Stabiles Klima im Hähnchenstall: Neues Stallkonzept spart Energie und schützt Tiere
Im Rahmen eines Forschungsprojektes wurde das Stallklima in einem Hähnchenmaststall stabilisiert. Dadurch konnten das Tierwohl verbessert und die Energiekosten verringert werden. Die Technik ist nun praxisreif.
Warum das Stallklima in der Hähnchenmast so problematisch ist
Herkömmliche Hähnchenmastställe bestehen in der Regel aus einer einwandigen Außenhülle. Das durch Unterdruck erzeugte Stallklima ist dadurch oftmals wenig stabil, da Lecks in der Außenhülle die Klimaführung negativ beeinflussen. Gaskanonen, die in den ersten Tagen nach dem Einstallen zum Einsatz kommen, können den Unterdruck zusätzlich destabilisieren, wodurch in der Folge kalte Luft in den Tierbereich fällt. Eine Unterkühlung der Tiere sowie zunehmend feuchte Einstreu können die Folge sein. Mit entsprechend negativen Auswirkungen auf das Tierwohl und die Tiergesundheit.
Umbau für mehr Tierwohl: So funktioniert das neue Stallkonzept
Im Rahmen des Forschungsprojekts „Broilermaststall 2023“ haben die Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo), der Stalleinrichter Stalltuning und zwei niedersächsische Hähnchenmastbetriebe nach Lösungen für ein stabiles Stallklima gesucht. Dafür wurde ein konventioneller 30.000er Maststall mit einer doppelten Stallhülle im Stallinneren ausgestattet. Der dadurch entstandene Hohlraum zwischen den beiden Hüllen sorgt für eine bessere Isolierung des Stalles. Zudem ist das Stallinnere so besser vor dem Eindringen von Insekten geschützt.
Zusätzlich wurden die Lüftung und die Lüftungssteuerung angepasst. Durch dieses neuartige Gebäude sollte ein optimales konstantes Stallklima für die Tiere hergestellt werden. 2022 waren die Umbaumaßnahmen abgeschlossen und bis zum Projektende im April 2025 wurden insgesamt zehn Mastdurchgänge durchgeführt und ausgewertet. Parallel dazu wurden in einem herkömmlichen Kontrollstall ebenfalls zehn Durchgänge untersucht, um einen direkten Vergleich ziehen zu können.
Die an der Decke montierten Dunkelstrahler sparen Energie und erwärmen die Tiere mittels Infrarot.
Neue Lüftung spart Energie und verbessert das Stallklima
Wie die Lüftung in dem umgebauten Stall funktioniert, erklärt TiHo-Projektkoordinatorin Dr. Stephanie Schäfers: „Wir haben einen zentralen Zuluftkanal an die Querseite des Stalles gebaut. Dort wird die Luft vorbehandelt und im Winter mit Wärmetauschern erwärmt, im Sommer mit einer Pad-Kühlung gekühlt. Die Luft gelangt dann über eine Rieseldecke in den Stall und verlässt ihn durch einen zentralen Abluftkanal.“ Für die ersten fünf Durchgänge wurde die Lüftung standardmäßig geführt, bei den anderen fünf Durchgängen wurde die Lüftung proaktiv gesteuert. Dafür hat Stephanie Schäfers anhand des Futterverbrauchs der Tiere jeweils zwei Tage im Voraus berechnet, wie hoch die Kohlendioxid- und die Ammoniakwerte im Stall sein werden und die Lüftung entsprechend eingestellt.
In beiden Fällen konnten deutliche Unterschiede im Vergleich zum Kontrollstall festgestellt werden. „In dem umgebauten Stall konnten wir den Gasverbrauch verringern und somit viel Energie einsparen“, sagt Stephanie Schäfers. „Dadurch, dass wir die Sprühkühlung kaum einsetzen mussten, hat sich auch der Wasserverbrauch reduziert.“ Die Einsparungen waren im Falle der proaktiven Lüftung noch einmal größer als bei der Standard-Lüftung. In der Folge reduzierten sich die Energiekosten des beteiligten Landwirts erheblich.
Etwa 90.000 Euro hat der komplette Umbau inklusive Stallhülle und Lüftung gekostet. Ein Drittel davon wurde im Rahmen des Forschungsprojektes von der EU übernommen, den Rest hat der Landwirt selbst bezahlt. Durch den verringerten Energiebedarf von etwa 20 % haben sich diese Kosten jedoch bereits jetzt schon amortisiert.
Fußbodenheizung statt Gaskanone: Wärme gezielt einsetzen
Anstelle von Gaskanonen kamen eine Fußbodenheizung sowie Dunkelstrahler zum Einsatz. Die Infrarotstrahlung der Dunkelstrahler durchdringt die Luft verlustfrei und wird erst beim Auftreffen auf einen Körper in Wärme umgewandelt. Durch entsprechende Anordnung von Geräten im Stall können sowohl die gesamte Stallfläche als auch lediglich einzelne Zonen erwärmt werden. Dies bietet den Vorteil, dass die Wärme nur im benötigten Bereich zugeführt wird. Im Gegensatz zum Einsatz von Gaskanonen muss somit nicht die gesamte Raumluft gleichmäßig erwärmt werden.
Deutliche Veränderungen wurden auch bei der Tiergesundheit festgestellt. So traten bei den Tieren im umgebauten Stall signifikant weniger Fußballen- und Fersenhöckerveränderungen als im Kontrollstall auf. Weitere Unterschiede, wie eine verbesserte Futteraufnahme oder ein geringerer Einsatz von Antibiotika wurden nicht festgestellt. Auch beim täglichen Arbeitsaufwand ergeben sich keine Unterschiede im Vergleich zu einem herkömmlichen Stall.
Kosten und Amortisation: Lohnt sich der Umbau für Landwirte?
„Grundsätzlich kann jeder geschlossene Maststall relativ einfach nachgerüstet werden“, sagt Koordinatorin Stephanie Schäfers. Die Kosten belaufen sich dabei auf ungefähr 60.000 bis 100.000 Euro, wobei sich die Investition durch die Energieeinsparungen nach etwa drei Jahren amortisiert haben sollten. Der am Projekt beteiligte Landwirt ist von seinem neuen Stallkonzept so begeistert, dass er bereits dabei ist, einen zweiten Stall umzubauen.
Land und Forst / Leonie Jost, Stephanie Schäfers
Bild:
Stephanie Schäfers
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