drang Wasser ein und lief während der Stallleerzeit langsam ins Gebäude. Die Lösung war einfach: Gummilappen an den Türen und zusätzliche Dachrinnen. Van Lith sagt: „Man denkt erst daran, wenn man tatsächlich sieht, wie Wasser in den Stall läuft.“

Disziplin im Alltag bleibt entscheidend

Die Hygieneschleuse auf dem Betrieb funktionierte grundsätzlich gut. Fluoreszierende Spuren stoppten fast vollständig an der Stelle, an der Mitarbeiter ihre Schuhe wechseln.

Trotzdem zeigte das Projekt typische Schwachstellen im Alltag:

  • jemand vergisst den Schlüssel,
  • jemand betritt kurz einen anderen Stall auf Socken,
  • Hände werden zwischen Stallbesuchen nicht gewaschen.

Van Lith betont: „Der Aufwand ist gering – man muss nur konsequent bleiben.“ Bevor er einen Stall betritt, wechselt er deshalb zweimal die Schuhe:

  1. zu Holzschuhen im Futterraum
  2. zu stallspezifischen Stiefeln.

Besucher dürfen den Hof erst betreten, wenn sie Betriebskleidung und Schuhe angelegt haben.

Biosicherheit beginnt im Kopf

Für den Landwirt entscheidet vor allem das Verhalten der Menschen über den Erfolg der Biosicherheitsmaßnahmen. „Ein Biosicherheitsplan ist oft nur ein Dokument“, sagt Van Lith. „Der eigentliche Unterschied entsteht durch das Verhalten im Alltag.“

Hier wurde ein Wasserabfluss verschlossen. Dies verhindert, dass Vögel und Ungeziefer in den Stall kommen.

Erfahrungen aus einem Bio-Legehennenbetrieb

Auch der Bio-Legehennenbetrieb Griendijker B.V. aus Zeewolde beteiligte sich am Projekt. Betriebsleiterin Annemijn Dijkstra sieht Biosicherheit als tägliche Aufgabe. Ihre Motivation hat persönliche Gründe: 2013 musste ein Standort wegen Vogelgrippe geräumt werden. 2021 traf ein neuer Ausbruch den zweiten Betrieb der Familie. „Damals wurde uns klar, dass wir unsere Schutzmaßnahmen ständig verbessern müssen“, sagt sie.

Praktische Lösungen aus dem Projekt

Die eingesetzten Kameras und Markierungen zeigten, auf welchen Wegen Schmutz tatsächlich in den Stall gelangt:

  • über Fahrzeugräder
  • über Schuhe
  • über unbemerkte Wege auf dem Hof

Daraus entstanden einfache Maßnahmen:

  • klare Hinweisschilder für Fahrer
  • feste Fahrwege auf dem Hof
  • Desinfektionsmittel an Toren

Kameras im Eierlager zur Kontrolle von Abläufen.

Zusammenarbeit in der gesamten Produktionskette

Dijkstra setzt stark auf den Austausch mit Partnern in der Lieferkette. Besonders Fahrer bringen häufig neue Ideen ein. „Sie besuchen viele Betriebe und sehen Lösungen, die wir noch nicht kennen.“ So entstand beispielsweise die Idee, Fahrzeugräder bei jeder Ein- und Ausfahrt zu desinfizieren. Auch mit der Eierpackstelle wird regelmäßig über Hygiene und Salmonellenprävention gesprochen.

Kleine Maßnahmen mit großer Wirkung

Viele Verbesserungen sind einfach umzusetzen:

  • ein Hofplan für Besucher am Eingang,
  • feste Stiefel für jeden Stall,
  • eigenes Werkzeug pro Stall,
  • regelmäßiges Monitoring von Schädlingen.

Wildkameras machten außerdem sichtbar, dass sich Ratten an Mistbändern und verwilderte Katzen rund um Wintergärten aufhalten können. Die Katzen werden inzwischen eingefangen und sterilisiert.

Biosicherheit bleibt eine Daueraufgabe

Eine vollständige Kontrolle über alle Risiken gibt es nicht. Tiere haben Auslauf, Menschen arbeiten täglich im Stall. „Man kann nie alles ausschließen“, sagt Dijkstra. „Aber man kann jeden Tag ein Stück besser werden.“ Ihr Rat an andere Geflügelhalter: 

  • neugierig bleiben,
  • den eigenen Betrieb regelmäßig hinterfragen,
  • mit Fahrern, Tierärzten und Beratern sprechen.

Denn oft entscheiden kleine Details über den Erfolg. „Hängt eine Kamera auf, schaut euch den Betrieb abends an – und hört zu, was andere beobachten“, sagt sie. „Oft sind es die kleinen Dinge, die den Unterschied machen.“

Monique van Loon
Bild: Dijkstra

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