Junglandwirt Hoffrogge: In 3. Generation weiter auf Erfolgskurs
Der deutsche Eiermarkt ist lukrativ, aber auch sehr divers. Neben den großen Packstellen haben gerade Familienbetriebe ihre speziellen Nischen in der Vermarktung gefunden – und sind damit sehr erfolgreich. Joost Hoffrogge aus Dötlingen ist 23 Jahre alt und will das im Familienbetrieb in 3. Generation weiterentwickeln.
Junglandwirt in dritter Generation: Verantwortung mit 23 Jahren
Joost Hoffrogge ist Landwirt, der Familienbetrieb Hoffrogge mit 65.000 Legehennen befindet sich in Dötlingen im niedersächsischen Landkreis Oldenburg. Der 23jährige besucht derzeit die zweijährigen Fachschule Agrarwirtschaft in Vechta. Im Frühjahr 2026 hat er dann – wenn alles klappt - den Abschluss „staatlich geprüfter Betriebswirt“ in der Tasche, ist außerdem Meister und hat die Fachhochschulreife.
Zur Schule in Vechta fährt er an drei Tagen die Woche, an den anderen Tagen ist er im Familienbetrieb dabei. Auf dem standen bereits bei seinem Großvater Wilhelm Hoffrogge die Legehennen im Mittelpunkt – anfangs in der damals üblichen Käfighaltung. Die ist heute zumindest in Deutschland bekanntlich lange Vergangenheit.
Joost Hoffrogge plant den Bau eines weiteren Legehennenstalles.
Aktuell gibt es Boden- und Freilandhaltung auf dem Betrieb Hoffrogge. Zum Betrieb gehören außerdem 450 Sauen im geschlossenen System, 475 ha Ackerland, eine Biogasanlage und Photovoltaik „auf allen Dächern“.
Direkt in die Regale: Eier-Vermarktung an 150 Supermärkte
Joosts Vater begann vor etwa 15 Jahren damit, eine Vermarktung der Eier direkt an Supermärkte aufzubauen – zu der Zeit eher noch eine Ausnahme. Der erste Abnehmer war ein Rewe-Markt im benachbarten Wildeshausen. Rewe fing damals an, auf Regionalität zu setzen.
Diesen Kurs fährt Rewe bis heute. Erst kürzlich betonte ein Rewe-Einkaufsleiter auf einer Agrarveranstaltung in Berlin, dass regionale Produkte für das genossenschaftlich organisierte Unternehmen einen hohen Stellenwert haben. Sie bedeuten kurze Lieferwege, stärken den ländlichen Raum und machen unabhängiger von globalen Marktschwankungen.
Auf den Zug Regionalität sind inzwischen auch andere Ketten des Lebensmittelhandels aufgesprungen. So konnten Joosts Eltern nach und nach die direkten Lieferbeziehungen zu Supermärkten in der Region ausbauen. Heute sind es knapp 150 Märkte, die im Radius von etwa 70 km im Dreieck Bremen-Oldenburg-Diepholz mit frischen Eiern beliefert werden.
Zum Betrieb Hoffrogge gehört neben den Legehennen u.a. eine Biogasanlage.
Zusätzlich werden auch Hofläden und Wochenmarkthändler beliefert.
Dabei ist neben Kaufland und Edeka auch die Bünting-Gruppe. Das Familienunternehmen mit Hauptsitz in Leer betreibt im norddeutschen Raum rund 200 Filialen (Famila- und Combi-Märkte) und setzt ebenfalls sehr stark auf regionale Produkte – unter anderem auch bei mehreren Eigenmarken.
KAT- und VLOG-Zertifizierung: Qualität, die Kunden überzeugt
Die Legehennenhaltung auf dem Betrieb Hoffrogge hat heute eine KAT- und eine VLOG-Zertifizierung. Letzteres heißt, dass nur GVO-frei gefüttert wird. Beide Zertifizierungen werden vom Lebensmittelhandel gewünscht. Bei der Preisgestaltung oder anderen Absprachen sieht Joost Hoffrogge ein gutes Miteinander mit den Abnehmern. Dennoch besucht er zwischendurch auch mal den ein oder anderen Markt, um zu schauen, ob die Platzierung seiner Eier „ordentlich“ ist – schließlich konkurrieren seine Eier mit denen anderer Anbieter.
Eine Direktvermarktung ab Hof gibt es nicht – zu arbeitsaufwändig und derzeit nicht nötig, weil der Absatz auch so gut läuft, sagt Joost Hoffrogge.
Gut organisiert sind die Fahrten zu den Supermärkten mit eigenen Fahrzeugen: „Das machen aktuell sehr zuverlässig und in Eigenorganisation sechs Mini-Jobber“, erzählt er. Für die Eiersortierung und -verpackung sind vier bis fünf Teilzeitmitarbeiterinnen angestellt.
Die Bedarfsabfrage bei den Supermärkten erfolgt täglich per Telefon. Hier kann Joost Hoffrogge sich vorstellen, künftig mit einer App zu arbeiten oder ein anderes automatisiertes System einzusetzen.
Bisher wünschen die Kunden vom Betrieb Hoffrogge braune Eier.
Zukunftspläne: Mehr Technik, weniger Personal, neue Ställe
Der junge Landwirt hat, auch wenn derzeit alles sehr gut läuft, natürlich auch eine Weiterentwicklung des Betriebes im Blick. Angedacht ist zum Beispiel eine neue Eiersortiermaschine, durch die eine höhere Leistung mit weniger Personal gefahren werden kann. Gutes Personal sei heute nicht immer einfach zu finden. Eine neue Maschine würde aber eben auch die anstrengenden Arbeiten reduzieren.
Auf längere Sicht hat Joost Hoffrogge den Bau eines weiteren Legehennenstalles ins Auge gefasst. 15.000 Plätze in Freilandhaltung ist die angedachte Größe. Für den Bau kann Joost Hoffrogge ggf. eine AFP-Förderung in Anspruch nehmen. Dabei gibt es für Junglandwirte in Niedersachsen eine bevorzugte Förderung.
Text:
Christa Diekmann-Lenartz
Aufgewachsen auf einem landwirtschaftlichen Betrieb in der intensiven Tierhaltungsregion Weser-Ems (und Studium der Agrarwissenschaften). Seit vielen Jahren berichtet sie darüber, was sich im Bereich Geflügel tut - mit Schwerpunkt Niedersachsen.
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