Eiervermarktung: Warum bekommt mein Nachbar 100.000 Euro mehr?

25 März 2025
Deutschland
Der Vereinsvorstand: Christoph Hoffrogge, Bernhard Brand und Michael Cloppenburg (v.l.)

Der Vereinsvorstand: Christoph Hoffrogge, Bernhard Brand und Michael Cloppenburg (v.l.)


Das Problem ist bekannt nicht nur bei Hennenhaltern: Der Vermarkter zahlt unterschiedliche Preise für das gleiche Produkt. Bei Verbands-Bioeiern liegt der Unterschied bei bis zu 3,5 Cent je Ei. Bei 12.000 Hennen sind das 100.000 Euro im Jahr. Das wollen Bio-Legehennenhalter aus Niedersachsen nicht mehr akzeptieren.   

Der Ärger ist Bernhard Brand anzumerken. Auf seinem Naturland-Betrieb im niedersächsischen Dersum (Landkreis Emsland) hält er 2 x 6000 Legehennen. Seit 2019 bewirtschaftet er den kompletten Betrieb ökologisch und hat sich dem Naturland-Verband angeschlossen. Vorher hatten seine Eier EU-Bio-Standard.  

Er und einige Naturland-Berufskollegen in der Region hatten festgestellt, dass die Packstellen unterschiedliche Preise zahlten: „Das waren bei Bio-Verbandsware in der Spitze tatsächlich 3,5 Cent pro Ei“. Auch erhielten Naturland-Betriebe in Nordrhein-Westfalen teilweise andere Preise als die Kolleginnen und Kollegen in Niedersachsen. Bei 12.000 Legehennen, der Bestandsobergrenze bei Naturland, ergäben die 3,5 Cent pro Ei hochgerechnet einen Erlösunterschied von 100.000 Euro im Jahr. 

Betriebswirtschaft: Vollkosten deckende Preise im Blick

Um solche Unterschiede künftig zu verhindern, gründeten Bernhard Brand und seine Berufskollegen Christoph Hoffrogge, Spelle, und Michael Cloppenburg, Papenburg, im vergangenen Jahr den Verein „Bio-Legehennen e.V.“ Aktuell hat der Verein 13 Mitglieder mit gut 150.000 Naturland-Legehennenplätzen. 

Zweck des Vereins ist es, so Bernhard Brand, Vollkosten deckende Preise für alle Betriebe zu erzielen. In diesem Sinne wollen sie im Verein Transparenz schaffen, die Mitglieder gut informieren und beraten für ihre Verhandlung mit den Abnehmern. Je größer die gebündelte Menge, umso besser der Informationsaustausch und umso besser die Verhandlungsposition gegenüber dem Abnehmer. In diesem Sinne wirbt der Verein für neue Mitglieder. Ausdrücklich betonen die Gründer von „Bio-Legehennen e.V.“, dass auch Mitglieder anderer Bioverbände herzlich willkommen sind. 

Geflügelexpertin Annette Alpers, Naturland

Halbjährlich Vollkosten für Bioeier berechnen

Unterstützung bei ihrem Vorhaben bekommen die Vereinsgründer von Annette Alpers, Naturland. Sie begrüßt den Ansatz des gemeinsamen Informationsaustausches ausdrücklich. Und von ihrer Seite gibt es nicht nur ideelle Unterstützung: Künftig soll es von ihr mindestens zweimal jährlich eine gemeinsam entwickelte Vollkostenberechnung für Bioeier geben, die den Mitgliedern intern als „Argumentationshilfe“ zur Verfügung gestellt werden soll. 

Die Geflügelexpertin sagte auf der Mitgliederversammlung: „Im vergangenen Winter lag dieser Vollkostenpreis zum Beispiel bei 24 Cent je Naturland-Ei (mit Einpreisung des Bruderhahns)“. Eine mindestens halbjährliche Neuberechnung macht ihres Erachtens nicht allein vor dem Hintergrund sehr volatiler Biofutterkosten Sinn. Kostensteigerungen gibt es aktuell auch in anderen Bereichen, etwa bei den Arbeitskosten. 

Der Preis von Geflügel-Biofutter wird – anders als beim Schweinefutter – nur zu etwa einem Drittel vom Getreidepreis bestimmt, aber zu fast 50 Prozent vom Preis für Ölkuchen. Wie Biofutterhersteller Rudolf Joost Meyer zu Bakum auf der Mitgliederversammlung informierte, liegt das größte Risiko derzeit im Ukraine-Konflikt. So stehen 75 Prozent der weltweit angebauten Sonnenblumen rund um das Schwarze Meer. 

Die Gründer von „Bio-Legehennen e.V.“ wünschen sich eine Vollkostenberechnung auch von den anderen Bioverbänden. Die Kosten sehen je nach Produktionsvorgaben unterschiedlich aus. Bei Bioland waren es im vergangenen Winter zum Beispiel 25 Cent je Ei: „Die Bioverbände sollten ihren Mitgliedern diese Zahlen zur Verfügung stellen“, sagt Bernhard Brand. 

Eiervermarkter Wim Thomassen

Biomeerwaarde-Ei: Niederländische Genossenschaft als Vorbild

Einen interessanten Gast hatte der Verein „Biolegehennen e.V.“ außerdem aus den Niederlanden eingeladen: Wim Thomassen ist Geschäftsführer der Genossenschaft „Biomeerwaarde-Ei“. Die Genossenschaft vermarktet gemeinschaftlich die Eier von 800.000 Bio-Legehennenplätzen (EU-Bio), davon etwa 30 Prozent in den Niederlanden und 70 Prozent nach Deutschland. Der Anteil vertraglich gebundener Eier beträgt rund 80 Prozent, 20 Prozent gehen an den Spotmarkt. „Der Vollkostenpreis ist bei uns der Basispreis“, so Wim Thomassen. Grundsätzlich bekommen alle Genossenschaftsmitglieder einen einheitlichen Preis für ihre Eier. 

Der dreiköpfige Vorstand der „Biolegehennen e.V.“ plant in Kürze ein weiteres Treffen mit Wim Thomassen, um sich genauer über die Vermarktung bei ihm zu informieren.

Text:
Christa Diekmann-Lenartz

Aufgewachsen auf einem landwirtschaftlichen Betrieb in der intensiven Tierhaltungsregion Weser-Ems (und Studium der Agrarwissenschaften). Seit vielen Jahren berichtet sie darüber, was sich im Bereich Geflügel tut - mit Schwerpunkt Niedersachsen.

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Bild: Christa Diekmann-Lenartz

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