In Großbritannien kehren mehrere internationale Restaurantketten der zentralen Tierschutz-Initiative „Better Chicken Commitment“ den Rücken. Sie verabschieden sich vom Versprechen, nur noch langsam wachsende Hühnerrassen zu verwenden. Die Branche begründet den Schritt mit Klimazielen, Kostendruck und steigender Nachfrage. Tierschützer halten dagegen und sprechen von einem Kurswechsel zulasten der Tiere.
Acht Gastro-Gruppen steigen aus
Die britische BBC meldet, dass sich acht Restaurantgruppen aus der „Better Chicken Commitment“ (BCC) zurückziehen. Zu ihnen zählen unter anderem KFC sowie die Eigentümer von Burger King und Nando’s. Auch Marken wie Popeyes, Wingstop und Wagamama gehen diesen Schritt.
Die Unternehmen hatten zugesagt, keine schnell wachsenden Hühner mehr einzukaufen. Diese Selbstverpflichtung gilt nun nicht mehr. Stattdessen treten die Restaurantketten dem „Sustainable Chicken Forum“ (SCF) bei, einem branchengetragenen Zusammenschluss.
KFC hatte bereits 2024 angekündigt, am Einkauf schnell wachsender Zuchtlinien festzuhalten. Mit dem vollständigen Ausstieg aus der BCC besiegelt die Kette nun diesen Kurswechsel. Nach Angaben der BBC deckt das Unternehmen rund vier Prozent des britischen Hühnerfleischmarktes ab.
Branche verweist auf Klima und Versorgung
Der britische Branchenverband UKHospitality verteidigt den Schritt. Langsamer wachsende Rassen verursachten höhere Treibhausgasemissionen, argumentiert der Verband. Die Tiere benötigten mehr Futter, mehr Zeit und mehr Ressourcen. Das Sustainable Chicken Forum wolle Tierwohl und Klimaschutz zusammen denken. Zugleich müssten die Betriebe die stark gestiegene Nachfrage nach Geflügelfleisch bedienen und stabile Lieferketten sichern.
Allen Simpson, Chef von UKHospitality, betont, die Unternehmen arbeiteten weiterhin an besseren Standards für Umwelt und Tierhaltung. Der neue Rahmen sei praktikabler als die bisherigen Vorgaben der BCC.
Ein Branchenvertreter verweist zudem auf ein knappes Angebot. Im Vereinigten Königreich gebe es bislang nicht genug langsam wachsende Bestände, um den Bedarf großer Ketten zu decken.
Tierschützer sprechen von Profitdenken
Tierschutzorganisationen widersprechen scharf. Anima International beispielsweise wirft den Unternehmen vor, allein auf die Kosten zu schauen. Produzenten würden mehr langsam wachsende Rassen aufziehen, wenn Abnehmer verbindliche Verträge abschlössen. Dass das Angebot fehle, liege an der fehlenden Nachfrage – nicht an der fehlenden Möglichkeit.
Auch The Humane League UK kritisiert den Kurswechsel. Die BCC sei auf wissenschaftlicher Grundlage entwickelt worden. Das Sustainable Chicken Forum diene vor allem dazu, Kritik abzuwehren.
Geflügelbranche begrüßt den Schritt
Der British Poultry Council, der Züchter und Verarbeiter vertritt, begrüßt den Ausstieg. Die Branche kämpfe mit hohen Produktionskosten und langwierigen Genehmigungsverfahren. Zusätzliche Auflagen würden die Lage weiter verschärfen.




































Reagieren
Geflügelnews lädt Sie ein, auf Artikel zu reagieren und schätzt Reaktionen mit Inhalt. Die Redaktion behält sich das Recht vor, beleidigende oder kommerziell motivierte Reaktionen ohne Angabe von Gründen zu entfernen.