Die Europäische Union und Indien schließen nach zwanzig Jahren Verhandlungen ein Freihandelsabkommen. Während Europa neue Exportchancen erhält, bleiben sensible Agrarprodukte wie Geflügelfleisch ausdrücklich geschützt. Die EU zieht damit Lehren aus früheren Handelsabkommen.
Geflügelfleisch bleibt außen vor
Geflügelfleisch sowie andere sensible Agrarprodukte fallen nicht unter das Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und Indien. Die Vertragspartner nehmen diese Waren bewusst von der Liberalisierung aus. Damit sichert die EU ihre Landwirte gegen zusätzlichen Wettbewerbsdruck ab.
Lehren aus dem Mercosur-Abkommen
Auf den ersten Blick wirkt das Abkommen wie ein Erfolg für die europäische Landwirtschaft. Die EU-Kommission vermied diesmal, eigene Agrarsektoren als Verhandlungsmasse einzusetzen. Ein Sprecher der Kommission erklärte in Brüssel, mehrere Mitgliedstaaten wollten nun den Agrarteil des Mercosur-Abkommens an das Indien-Modell anpassen.
Bestehende Zölle bleiben bestehen
Die EU hält an ihren aktuellen Zöllen auf besonders empfindliche Produkte fest. Dazu zählen Rind- und Hühnerfleisch, Zucker, Reis, Milchpulver, Honig, Bananen, Weichweizen, Knoblauch und Ethanol. Gleichzeitig öffnet die Union begrenzte Importkontingente für Produkte wie Ziegen- und Schaffleisch, Zuckermais, Trauben, Gurken, getrocknete Zwiebeln sowie Rum aus Melasse und Stärke. In einigen südlichen Mitgliedstaaten stößt das auf Skepsis.
EU pocht auf strenge Standards
Um Marktverwerfungen abzufedern, setzte sich Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen für einen bilateralen Schutzmechanismus ein. Dieser soll im Fall von Störungen rasch greifen. Zugleich machte die EU klar: Alle Importe aus Indien müssen vollständig den europäischen, wissenschaftlich fundierten Standards zum Schutz von Mensch, Tier und Pflanze entsprechen.
Landwirtschaft zeigt sich zufrieden
Die europäischen Dachverbände Copa und Cogeca begrüßen das Abkommen. Sie sehen darin einen ausgewogenen Schritt nach vorn für den Handel mit Agrar- und Lebensmitteln und eine Chance für stabile Wettbewerbsbedingungen.
Neuer Absatzmarkt mit 1,45 Milliarden Menschen
Indien bietet mit rund 1,45 Milliarden Verbrauchern enormes Potenzial für europäische Exporte. Das Abkommen senkt oder streicht Zölle auf ausgewählte Produkte wie verarbeitete Lebensmittel, Olivenöl, Fruchtsäfte, Wein und Spirituosen. Davon profitieren vor allem wettbewerbsfähige Betriebe und landwirtschaftliche Genossenschaften in der EU.
Sorgen in der Textilbranche
Nicht alle Branchen blicken optimistisch nach vorn. Europas Textilindustrie warnt vor einer Flut günstiger Kleidung aus Indien. Auch die mögliche Zuwanderung zahlreicher hochqualifizierter Fachkräfte aus Indien gilt als politisch sensibles Thema.

































Reagieren
Geflügelnews lädt Sie ein, auf Artikel zu reagieren und schätzt Reaktionen mit Inhalt. Die Redaktion behält sich das Recht vor, beleidigende oder kommerziell motivierte Reaktionen ohne Angabe von Gründen zu entfernen.