Zwischen Hoffnung und Rückschlägen: Ein Geflügelhalter in Ghana

20 Februar 2025
Niederlande
Aufmacher

Sohn Mathijn (25) will den Legehennenbetrieb in Dronten innerhalb der nächsten drei Jahre von seinem Vater Klaasjan Salomons übernehmen.

Ein niederländischer Geflügelhalter kämpft in Ghana mit hohen Kosten, Krankheiten und Stromausfällen – und bleibt dennoch optimistisch. 

Geflügelhaltung in Ghana: Warum ein Niederländer den Schritt wagte

Klaasjan Salomons, ein niederländischer Legehennenhalter aus Dronten, wagte vor über einem Jahrzehnt den Schritt nach Ghana. Doch das Abenteuer ist alles andere als einfach. „Ich liebe es, eine neue Kultur zu entdecken, aber für hohe Gewinne sollte man in Ghana kein Legehennenhalter sein“, sagt er offen. Obwohl er immer wieder Rückschläge hinnehmen musste, baute er vor fünf Jahren einen neuen Stall für 11.000 Hühner. Die Kosten beliefen sich auf eine halbe Million Euro – ähnlich hoch wie in den Niederlanden. Trotz günstiger Arbeitskräfte investierte er in ein automatisches Legenest, um die Arbeitseffizienz zu verbessern.

Seit einem Jahr betreibt Salomons auch einen zweiten Standort in Kukua nahe Walewale. Eigentlich sollte dort eine Aufzuchtfarm entstehen, doch „weil wir für unseren ghanaischen Legehennenstall vorerst keine Hühner aufziehen mussten und es von der Frequenz her günstig war, entschieden wir uns, dort stattdessen Legehennen zu halten.“

Hohe Futterkosten und niedrige Eierpreise – eine schwierige Rechnung

Klaasjan Salomons Verbindung zu Ghana begann 2011, als er Emmanuel, einen ghanaischen Studenten, kennenlernte. Dieser berichtete ihm von der Lebensmittelknappheit in seinem Land. Daraufhin startete Salomons ein Hilfsprojekt und gründete 2012 eine Stiftung zur Eierproduktion. Doch das Projekt scheiterte. „Weil das Futter sehr teuer und die Eierpreise schlecht waren, war ich am Ende der einzige verbliebene Sponsor“, erinnert er sich.

Nach Rücksprache mit dem Stalleinrichter Vencomatic Group entschied sich Salomons für einen einfachen Stall mit natürlicher Belüftung.

„Ich bin Christ – und ich will helfen“

Obwohl er viel Geld verlor, ließ ihn das Abenteuer Ghana nicht mehr los. 2020 gründete Salomons deshalb die Investmentgesellschaft Ghana Holding BV. „Ich habe dann einige Leute gefunden, die bereit waren, mit mir zu investieren; nicht so sehr wegen der Rendite, sondern um die Bedingungen in dieser Gegend im Norden Ghanas zu verbessern“, sagt der Legehennenhalter. 

Aus Überzeugung fließen 30 Prozent der Gewinne in soziale Projekte. „Das kann in Form von kostenlosen Eiern für Schulen, der Installation von Brunnen oder Transportmitteln sein.“

„Goodwill ist wichtig“ – Bau mit lokalen Arbeitskräften

Seinen Stall ließ Salomons bewusst von Einheimischen errichten. „Indem ich so viele Einheimische wie möglich einbeziehe, schaffe ich als Ausländer Goodwill“, sagt er. Die Arbeitslosigkeit in Nord-Ghana ist hoch. Seine Mitarbeiter verdienen etwa 100 Euro im Monat – und das gilt bereits als guter Lohn. „Wenn wir eine Arbeit wie das Schaufeln von Dung erledigen müssen, fahren wir zum Markt und bitten um Hilfe. Dann haben wir im Handumdrehen zehn Leute da.“

Der Legehennenzüchter hat ein ganzes Team von Mitarbeitern in Ghana. „Vereinbarungen einzuhalten und konsequent zu sein, ist für Ghanaer sehr schwierig“, sagt Salomons. „Es ist sehr anstrengend, in Ghana einen Legegeflügelbetrieb zu führen, und es ist sicher nicht einfacher als in den Niederlanden“, betont er.

Seit über einem Jahr hat er neben seinem Hauptstandort Walewale im Norden Ghanas einen zweiten Standort in der nahe gelegenen Stadt Kukua gemietet, um Hühner aufzuziehen.

Stromausfälle und Hitze: So meistert er die klimatischen Herausforderungen 

In Ghana sind Stromausfälle an der Tagesordnung. „Es kommt regelmäßig vor, dass es für einige Stunden am Tag keinen Strom gibt, manchmal sogar für mehrere Tage nicht“, so die Erfahrung des niederländischen Unternehmers. „Deshalb habe ich die natürliche Belüftung der mechanischen vorgezogen.“ Auf seinem Hof gibt es ein Notstromaggregat, das regelmäßig genutzt wird, zum Beispiel um die Hühner zu füttern und sie mit Trinkwasser zu versorgen.

Während der Hitzesaison von März bis Mai steigen in Ghana die Temperaturen auf bis zu 45 Grad Celsius. Um Hitzestress zu vermeiden, hält der Landwirt deshalb nur sechs Hennen pro Quadratmeter, anstatt der in den Niederlanden üblichen neun. „Dank der geringeren Besatzdichte haben wir an extrem heißen Tagen kaum zusätzliche Ausfälle.“

„Der Krankheitsdruck ist unglaublich hoch“

In Ghana hält Salomons derzeit knapp 17.000 Legehennen, doch gesundheitliche Probleme beeinträchtigen die Produktion. Im aktuellen Durchgang setzt den Hühnern besonders die Newcastle-Krankheit (ND) zu. „Aufgrund des ND-Ausbruchs lag die Sterblichkeitsrate bei bis zu 10 Prozent, und die Produktion sank auf 20 Prozent. Die Hennen gingen von selbst in die Mauser. 

Danach stieg die Legeleistung zwar wieder an, aber mit 70 Prozent ist sie auch jetzt noch nicht gut.“

Kulturelle Unterschiede: Zwischen Struktur und Improvisation

Der Betrieb in Ghana unterscheidet sich stark von der niederländischen Geflügelhaltung. „In den Niederlanden arbeiten wir strategisch und prozessorientiert, während die Ghanaer von Tag zu Tag leben.“ Er versucht, seine Mitarbeiter aus der Ferne zu steuern, doch Routinen sind schwer durchzusetzen. „Ich habe Emmanuel gebeten, mir jeden Dienstag und Freitag das Gewicht der Eier zu übermitteln. Das geht 14 Tage lang gut, danach muss man es wieder einholen.“

Auch Fehler passieren. Beim der ersten Aufzuchtdurchgang gab es eine gravierende Panne: Emmanuel ließ die Küken 24 Stunden am Tag unter Licht. „Er hielt das für notwendig, damit die Hühner so viel Futter wie möglich zu sich nehmen.“ Die Folge: Sie begannen erst mit 30 statt mit 20 Wochen zu legen. „Später hätte ich mir auf den Kopf hauen können. Warum hatte ich ihm das nicht früher gesagt?“, erinnert sich Salomons.

Salomons hat einen eigenen LieferwagenSalomons hat einen eigenen Lieferwagen für den Transport von Eiern in Ghana. für den Transport von Eiern in Ghana.

„Die Futterkosten sind viel zu hoch“

Wirtschaftlich gesehen kämpft Salomons mit großen Problemen. Die Eierpreise in Ghana liegen bei 12 Cent – ähnlich wie in den Niederlanden. Doch das Futter ist deutlich teurer. Ein Kilogramm Mais kostet 50 Cent, da die Regierung ein Importverbot verhängt hat. „Die Lobby für eine Aufhebung des Verbots ist zwar aktiv, aber bislang hat sich nichts geändert.“ Dadurch kostet ein 20 Wochen altes Aufzuchthuhn in Ghana rund 6 Euro – deutlich mehr als die 4,50 Euro in den Niederlanden.

Zukunftspläne: Wer übernimmt den Betrieb in Ghana?

Seit dem Start seines Projekts 2020 hat Salomons noch keinen Gewinn erwirtschaftet. Dennoch bleibt er optimistisch. „Meine ghanaischen Mitarbeiter haben bei weitem nicht das Niveau meiner niederländischen Mitarbeiter. Vielleicht ist das auch nicht machbar. Aber sie können sich trotzdem weiterentwickeln.“

Seinen Betrieb in Dronten möchte er mit 55 an seinen Sohn Mathijn übergeben. „Ich möchte eigentlich etwas ganz anderes machen, wenn ich 55 bin.“ Mathijn selbst hat allerdings kein Interesse an Ghana. Wer den Betrieb in Ghana übernehmen wird, ist deshalb noch unklar.

Fazit: „Es hat meinen Horizont erweitert“

Trotz wirtschaftlicher Herausforderungen bereut Salomons seine Entscheidung nicht. „Finanziell gesehen war es kein guter Schritt. Aber es hat meinen Horizont erweitert. Ich finde es sehr besonders und schön, eine ganz andere Kultur kennenzulernen und mit den Ghanaern zu interagieren.“

Geflügelnews, Tom Schotman
Bild: De Heus, Klaasjan Salomons

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