Die Deutschen essen immer mehr Geflügelfleisch, doch die heimische Erzeugung hält mit dieser Entwicklung nicht Schritt. Eine aktuelle Studie von Roland Berger im Auftrag des ZDG erwartet, dass sich diese Lücke bis 2040 deutlich vergrößert. Soll mehr der zusätzlichen Nachfrage aus deutscher Erzeugung gedeckt werden, wären allein bei Hähnchen jedes Jahr 130 bis 180 neue Ställe nötig.
Der Verbrauch von Geflügelfleisch wächst in Deutschland gegen den allgemeinen Fleischtrend. Während der gesamte Fleischverbrauch zwischen 2010 und 2025 um rund 12 Prozent auf 76 kg pro Kopf sank, legte Geflügel um 28 Prozent auf rund 22 kg zu. Bei Hähnchenfleisch betrug das Plus sogar 62 Prozent.
Dieser Trend dürfte sich fortsetzen. Das geht aus der neuen Geflügelstudie 2026 von Roland Berger hervor, die der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG) in Auftrag gegeben hat. Die Studie rechnet bis 2040 mit einem jährlichen Nachfragewachstum von 2,1 bis 2,5 Prozent bei Geflügelfleisch. Bei Hähnchen könnten es bis zu 3,4 Prozent sein.
Die Szenarien sind allerdings keine punktgenauen Prognosen. Roland Berger hat dafür unter anderem die Entwicklungen der vergangenen 15 beziehungsweise 30 Jahre fortgeschrieben.
Verbrauch steigt deutlich schneller als die Geflügelerzeugung
Schon in den vergangenen Jahren konnte die deutsche Erzeugung mit dem wachsenden Verbrauch nicht Schritt halten. Zwischen 2010 und 2025 nahm der Geflügelfleischverbrauch um 28 Prozent zu. Die Bruttoeigenerzeugung wuchs dagegen lediglich um 9 Prozent.
Damit öffnet sich eine immer größere Lücke. Über alle Geflügelarten hinweg liegt der Selbstversorgungsgrad laut Studie derzeit bei 91 Prozent. Bei Hähnchenfleisch sind es 93 Prozent.
Die fehlenden Mengen kommen zunehmend aus dem Ausland. Der Importüberschuss stieg von 55.000 t im Jahr 2014 auf 462.000 t im Jahr 2025. Damit hat er sich innerhalb von elf Jahren mehr als verachtfacht. 82 Prozent der Geflügelfleischimporte entfallen auf Hähnchenfleisch.
Auffällig ist zudem, welche Ware Deutschland importiert: Rund 60 Prozent der Hähncheneinfuhren bestehen inzwischen aus hochwertigen Teilstücken wie Brustfleisch.
Selbstversorgungsgrad könnte bis 2040 auf 73 bis 77 Prozent fallen
Bleibt es bei den derzeitigen Rahmenbedingungen und entstehen keine ausreichenden zusätzlichen Produktionskapazitäten, könnte die Abhängigkeit von Importen weiter steigen.
Roland Berger errechnet in seinen Szenarien für 2040 einen Selbstversorgungsgrad bei Geflügelfleisch von nur noch 73 bis 77 Prozent. Die Studie warnt zugleich davor, sich bei Lebensmitteln zu stark von wenigen Lieferregionen abhängig zu machen. Tierseuchen, geopolitische Konflikte, Exportbeschränkungen sowie schwankende Futter-, Energie- und Transportkosten könnten internationale Lieferketten belasten.
Die Autoren sprechen sich deshalb nicht gegen internationalen Handel aus. Eine leistungsfähige heimische Produktion soll vielmehr ein zusätzliches Sicherheitsnetz schaffen.






































Reagieren
Geflügelnews lädt Sie ein, auf Artikel zu reagieren und schätzt Reaktionen mit Inhalt. Die Redaktion behält sich das Recht vor, beleidigende oder kommerziell motivierte Reaktionen ohne Angabe von Gründen zu entfernen.