In der Hähnchenmast werden heute vielfach erhöhte Ebenen im Stall eingesetzt, um das Platzangebot zu erhöhen und/oder mehr Strukturierung zu schaffen. Dementsprechend wurde in den letzten Jahren hierzu viel geforscht. Auf der diesjährigen DLG-Geflügeltagung gab es ein Update und Tipps, was bei der Gestaltung zu beachten ist.
In Deutschland wird ein Großteil der Masthähnchen nach den Kriterien der Initiative Tierwohl (ITW) gehalten. Diese beinhalten bekanntlich ein größeres Platzangebot für die Tiere und eine Strukturierung des Stalles. Eine Möglichkeit, das Platzangebot je Tier in bestehenden Ställen zu vergrößern, sind erhöhte Ebenen. ITW erkennt diese mit einem Anteil von bis zu 10 Prozent der Stallfläche an – bisher allerdings nur, wenn die erhöhte Ebene eine geschlossene Oberfläche ist und eingestreut werden kann. Gitterroste werden nach jetzigem Stand nicht anerkannt von der ITW.
Dr. Julia Malchow ist Wissenschaftlerin am Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) Celle und hat sich mehrfach mit dem Thema erhöhte Ebenen im Masthähnchenstall befasst. Auf der diesjährigen DLG-Geflügeltagung in Celle (Niedersachsen) gab sie einen Überblick über den bisherigen Wissensstand und gab Tipps, was beim Einbau zu beachten ist.
Erhöhte Ebenen grundsätzlich positiv
Grundsätzlich sind die erhöhten Ebenen positiv zu sehen, sie strukturieren die sonst reizarme Haltungsumgebung im Stall, sie unterstützen natürliches Verhalten wie das Aufbaumen und können die Aktivität der Tiere erhöhen. Auf dem Markt sind inzwischen verschiedene Systeme verfügbar, sowohl geschlossene als auch perforierte Varianten. In der Forschung werden Systeme mit untergebautem Kühl-/Heizsystem mittels Wasserleitungen untersucht auf Nutzung sowie Praktikabilität. Hierzu gibt es bisher nur wenige Ergebnisse.
Bisherige Untersuchungen haben gezeigt, dass die erhöhten Ebenen sehr gut angenommen werden, sie werden dabei überwiegend zum Ruhen genutzt. Dr. Julia Malchow stellte in Celle ihre jüngste institutsinterne Untersuchung zum Thema mit einer schnellwachsenden Herkunft vor. Die Tiere hatten Gitterroste bzw. einen eingestreuten Bereich als Untergrund zur Auswahl.
Gitterroste und feste Flächen im Vergleich
Zu Beginn der Mast wurde der eingestreute Bereich deutlich mehr genutzt als die Gitterroste. Im Verlauf der 35 Tage Mast glich sich die Nutzungsstärke tagsüber an. Nachts nutzten ältere Tier den eingestreuten Bereich jedoch deutlich weniger. Dr. Malchow führte mögliche Erklärungen auf, wie etwa dass die Tiere durch das enorme Wachstum selbst viel Wärme entwickeln und deshalb die Gitterroste präferierten. Auf den Gitterrosten kann die Temperaturregulierung ggf. besser durchgeführt werden konnte.
Unbedingt ab Tag 1 im Stall
Aus den bisherigen Erfahrungen resultierend, hatte sie eine Reihe von Empfehlungen für die Gestaltung der erhöhten Ebenen im Hähnchenmaststall. So sollten diese unbedingt ab Tag 1 der Mast zur Verfügung stehen, auch, damit die Tiere diese direkt kennenlernen und nutzen können. Wichtig ist ihres Erachtens, dass die zusätzliche Fläche mindestens 10 Prozent der Stallfläche betragen sollte. Da fast alle Tiere erhöhte Ebenen nutzen, sollten sie ausreichend groß bemessen sein.
Bei Verwendung von Kunststoffgittern sollten keine Gitter aus dem Legehennenbereich verwendet werden, sondern engmaschigere mit Maschenweiten von unter 20x20 mm. Damit höherrangige Tiere nicht den Weg auf die erhöhte Ebene blockieren, weil sie auf den Rampen sitzenbleiben, sollte auf eine ausreichende Anzahl von Rampen geachtet werden. Der Anstiegswinkel sollte unter 30 Grad liegen. Schwerere Tiere nutzen sie sonst weniger oder gar nicht.
LED-Bänder erleichtern Kontrolle
Als optimale Höhe empfahl die Wissenschaftlerin 30 bis 50 cm. So sei eine gute Tierkontrolle unter den erhöhten Ebenen möglich und die Tiere können ungestört von ihren Artgenossen ruhen Bspw. könnte das Anbringen von LED-Bändern unter den erhöhten Ebenen erleichtert ebenfalls die Tierkontrolle. Für eine mittige Anbringung im Stall spricht die einfachere Bedienbarkeit. Für eine Platzierung an der Wand spricht, dass die Tiere dies wohl als geschützteren Bereich wahrnehmen und gerne annehmen.
Wichtig bei den erhöhten Ebenen zu beachten ist der Aspekt Reinigung und Desinfektion. Auf dem Markt gibt es aufgehängte Varianten und Systeme, die rollbar sind. Hier muss man schauen, was für den eigenen Stall am besten passt.
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