In der Legehennenzucht geht es längst nicht mehr nur um die Anzahl Eier. Die Hennen von heute sollen robust und resilient sein. Auf der Zuchtstufe müssen die Tiere sich deshalb in einer Umgebung beweisen, die alles andere als optimal ist. Wer diese „Challenge“ gut meistert, wird für die Weiterzucht selektiert.
Björn Andersson ist beim Zuchtunternehmen Lohmann Breeders im Bereich Genetik und Forschung tätig. Auf einer Veranstaltung für Legehennenhalter in Burgdorf (Niedersachsen) gab er einen Überblick über die heutige Zuchtarbeit und welche Herausforderungen dabei zu meistern sind. Eingeladen zu dem Austausch hatte Lohmann Deutschland.
Weltweiter Trend weg von der Käfighaltung
Weltweit werden immer noch rund dreiviertel aller Legehennen in Käfigen gehalten. Laut Björn Andersson geht der Trend weltweit aber weg hiervon und hin zu alternativen Haltungen. Das hat nicht unbedingt mit geänderten Gesetzen zu tun, die die Käfighaltung verbieten. Es ist, wie zum Beispiel in den USA, sehr stark marktgetrieben. Große Lebensmittelketten wollen mit Tierwohl punkten und setzen bei Eiern auf alternative Haltungen.
Alternative Haltungen stellen eindeutig höhere Anforderungen an die Tiere: Sie müssen (in Volierenhaltungen) mobil sein, sollen keine Eier verlegen, sich mit ihren Kolleginnen vertragen, in der Freilandhaltung sollen sie robust und resilient gegenüber Krankheiten sein. Hierauf ist die Zuchtarbeit ausgerichtet. Ein wichtiges Tool dabei ist der sogenannte Challenge Test. Björn Andersson: „Wir machen dabei absichtlich Dinge/etwas falsch, das Nest ist weit weg von Futter und Wasser in der Anlage, das Futter wird verändert etc. Dann schauen wir, welche Tiere unter solchen suboptimalen Bedingungen die besten Leistungen erbringen.“ Diese Hennen qualifizieren sich für die Weiterzucht auf Robustheit.
Lebensleistung weiter stark im Fokus
Weiter sehr stark im Fokus steht die Lebensleistung der Hennen. Die Nutzungsdauer hat sich sowohl bei weißen als auch bei braunen Herkünften deutlich verlängert, dieser Trend hält weiter an, so der Wissenschaftler. Weiße Hennen werden bereits sehr häufig über 100 Lebenswochen gehalten, es geht sogar bis über 120 Lebenswochen. Bei Braunlegern ist inzwischen auch eine Haltung von über 85 Wochen keine Seltenheit, einzelne Herden erreichen sogar über 90 Lebenswochen. „Unsere Reinzuchttiere werden heute alle, egal ob weiß oder braun, bis zur 120. Lebenswoche ohne Mausern gehalten“, sagt Björn Andersson. In diesem Zusammenhang ist zum einen die Eischalenqualität ein wichtiges Selektionsmerkmal, zum anderen das Eigewicht bei den älteren Hennen.
Knochenstabilität und Rohfaserversorgung
Worin sieht der Zuchtexperte die größten künftigen Herausforderungen der Legehennenzucht/-haltung? Björn Andersson nennt hier besonders zwei Bereiche: Die Knochenstabilität und die Optimierung der Legehennenfütterung hinsichtlich der Rohfaseranteile. Stabilere Knochen würden eine Entschärfung des Problems Brustbeindeformationen bringen. Eine gute und ausreichende Rohfaserversorgung trägt zu mehr (Darm)Gesundheit, mehr Wohlbefinden und mehr Beschäftigung bei und sorgt damit für mehr Tierwohl.

































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