Künstliche Intelligenz wird in der Geflügelhaltung bereits genutzt, kann Verhalten zuverlässig erkennen, doch Ursachen bleiben oft unklar – eine große Datenbasis und Expertenwissen sind entscheidend.
Junge Geflügelhalter setzen bereits KI im Stall ein
Beim Future Poultry Farming Youth Day, der vor kurzem im niederländischen Lopikerkapel (Provinz Utrecht) stattfand, berichtete etwa ein Drittel der 20 teilnehmenden Jung-Geflügelzüchter, dass sie Künstliche Intelligenz (KI) bereits in ihren Betrieben einsetzen. Ein Beispiel: Ein Züchter nutzt Sensoren an Wasserleitungen, um das Trinkverhalten seiner Masthühner zu überwachen und gesundheitliche Auffälligkeiten frühzeitig zu erkennen.
Mona Giersberg von der Universität Utrecht gewährte in ihrem Vortrag Einblicke in die KI-Entwicklung im Geflügelsektor. Ihr Forschungsschwerpunkt liegt auf Algorithmen, die das Tierwohl durch automatische Verhaltensanalyse überwachen sollen. Modelle für Legehennen seien bereits entwickelt worden, während Masthühner aufgrund ihrer kurzen Lebensdauer bislang außen vor blieben.
QR-Codes auf Hühnern: Wie man KI Verhalten richtig zuordnet
Ein Problem bei der Verhaltensanalyse: Hühner ähneln sich stark und lassen sich schwer individuell erkennen. Die Lösung: QR-Codes auf dem Rücken der Tiere, die eine langfristige Beobachtung durch Algorithmen ermöglichen. Diese können auffällige Gruppenverhalten dokumentieren – etwa bei Rangordnungsproblemen oder bei gesundheitlichen Veränderungen.
Auf Nachfrage erklärte Giersberg, dass KI einige Verhaltensmuster zwar vorhersagen könne, aber oft die Ursache unklar bleibe. „Die KI erkennt Verhalten, aber sie weiß nicht, woher es kommt“, betonte sie. Für zuverlässige Vorhersagen sei eine deutlich größere Datenbasis nötig.
Ein zentrales Beispiel war das sogenannte „Trommeln“ oder „Stapelverhalten“ von Hühnern. Hierfür wurde bereits ein Algorithmus entwickelt, der verschiedene Phasen des Verhaltens erkennt. Die Ursachen – Klima, Haltung und Genetik – bleiben jedoch komplex und schwer zu isolieren. Frühere Ansätze mit Sensoren auf dem Tier wurden verworfen, da sie das natürliche Verhalten störten.
Wer besitzt die Daten? Diskussion um Datenschutz im Stall
Die Nachwuchszüchter zeigten großes Interesse an Fragen des Datenschutzes und der Datennutzung. Wer besitzt die gesammelten Daten und die entwickelten Algorithmen? Laut Giersberg sei die Forschung öffentlich finanziert, also auch öffentlich zugänglich. Allerdings sei technisches Know-how nötig, um einen Algorithmus sinnvoll zu nutzen oder anzupassen.
Tierarzt warnt vor Fehlinterpretationen durch KI
Auch der Umgang mit Kameradaten aus dem Stall war Thema. Laut Giersberg bleibe der Zugang ausschließlich beim Landwirt. Bedenken äußerte ein Tierarzt hinsichtlich möglicher Fehlinterpretationen durch KI – etwa falsche Rückschlüsse auf das Verhalten. Giersberg bestätigte diese Gefahr und hob hervor, dass Expertenwissen bei der Algorithmus-Entwicklung essenziell sei.
KI als Zukunftstool für Tierwohl und Stallmanagement
Am Ende diskutierten die Teilnehmer über Zukunftsperspektiven der KI in der Geflügelhaltung. Ein Teilnehmer erwähnte ein EU-Projekt, das Stallklima-Daten mit Schlachtqualitäten vergleicht. Weitere Ideen bezogen sich auf Fress- und Trinkverhalten. Ein Züchter sagte: Wenn KI das Tierwohl korrekt erfassen könne, wäre eine weitgehende Automatisierung des Stallmanagements denkbar.
Die Teilnehmer waren sich einig: Künstliche Intelligenz kann helfen, Abläufe zu optimieren, ohne die Nähe zum Tier zu verlieren. „Wir arbeiten gerne mit Tieren, aber KI kann vieles vereinfachen und berechenbarer machen“, fasste ein Geflügelhalter zusammen.

































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