Vogelgrippe bei Milchkühen: Mit Wisconsin weiterer US-Bundesstaat betroffen

06 Januar 2026
Biosicherheit
kühe

Kurz vor Weihnachten hatte das US-Landwirtschaftsministerium einen ersten Vogelgrippe-Fall in einer Milchviehherde für den Bundesstaat Wisconsin gemeldet. Inzwischen ist bekannt, dass der Eintrag über Wildvögel erfolgte, also nicht über zugekaufte Rinder. In den USA sind nun 19 Bundesstaaten von der Vogelgrippe bei Milchkühen betroffen. 

Der jüngste aus den USA gemeldete Fall von H5N1 (hochpathogene Vogelgrippe) bei Milchkühen in Wisconsin betrifft eine Herde mit rund 500 Kühen. Entdeckt wurde die Infektion im Rahmen der Nationalen Milchteststrategie des US-Landwirtschaftsministeriums (USDA). 

In den USA sind seit Ende 2023 über 1.000 Milchviehherden mit Vogelgrippe infiziert worden. Die meisten Einträge gab es wohl über Tiertransporte zwischen Betrieben. Anfang 2025 hatte es allerdings auch zwei isolierte Übersprünge von Wildvögeln auf Milchviehherden in Nevada und Arizona gegeben. 

Übertragungen meist durch Tiertransporte

Das USDA erklärte zum jüngsten Fall, dass er kein Risiko für die Gesundheit der Verbraucher oder die kommerzielle Milchversorgung darstelle. Die Milch von betroffenen Tieren gelangt nicht auf den Markt. Durch das Pasteurisieren der Milch würde das Vogelgrippe-Virus aber auch abgetötet. Das USDA forderte Milchviehhalter auf, weiter strenge Biosicherheitsmaßnahmen einzuhalten und jegliche Anzeichen von Krankheit bei Nutztieren oder ungeklärte Todesfälle bei Wildtieren zu melden.

Das Risiko einer Infektion von Menschen wird in den USA weiterhin als gering angesehen. Es ist jedoch erhöht bei Personen mit engem Kontakt zu infizierten Tieren. In einem Interview mit dem Deutschlandfunk informierte der Virologe Prof. Florian Krammer, dass es in den USA inzwischen 51 Fälle von Vogelgrippe-Infektionen bei Menschen gegeben habe, zwei Personen davon waren gestorben. Die betroffenen 51 Menschen waren überwiegend in engem Kontakt zu infizierten Tieren.

Auch der österreichische Wissenschaftler, der an der Icahn School of Medicine at Mount Sinai (New York) lehrt, betonte, dass das Vogelgrippe-Virus bisher nicht von Mensch zu Mensch übergesprungen sei. Je mehr Infektionen es bei Menschen gebe, desto größer werde allerdings auch die Gefahr, dass einer neuen Virusvariante dieses Überspringen gelinge. 

Vogelgrippe-Virus aus Tierhaltung eliminieren

In den USA haben sich seit 2023 wie erwähnt über 1.000 Milchviehherden mit der Vogelgrippe infiziert. Laut Prof. Krammer passt sich das Virus bei einem so großen Erregerreservoir immer besser an seinen Wirt an, in diesem Fall an Säugetiere. Auch damit wachse die Gefahr, dass eine neue Virus-Variante irgendwann überspringen könne von Mensch zu Mensch. 

Ziel müsse es deshalb sein, das Vogelgrippe-Virus aus den Milchviehherden, aber auch aus Geflügelhaltungen zu elimieren und die Kontakte zum Menschen so gering wie möglich zu halten. „Umso weniger Kontakt von Menschen zum Vogelgrippe-Virus, desto besser“, so sein klares Statement. 

Forschungsgelder für Impfung von Säugetieren

Die US-Regierung hat aktuell 100 Mio. Dollar Forschungsgelder bereitgestellt für die Vogelgrippe-Impfstoffentwicklung – Impfstoffe für Säugetiere bzw. Menschen. Nach Auffassung von Prof. Krammer hätte man in den USA schon früher anfangen können, Milchkühe zu impfen. Dass das noch nicht in größerem Umfang geschehen sei, sei u. a. auch unterschiedlichen Zuständigkeiten etc. geschuldet. 

Dazu passt eine aktuelle Reuters-Meldung: Eine parteiübergreifende Gruppe von US-Senatoren forderte die Regierung von Präsident Donald Trump auf, einen wissenschaftsbasierten Plan zur Entwicklung eines Vogelgrippe-Impfstoffs für Nutztiere abzuschließen. 

Erschwerend zu bedenken gab Prof. Krammer, dass nicht alle Milchviehfarmer eine Vogelgrippe-Impfung ihrer Kühe befürworteten. Der Wissenschaftler sah dennoch Fortschritte in der Bekämpfung des Virus in den USA. Die Situation sei heute günstiger als noch vor sechs Monaten. 

Text:
Christa Diekmann-Lenartz

Aufgewachsen auf einem landwirtschaftlichen Betrieb in der intensiven Tierhaltungsregion Weser-Ems (und Studium der Agrarwissenschaften). Seit vielen Jahren berichtet sie darüber, was sich im Bereich Geflügel tut - mit Schwerpunkt Niedersachsen.

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