Volles Haus beim Legehennentag: Tierwohl, Digitalisierung, 5xD

30 Mai 2025
Deutschland
Tobias ferling Lohmann Deutschland

Tobias Ferling von Lohmann Deutschland begrüßte die Gäste im Namen des Veranstalters.

Die Legehennenbranche zeigt sich 2025 optimistisch, muss aber trotz Eierboom und positiver politischer Signale steigende Anforderungen und neue Vorschriften wie das 5xD-System meistern.

Am 28. Mai 2025 war das Kloster Nimbschen bei Grimma erneut Schauplatz einer der bedeutendsten Veranstaltungen für die deutsche Legehennenbranche: Die 27. Vortragstagung für Legehennenhalter, organisiert von der Lohmann Deutschland GmbH & Co. KG, lockte zahlreiche Teilnehmerinnen und Teilnehmer an – und sorgte für ein volles Haus sowie eine rundum positive Atmosphäre.

Die Tagung gilt seit Jahren als fester Treffpunkt für Legehennenhalter, Eiererzeuger, Aufzüchter sowie Vertreter der Futtermittelindustrie, Veterinärmedizin und Agrarverwaltung. Sie bietet eine zentrale Plattform für den Austausch über aktuelle Entwicklungen, Herausforderungen und Chancen der Branche.

Eierboom trifft Realität: Zwischen Aufschwung und Investitionslücke

Tobias Ferling von Lohmann Deutschland begrüßte die Gäste im Namen des Veranstalters. Dr. Sven Biereder vom Sächsischen Staatsministerium für Energie, Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft richtete in seinem Grußwort den Blick auf die Resilienz der Branche. Die Legehennenhaltung zeige sich widerstandsfähig – und profitiere aktuell von einem regelrechten „Eierboom“.

Zudem sei es erfreulich, dass derzeit auf Landes- wie Bundesebene Agrarpolitiker am Werk seien, die die Landwirtschaft verstehen – weil sie entweder selbst aus der Praxis stammen oder eine starke Nähe zur Landwirtschaft mitbringen. Dennoch bleibe ein zentrales Problem bestehen: die unzureichende finanzielle Ausstattung für Investitionen in der Nutztierhaltung.

Zwischen „Insel der Glückseligen“ und wachsendem Druck

Moderiert wurde der Tag von Dr. Ruben Schreiter von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Er sprach angesichts der positiven Marktlage von einer „Insel der Glückseligen“, auf der sich viele Legehennenhalter derzeit befinden könnten – wohlwissend, dass diese Stimmung auch trügerisch sein kann.

Ein Ausblick auf die kommenden Jahre lässt dennoch Zuversicht zu: Die Bestände und die Produktion sollen laut Prognosen um rund 12 Prozent steigen. Doch mit dem Aufschwung wachsen auch die Anforderungen.

Verbraucher erwarten zunehmend höhere Standards in Haltung und Tierwohl, während gesetzliche Rahmenbedingungen wie die TA Luft die betriebliche Praxis erschweren – insbesondere beim Stallbau.

Fachvorträge zu Tiergesundheit, Marktstrukturen und Digitalisierung

Das Fachprogramm bot einen breiten Einblick in aktuelle Themen der Branche. Dr. Andreas Bublat von Lohmann Breeders referierte über Prävention, Management und Gesundheitsstrategien in Legehennenbeständen – mit Blick auf Tierwohl und wirtschaftliche Stabilität.
Sven Guericke vom Agrar- und Ernährungsforum Nord-West e.V. analysierte die Entwicklungen in der Ernährungswirtschaft. Sein Schwerpunkt: die zunehmende Konsolidierung der Branche und ihre Folgen für Erzeuger und Vermarktung.

Wie digitale Technologien die Legehennenhaltung verändern können, zeigten Prof. Dr. Isabelle Ruhnke von der Freien Universität Berlin und Prof. Dr. habil. Sandra Rose von der Universität Rostock. Dabei standen digitale Tools zur Verbesserung des Tierwohls und der Managementeffizienz sowie der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) im Fokus. Die hier aufgezeichneten Themen werden wir auf Geflügelnews demnächst vertiefen!

Peter Jürgens, Geschäftsführer der Zentrale Koordination Handel-Landwirtschaft (ZKHL)

Herkunftskennzeichnung wird Pflicht – was sich 2026 ändert

Ein zentrales Thema war auch die Herkunftskennzeichnung. Peter Jürgens, Geschäftsführer der Zentrale Koordination Handel-Landwirtschaft (ZKHL), stellte das 5xD-System vor und erläuterte dessen Bedeutung für Erzeuger und Verbraucher. Ziel sei eine nachhaltige Stärkung der gesamten Lieferkette, mehr Transparenz und eine bessere Sichtbarkeit deutscher Agrarerzeugnisse im Markt.

Ein Meilenstein steht 2026 bevor: Ab dem 1. Januar tritt das 5xD-System in Kraft. Es verpflichtet dazu, dass alle fünf Produktionsschritte – von der Brutei-Einlage über den Schlupf und die Aufzucht bis hin zur Legehennenhaltung und Ei-Verpackung – vollständig in Deutschland erfolgen. Besonders wichtig für Eiererzeuger: Schon jetzt müssen dafür Junghennen eingestallt werden, die nachweislich in Deutschland geschlüpft sind.

Nach Definition der ZKHL und des Zentralverbands der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG) umfasst „Schlupf in Deutschland“ auch die Einlage, Brut und damit auch die Geschlechtsbestimmung in Deutschland. Das bedeute eine klare Absage an den so genannten „kleinen Grenzverkehr“, so Jürgens. Die Kontrolle über das Herkunftszeichen übernimmt künftig der Verein für kontrollierte alternative Tierhaltungsformen (KAT).

Fazit: Zuversicht mit Augenmaß

Die diesjährige Tagung zeigte: Die Legehennenbranche blickt mit vorsichtigem Optimismus in die Zukunft. Markt und Verbraucher setzen positive Impulse – zugleich erfordern neue gesetzliche Vorgaben und gesellschaftliche Erwartungen Anpassungsfähigkeit und Weitsicht. Die Vortragstagung in Kloster Nimbschen bestätigte ihren Ruf als praxisnahes und zukunftsorientiertes Forum – und als wertvoller Treffpunkt für alle, die sich für eine zukunftsfähige Legehennenhaltung engagieren.

Text:
Cordula Moebius

Cordula Moebius

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Bild: Cordula Möbius

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