Nachhaltiger Dünger wird knapp. Ist Geflügelmist die Lösung?
03 September 2025
Niederlande
Rob den Ouden und Timo Rovers mit FertiPlus: organische Düngerkörner aus trockenem Geflügelmist.
Die Nachfrage nach organischem Dünger wächst weltweit rasant. Besonders Geflügelmist hat sich zum wertvollen Rohstoff entwickelt – vorausgesetzt, er wird richtig getrocknet. Das niederländische Unternehmen Den Ouden GrowSolutions verarbeitet jährlich über 90.000 Tonnen Geflügelmist zu hochwertigen Pellets, die international als nachhaltige Alternative zu Kunstdünger gefragt sind.
Die Welt verlangt nach nachhaltigen Alternativen zu Kunstdünger. Ein unscheinbarer Rohstoff könnte dabei zur Goldgrube werden: Geflügelmist. In den Niederlanden zeigt das Familienunternehmen Den Ouden GrowSolutions, wie aus Mist ein gefragtes Exportprodukt wird. Jährlich werden dort mehr als 90.000 Tonnen Mist zu hochwertigen Pellets verarbeitet, die weltweit Absatz finden – von Europa über Japan bis nach Afrika.
Mistmanagement entscheidet über den Erlös
„Je trockener der Mist, desto besser“, sagt Geschäftsführer Rob den Ouden von Den Ouden GrowSolutions. Das bringt direkt Geld ein und entspricht perfekt der wachsenden Nachfrage nach nachhaltigen, organischen Düngemitteln.“ Der Feuchtigkeitsgehalt sei für den Handel entscheidend, sagt Den Ouden. „Am liebsten haben wir Gülle mit mehr als 70 Prozent Trockensubstanz”, sagt Rovers. Eine konstante Qualität der Gülle über das ganze Jahr hinweg ist wichtig. Das Endprodukt, die Granulate, müssen natürlich von gleichbleibender Qualität sein.
Geflügelhalter werden auf der Grundlage des Trockensubstanzgehalts bezahlt. Je trockener der Mist, desto höher der Bonus.
Kurz zusammengefasst bedeutet das:
- Über 70 % Trockensubstanz bringt hohe Preise.
- Ungetrockneter Mist eignet sich nicht für Pelletierung.
- Stallmanagement, Fütterung und Klima haben großen Einfluss auf die Qualität.
Für deutsche Geflügelhalter bedeutet das: Wer in Trocknungstechnologie oder durchdachtes Stallmanagement investiert, kann aus einem Nebenprodukt eine wertvolle Einnahmequelle machen.
Rechts der Trockner, links die Pelletiermaschinen zur Herstellung der Mistpellets.
Nachhaltiger Dünger im Aufwind
Die Vorteile von Geflügelmistpellets gegenüber Kunstdünger sind für Den Ouden klar belegt: Sie verursachen rund 80 Prozent weniger CO₂-Emissionen, verbessern die Bodenstruktur und Wasserspeicherfähigkeit und fördern durch Huminsäuren und Fulvinsäuren das mikrobielle Leben im Boden. Hinzu kommen stabile NPK-Gehalte und wertvolle Spurenelemente, die Pflanzen zuverlässig versorgen. Gerade in Deutschland, wo Nachhaltigkeit, Klimaschutz und Kreislaufwirtschaft immer stärker gefordert werden, könnte dies ein starkes Argument für Landwirte und Vermarkter sein.
Dass das Konzept funktioniert, zeigt das niederländische Unternehmen eindrucksvoll. Unter der Marke FertiPlus bringt es jährlich rund 90.000 Tonnen Geflügelmistgranulat in den Markt – teils selbst produziert, teils in Kooperation mit Geflügelhaltern.
Praxis: Vom Stall zur Pelletfabrik
Das Unternehmen Den Ouden GrowSolutions verarbeitet überwiegend Legehennenmist und setzt dabei auf langjährige Partnerschaften mit Geflügelhaltern. Masthähnchenmist wird über den Handel zugekauft. Die Abholung erfolgt meist mit sogenannten Walkingfloors, einem flexiblen Transportsystem; bei Containern gibt es feste Abholpläne. Die Container werden nach jedem Einsatz gründlich gereinigt und desinfiziert. Rund 80 % des gelieferten Mists stammt aus Brabant, dem Achterhoek, der Veluwe und Limburg.
Qualität durch Trockenheit und Management
Verarbeitet werden kann Mist aus allen Haltungsformen – entscheidend ist jedoch der Trockensubstanzgehalt. „Je trockener, desto besser“, erklärt auch Einkäufer Timo Rovers. Ob über Misttrockner oder gezieltes Stallmanagement – wer Fütterung, Einstreu, Wasserverhältnisse und Klima im Blick behält, kann die Qualität steigern und damit den Erlös erhöhen.
Vom Mist zum Pellet
In Helmond läuft der Prozess nach festen Schritten ab: Nach der Anlieferung zwischen 7 und 17 Uhr wird der Mist zunächst in einer geschlossenen Halle homogenisiert und innerhalb von vier Tagen auf über 70 % Trockensubstanz gebracht. Anschließend durchläuft er mehrere Bunker, in denen er kompostiert wird. So entsteht ein stabiles Produkt: Aus zwei Kilogramm Rohmist werden etwa 1,5 Kilogramm Dünger. Danach geht es in die Trocknungsanlage, wo der Mist in 15 bis 20 Minuten bei 180 °C auf mindestens 88 % Trockensubstanz gebracht und anschließend hygienisiert wird. Hammermühle und Presse formen daraus 3,5 bis 5 Millimeter große Pellets, die je nach Bedarf auch zerkleinert werden können.
Rückverfolgbarkeit als Qualitätsmerkmal
Die fertigen Produkte werden als lose Ware, in Säcken oder Eimern ausgeliefert. Jede Charge ist durchgängig rückverfolgbar – ein Aspekt, der insbesondere im Obst- und Gemüsebau stark nachgefragt wird.
Der Geflügelmist verbleibt vier Tage lang in der Halle und wird zu 70 Prozent Trockensubstanz umgewandelt.
CE-Zulassung erleichtert Export
Als einziger Hersteller in den Niederlanden verfügt Den Ouden über eine CE-Kennzeichnung für organische Düngemittel. Damit dürfen die Pellets frei in der gesamten EU gehandelt werden. Das CE-Zeichen zeigt, dass das Produkt den europäischen Rechtsvorschriften für Sicherheit, Gesundheit und Umwelt entspricht. Den Ouden: „Eine CE-Zulassung erleichtert den Handel in Europa erheblich.”
In den letzten Jahren stellt die politische Instabilität eine Herausforderung dar. Den Ouden erklärt: „Unser größter Absatzmarkt ist Südostasien. Dieser Export ist in den letzten Jahren riskanter geworden, da die übliche Seeroute über das Rote Meer unsicher ist, was zu höheren Kosten, längeren Transitzeiten und möglichen Störungen führt. Im Suezkanal hatten wir bei der Sperrung im Jahr 2021 ebenfalls 6.000 Tonnen Düngerpellets liegen. Das macht nicht gerade glücklich.“
Internationale Netzwerke – Vorbild für deutsche Betriebe
Ob in Japan, Kambodscha oder Afrika – Den Ouden arbeitet eng mit lokalen Geflügelhaltern und Exporteuren zusammen. Die Geflügelmistpellets „Made in Holland“ stehen dabei weltweit für Qualität und haben dem Unternehmen in über 35 Jahren Geschäftstätigkeit ein stabiles internationales Netzwerk verschafft. Der Markteintritt folgt meist einem klaren Muster: Zunächst wird ein Importeur gefunden, der über Kontakte und finanzielle Mittel verfügt. Dieser beliefert Händler, die wiederum lokale Vertriebsstellen versorgen – vergleichbar mit einem Bauernverband. Dort holt der Landwirt schließlich ein paar Säcke Dünger ab, manchmal buchstäblich auf dem Moped. Die größte Herausforderung besteht darin, diesen letzten Schritt bis zum Endnutzer zuverlässig zu sichern.
Dank dieser Strategie hat sich Den Ouden weltweit eine starke Marktposition aufgebaut, die nun mit einem erweiterten Sortiment weiter gefestigt werden soll. Zwar wächst die lokale Produktion von Hühnermistpellets in vielen Ländern und schafft zusätzliche Konkurrenz, doch kontinuierlich hohe Qualität und der Markenwert „Made in Holland“ öffnen nach wie vor viele Türen. Ein Wunsch bleibt: Dass der Einsatz von nachhaltigen Düngemitteln künftig auch offiziell mit Nachhaltigkeitspunkten honoriert wird.
Fazit: Geflügelmist als Wirtschaftsgut der Zukunft
Geflügelmist hat sein Image als Abfall längst abgelegt – er ist heute ein wertvolles Wirtschaftsgut mit internationalem Marktpotenzial. Für deutsche Geflügelhalter eröffnet sich damit die Chance, durch gezielte Trocknung und Pelletierung zusätzliche Erlöse zu erzielen und zugleich die Nachhaltigkeit ihrer Betriebe zu stärken. Organische Düngerpellets punkten nicht nur mit einem deutlich geringeren CO₂-Fußabdruck, sondern auch mit wachsender Nachfrage in Europa und weltweit.
Geflügelnews
Bild:
Ellen Meinen
Quelle:
Monique van Loon
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