Vogelgrippe in Polen: Regierung verschärft Maßnahmen im Geflügelsektor

30 April 2025
Biosicherheit
Vogelgrippe

Polens Regierung verschärft die Maßnahmen gegen Vogelgrippe und Newcastle-Krankheit, um die Geflügelwirtschaft vor weiteren Verlusten zu schützen und strukturelle Risiken zu minimieren.

Polens Regierung setzt auf striktere Biosicherheitsmaßnahmen

Polens Landwirtschaftsminister Czesław Siekierski hat angekündigt, die verschärften Maßnahmen zur Bekämpfung der Vogelgrippe mit voller Härte umzusetzen. Wie er auf dem Europäischen Wirtschaftskongress in Kattowitz erklärte, sind die für 2025 vorgesehenen 500 Millionen Złoty (rund 115 Millionen Euro) für Biosicherheitsmaßnahmen bereits aufgebraucht. Angesichts knapper Mittel und hoher wirtschaftlicher Verluste durch die Seuche sagte Siekierski deutlich: „So kann es nicht weitergehen.“

EU-Vorgaben und Branchenkritik: Geflügelhalter im Zwiespalt

Die polnische Geflügelwirtschaft steht unter großem Druck. Laut Siekierski verpflichtet ein deutliches „Warnsignal“ der EU-Kommission die Branche dazu, den Kampf gegen die Ausbreitung der Hochpathogenen Aviären Influenza (HPAI) zu intensivieren. Bereits verhängte Exportbeschränkungen konnten nur durch strengere Auflagen abgewendet werden, die nun konsequent umgesetzt werden müssten. Stimmen aus der Branche, die deren Notwendigkeit infrage stellten, wies der Minister entschieden zurück. Moderne Tierhaltung erfordere heute Bedingungen, die nahezu denen eines Labors entsprächen.

Kritik an industrieller Tierhaltung und fehlendem Risikobewusstsein

Kritisch äußerte sich Siekierski zudem zur hohen Konzentration der Tierproduktion, insbesondere beim Geflügel. Der gesunde Menschenverstand sei dabei oft verloren gegangen, so der Minister weiter. Hinzu komme, dass der Klimawandel neue Krankheiten und Bedrohungen fördere, was zusätzliche Maßnahmen erforderlich mache.

Auch Paweł Podstawka, Vorsitzender des Verbandes der Geflügelzüchter und Eierproduzenten, unterstützt eine entschlossene Reaktion. Die Branche müsse dringend handeln und eigenes Verhalten überdenken, um die Ausbreitung der Seuche zu stoppen. Unverantwortliches Handeln einzelner dürfe nicht weiter zu kollektiven Verlusten führen, so Podstawka.

Podstawka betonte außerdem, dass die neuen Vorgaben der EU nicht einseitig beschlossen worden seien. Es habe Gespräche gegeben, bei denen die Vorschläge der Branche berücksichtigt wurden. Die Verhandlungen in Brüssel führte Polens oberster Veterinär, Krzysztof Jażdżewski. Dies belege, dass Dialog mit der EU möglich und wirksam sei.

Hohe Verluste durch Vogelgrippe: 11,5 Millionen Tiere getötet

Die Situation in Polen ist ernst: Nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums gab es bis Ende April bereits 82 bestätigte HPAI-Ausbrüche in kommerziellen Geflügelhaltungen. Besonders betroffen ist die Woiwodschaft Großpolen mit 41 Fällen, gefolgt von Masowien mit 21. Insgesamt wurden rund 11,5 Millionen Tiere getötet – 7,5 Millionen direkt in betroffenen Betrieben, 4 Millionen im Rahmen präventiver Keulungen.

Impfpflicht gegen Newcastle-Krankheit beschlossen

Neben der Vogelgrippe bereitet auch die Newcastle-Krankheit Sorge. In diesem Jahr wurden 23 Ausbrüche auf landwirtschaftlichen Betrieben festgestellt. Am 26. April unterzeichnete Minister Siekierski eine Verordnung, die unter anderem eine Impfpflicht für Hühner und Puten in Zuchtbetrieben und Brütereien vorsieht.

Geflügelnews
Bild: AdobeStock_Franciszek
Quelle: AgE

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