Deutschland braucht jedes Jahr bis zu 180 neue Hähnchenställe

08 September 2026
Deutschland
Blick in einen Hähnchenstall

Die Deutschen essen immer mehr Geflügelfleisch, doch die heimische Erzeugung hält mit dieser Entwicklung nicht Schritt. Eine aktuelle Studie von Roland Berger im Auftrag des ZDG erwartet, dass sich diese Lücke bis 2040 deutlich vergrößert. Soll mehr der zusätzlichen Nachfrage aus deutscher Erzeugung gedeckt werden, wären allein bei Hähnchen jedes Jahr 130 bis 180 neue Ställe nötig.

Der Verbrauch von Geflügelfleisch wächst in Deutschland gegen den allgemeinen Fleischtrend. Während der gesamte Fleischverbrauch zwischen 2010 und 2025 um rund 12 Prozent auf 76 kg pro Kopf sank, legte Geflügel um 28 Prozent auf rund 22 kg zu. Bei Hähnchenfleisch betrug das Plus sogar 62 Prozent.

Dieser Trend dürfte sich fortsetzen. Das geht aus der neuen Geflügelstudie 2026 von Roland Berger hervor, die der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG) in Auftrag gegeben hat. Die Studie rechnet bis 2040 mit einem jährlichen Nachfragewachstum von 2,1 bis 2,5 Prozent bei Geflügelfleisch. Bei Hähnchen könnten es bis zu 3,4 Prozent sein.

Die Szenarien sind allerdings keine punktgenauen Prognosen. Roland Berger hat dafür unter anderem die Entwicklungen der vergangenen 15 beziehungsweise 30 Jahre fortgeschrieben.

Verbrauch steigt deutlich schneller als die Geflügelerzeugung

Schon in den vergangenen Jahren konnte die deutsche Erzeugung mit dem wachsenden Verbrauch nicht Schritt halten. Zwischen 2010 und 2025 nahm der Geflügelfleischverbrauch um 28 Prozent zu. Die Bruttoeigenerzeugung wuchs dagegen lediglich um 9 Prozent.

Damit öffnet sich eine immer größere Lücke. Über alle Geflügelarten hinweg liegt der Selbstversorgungsgrad laut Studie derzeit bei 91 Prozent. Bei Hähnchenfleisch sind es 93 Prozent.

Die fehlenden Mengen kommen zunehmend aus dem Ausland. Der Importüberschuss stieg von 55.000 t im Jahr 2014 auf 462.000 t im Jahr 2025. Damit hat er sich innerhalb von elf Jahren mehr als verachtfacht. 82 Prozent der Geflügelfleischimporte entfallen auf Hähnchenfleisch.

Auffällig ist zudem, welche Ware Deutschland importiert: Rund 60 Prozent der Hähncheneinfuhren bestehen inzwischen aus hochwertigen Teilstücken wie Brustfleisch.

Selbstversorgungsgrad könnte bis 2040 auf 73 bis 77 Prozent fallen

Bleibt es bei den derzeitigen Rahmenbedingungen und entstehen keine ausreichenden zusätzlichen Produktionskapazitäten, könnte die Abhängigkeit von Importen weiter steigen.

Roland Berger errechnet in seinen Szenarien für 2040 einen Selbstversorgungsgrad bei Geflügelfleisch von nur noch 73 bis 77 Prozent. Die Studie warnt zugleich davor, sich bei Lebensmitteln zu stark von wenigen Lieferregionen abhängig zu machen. Tierseuchen, geopolitische Konflikte, Exportbeschränkungen sowie schwankende Futter-, Energie- und Transportkosten könnten internationale Lieferketten belasten.

Die Autoren sprechen sich deshalb nicht gegen internationalen Handel aus. Eine leistungsfähige heimische Produktion soll vielmehr ein zusätzliches Sicherheitsnetz schaffen.

Der Selbstversorgungsgrad mit Geflügelfleisch liegt in Deutschland über alle Geflügelarten hinweg derzeit bei 91 Prozent.

Bis zu 180 neue Hähnchenställe pro Jahr wären nötig

Soll ein größerer Teil der wachsenden Nachfrage aus deutscher Erzeugung kommen, müsste die Geflügelwirtschaft ihre Kapazitäten deutlich ausbauen.

Die Studie beziffert allein für die Hähnchenhaltung den Bedarf bis 2040 auf jährlich 130 bis 180 neue Ställe in Deutschland. Gleichzeitig müssten zusätzliche Kapazitäten für Schlachtung und Verarbeitung entstehen.

Der ZDG erklärt, die Branche sei bereit, mindestens eine Milliarde Euro in moderne Ställe sowie zusätzliche Schlacht- und Verarbeitungskapazitäten zu investieren.

Voraussetzung dafür seien aus Sicht des Verbandes jedoch verlässliche politische Rahmenbedingungen und schnellere Genehmigungsverfahren.

Studie fordert schnellere Genehmigungen für Geflügelställe

Roland Berger leitet aus der Untersuchung vier politische Handlungsfelder ab. Planungs-, Bau-, Umwelt- und Immissionsschutzverfahren sollen einfacher, digitaler und verlässlicher werden. Auch vorhandene und leerstehende Ställe sollen sich leichter für eine neue Nutzung umbauen lassen.

Gleichzeitig empfiehlt die Studie, Bürokratie stärker digital abzuwickeln. Daten, die bereits für Qualitätssicherung, Tierwohlprogramme oder Behörden erfasst wurden, sollen mehrfach genutzt werden können. Das soll Doppelmeldungen vermeiden.

Als dritten Punkt nennt die Studie eine deutlichere Kennzeichnung heimischer Ware. Deutsche Standards bei Tierwohl, Biosicherheit, Nachhaltigkeit sowie Umwelt- und Verbraucherschutz sollen für Käufer besser erkennbar sein. Das soll auch für Gastronomie und Gemeinschaftsverpflegung gelten.

Schließlich fordert die Studie vergleichbare Wettbewerbsbedingungen innerhalb der EU sowie entsprechende Anforderungen an Importe aus Drittstaaten.

Geflügelfleisch legt gegen den allgemeinen Fleischtrend zu

Als Gründe für die wachsende Nachfrage nennt Roland Berger unter anderem den Proteingehalt, die vielseitige Zubereitung und den vergleichsweise niedrigen CO₂-Fußabdruck von Geflügelfleisch.

Eine vom ZDG beauftragte Civey-Umfrage unter jungen Erwachsenen deutet zudem auf eine hohe Nachfrage in der jüngeren Generation hin. Demnach nennt jeder zweite 16- bis 29-Jährige Geflügel als die Fleischart, die er am häufigsten isst. 80 Prozent greifen mindestens einmal pro Woche dazu.

Für die deutsche Geflügelwirtschaft wird damit vor allem eine Frage entscheidend: Kann die heimische Produktion mit der steigenden Nachfrage wachsen? Bleiben zusätzliche Stall-, Schlacht- und Verarbeitungskapazitäten aus, dürfte ein wachsender Teil des Geflügelfleischbedarfs künftig über Importe gedeckt werden.

Geflügelnews, IDEG
Bild: Cordula Möbius
Quelle: IDEG

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