EFSA-Bericht: Putenhaltung in Europa braucht neue Standards

05 Februar 2026
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Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat eine umfassende wissenschaftliche Bewertung zur Putenhaltung vorgelegt. In ihrer Stellungnahme identifiziert sie zentrale Probleme wie Überbelegung, Lahmheit, Fußballenentzündungen, Federpicken und Hitzestress. Zugleich formuliert die EFSA konkrete Empfehlungen für die Überarbeitung der EU-Tierschutzgesetzgebung.

EFSA warnt vor Tierwohlproblemen in der Putenmast

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat erstmals umfassend untersucht, wie es Puten in der landwirtschaftlichen Haltung geht. Für Puten existiert bislang keine eigene EU-Regelung. Derzeit gilt lediglich die allgemeine Tierschutzrichtlinie 98/58/EG.

Überbelegung, nasse Einstreu und schlechte Luft belasten Tiere

Die EFSA identifizierte 19 zentrale Punkte, die das Wohlbefinden von Puten beeinträchtigen können. Dazu zählen Bewegungseinschränkungen, Erkrankungen des Bewegungsapparates, Haut- und Gewebeschäden sowie Stress durch Hitze oder Kälte. Besonders häufig spielten laut EFSA folgende Faktoren eine Rolle:

  • zu hohe Besatzdichten
  • feuchte und verdichtete Einstreu
  • fehlende Beschäftigungsmöglichkeiten
  • schlechte Luftqualität
  • extreme Temperaturen
  • Herdenausdünnung („Flock thinning“)

Auch in Zuchtbetrieben sieht die EFSA Probleme, etwa wenn zu wenige Nester zur Verfügung stehen.

EFSA berechnet Mindestplatzbedarf neu

Ein zentrales Element der Stellungnahme der EFSA ist ein neues „Verhaltensraum-Modell“. Damit schätzte die EFSA, wie viel Platz Puten brauchen, um natürliche Verhaltensweisen auszuleben – etwa Flügelschlagen, Staubbaden oder Balzverhalten.

Das Ergebnis: Die Tiere benötigen deutlich mehr Fläche als in vielen Betrieben üblich.

  • Puten mit 7 Kilogramm Gewicht: mindestens 0,49 m²
  • Puten mit 25 Kilogramm Gewicht: mindestens 0,82 m²

Nach EFSA-Angaben reicht das derzeitige Platzangebot oft nicht aus, um solche Verhaltensweisen zu ermöglichen.

Behörde fordert mehr Struktur im Stall

Neben mehr Platz empfiehlt die EFSA vor allem Verbesserungen in der Stallumgebung. Puten sollen auf trockener, lockerer Einstreu leben und jederzeit Futter und Wasser erreichen können.

Außerdem rät die Behörde zu mehr Struktur im Stall. Erhöhte Plattformen und geeignetes Beschäftigungsmaterial sollen dazu beitragen, dass die Tiere picken, scharren und erkunden können. Das senkt auch das Risiko für aggressives Verhalten.

Schmerzhaften Eingriffen soll ein Ende gesetzt werden

Deutlich positioniert sich die EFSA gegen das Kürzen des Schnabels, das Entfernen des Hautanhangs am Schnabel („Snood“) und das Kürzen der Zehen. Diese Eingriffe sollen nach Empfehlung der Behörde schrittweise auslaufen. Stattdessen müsse die Haltung so gestaltet werden, dass solche Maßnahmen überflüssig werden.

Zucht soll weniger auf Gewicht, mehr auf Gesundheit setzen

Auch die Zucht nimmt die EFSA ins Visier. Bisher dominieren schnelle Gewichtszunahme und hohe Endgewichte. Die Behörde fordert jedoch ein Umdenken: Züchter sollen stärker auf robuste Tiere achten, die besser laufen können und weniger an Beinproblemen leiden.

Schlachthöfe sollen Tierwohl systematisch erfassen

Um die Haltungsbedingungen besser zu kontrollieren, empfiehlt die EFSA bestimmte Messgrößen, die Schlachthöfe erfassen sollen. Dazu gehören:

  • Fußballenentzündungen
  • Sterblichkeit
  • Gefiederschäden
  • Wunden
  • Brustblasen
  • Schlachtkörper-Verwerfungen

Diese Daten könnten Hinweise liefern, wie es den Tieren während der Mast erging.

Forschungslücken bleiben – trotz hoher Sicherheit

Die EFSA betont, dass viele Aussagen gut abgesichert sind. Dennoch fehlen Daten, etwa zur optimalen Gruppengröße, zur besten Lichtintensität oder zur idealen Menge an Beschäftigungsmaterial.
Auch bei der Frage, wie viele Nester Zuchthennen tatsächlich brauchen, sieht die Behörde weiteren Forschungsbedarf.

EFSA-Empfehlungen könnten neue EU-Regeln vorbereiten

Die Stellungnahme dient der Europäischen Kommission als wissenschaftliche Grundlage für mögliche neue Vorschriften. Sollte die EU künftig spezielle Regeln für Puten erlassen, könnten die EFSA-Empfehlungen den Rahmen setzen: mehr Platz, weniger Stress, weniger Eingriffe.

Geflügelnews
Bild: ZDG
Quelle: EFSA

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