Stammtisch Lohmann Deutschland: Tipps für ein erfolgreiches langes Hennenleben
Der Trend zu einer längeren Haltung der Legehennenherden hält auch in Deutschland unvermindert an. Was die Zucht hierfür tut und was man im Betrieb tun kann, damit das gut gelingt, erfuhren Hennenhalterinnen und Hennenhalter beim Stammtisch von Lohmann Deutschland in Wietmarschen.
Mit den fachlichen Themen rund um eine längere Haltungsdauer von Legehennen lag Lohmann Deutschland richtig beim Stammtisch-Treffen in Wietmarschen (Grafschaft Bentheim): Über 100 Legehennenhalter begrüßte Geschäftsführer Tobias Ferling.
„Eine 100-Wochen-Haltung der Herden wird zur Normalität“, sagte er zu Beginn seines Vortrags. Daraus resultiert, dass auf die Aufzucht der Tiere besonderes Augenmerk gelegt werden muss, hier wird der Grundstein gelegt für eine lange und erfolgreiche Haltung einer Herde. Und die Aufzucht ist nicht mit dem Umstallen in den Legebetrieb beendet – sie dauert bis etwa zur 30. Lebenswoche, solange wächst die Junghenne. In seinem Vortrag nannte Ferling einige Stellschrauben für die erfolgreiche verlängerte Aufzucht im Legebetrieb.
Tobias Ferling, Geschäftsführer Lohmann Deutschland
Auf das richtige Futtermanagement kommt es an
Dazu gehört vor allem das Futtermanagement. Nicht alle Junghennen haben bei Einstallung in den Legebetrieb ihr Gewichtssoll erreicht. Neben dem Körpergewicht ist die Uniformität der Herde genauso wichtig. Bei zum Beispiel zehn Prozent zu leichten Tieren bei Einstallung heißt das, dass diese mitgenommen werden müssen. Dazu braucht es ein gutes Futter, aber speziell das Instrument der Blockfütterung lasse sich nutzen, damit die leichten (=schwachen) Tiere eine vollwertige Ration bekommen. Die Kunst liege darin, so Ferling, den richtigen Zeitpunkt für einen zweiten Futterumlauf nach der Kernfütterung abzupassen, an dem die starken Tiere noch satt sind. In der Regel sei ein Abstand von 30 bis 45 Minuten passend, so Ferling: „Dann bekommt man Uniformität hin“.
Als zweiten wichtigen Ansatzpunkt nannte er die Lichtsteuerung. Er empfahl den Legebetrieben, bei normalen Herden zügig in die Lichtstimulation zu gehen. - ab der 17. Woche schon eine Stunde dazu, in der 18. Woche sowie 19. Woche jeweils noch eine Stunde. Diese sollten zunächst hinten angehängt werden, erst danach sollte das Licht morgens verlängert werden. Für weiße Hennen reichten in der Regel sogar 14 Stunden, 16 Stunden Licht brauche es nicht – anders als bei braunen Hennen.
Ferling riet außerdem, schon ab der 17. Woche mit dem Nesttraining zu beginnen und etwa die Eierbänder schon laufen zu lassen, damit sich die Tiere daran gewöhnen.
Jörg Heier, Geschäftsführer Lohmann Breeders
Deutlich mehr Reinzuchtherden für mehr Zuchtfortschritt
Auch in der Zucht ist die längere Nutzungsdauer der Legehennenherden längst wichtiges Thema. Laut Aussage von Jörg Heier, Geschäftsführer von Lohmann Breeders, werden die Lohmann Reinzuchttiere inzwischen 118 Wochen gehalten. „Und es soll noch weiter nach oben gehen – ohne Legepause“, informierte er auf dem Stammtisch-Treffen.
Nicht zuletzt auch für das Zuchtziel Langlebigkeit hat das Zuchtunternehmen kräftig investiert in den vergangenen zehn Jahren: Bis dahin gab es nur Reinzuchttiere in Deutschland und Dänemark, inzwischen sind Standorte in Schottland, Kanada und Spanien hinzugekommen. Die Anzahl Reinzuchttiere wurde mehr als verdreifacht für einen besseren genetischen Fortschritt. Und Jörg Heier kündigte weitere Investitionen an: Zusätzliche Reinzuchtbestände sollen künftig verstärkt in praxisüblichen Haltungsformen stehen. Ein wichtiges Kriterium bei der Langlebigkeit: Am Anfang soll es nicht zu viele S-Eier geben und am Ende möglichst wenig L-Eier. Als ein anderes wichtiges Zuchtkriterium nannte er die Nestgängigkeit. Auch vor dem Hintergrund, dass gute Arbeitskräfte immer schwerer zu finden seien, spiele dieses Merkmal eine wichtige Rolle.
Ganz klar sprach sich Jörg Heier in Wietmarschen für die legebetonten Linien als Huhn der Zukunft aus. Das gelte nicht nur für Deutschland. Die Forderung nach Nachhaltigkeit, Flächenknappheit etc. sprächen eindeutig dafür: „Das sagen wir auch auf politischer Bühne“, betonte er. Das Zweinutzungshuhn werde natürlich auch weiter züchterisch entwickelt, werde seines Erachtens aber eine Nische bleiben.
Ein nettes Give-away gab es auch beim Stammtisch von Lohmann-Deutschland.
Split-Feeding: Mehr und länger sortierfähige Eier
Ein Problem, wenn Legehennen sehr lange gehalten werden, ist oft die schlechter werdende Eischalenqualität zum Ende. Über das sogenannte Split-Feeding kann man gegensteuern und ggf. länger sortierfähige Eier erzeugen. Das spezielle Fütterungskonzept stellte Albert Dijkslag vom Futtermittelhersteller For Farmers vor.
Beim Split-Feeding, das etwa ab der 30. Lebenswoche zum Einsatz kommt, erhalten die Hennen zwei getrennte Futter am Tag: Das Morgenfutter hat einen erhöhten Energie- und Proteingehalt mit weniger Calcium. Das Mittagsfutter mit einem erhöhten Calciumgehalt und abgesenktem Energie- und Proteingehalt soll die Schalenbildung unterstützen, die vor allem nachts stattfindet.
Nötig ist für das Split-Feeding ein zweites Futtersilo je Stall, eine Silo- oder Durchlaufwaage und eine automatische Futterumstellung zur exakten Fütterung der beiden Rationen. Sie muss einwandfrei funktionieren. Sehr wichtig sei, so Albert Dijkslag, den richtigen Zeitpunkt für den täglichen Futterwechsel zu finden. Das Split-Feeding eignet sich gut für Familienbetriebe.
Text:
Christa Diekmann-Lenartz
Aufgewachsen auf einem landwirtschaftlichen Betrieb in der intensiven Tierhaltungsregion Weser-Ems (und Studium der Agrarwissenschaften). Seit vielen Jahren berichtet sie darüber, was sich im Bereich Geflügel tut - mit Schwerpunkt Niedersachsen.
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Lohmann Deutschland, Christa Diekmann-Lenartz
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