Sinkende Kartoffelmargen, steigende Eiererlöse: Junglandwirt setzt auf den Boom am Eiermarkt

02 Juni 2026
Niederlande
ein junger Mann

Willem Jan Oosterhuis baut seinen Familienbetrieb im Norden der Niederlande konsequent aus. Neben Kartoffeln, Zwiebeln und Zuckerrüben setzt der 22-Jährige nun auf 24.000 Freiland-Legehennen. Mit dem neuen Betriebszweig will er Risiken besser verteilen, regelmäßige Einnahmen sichern und die Grundlage für weiteres Wachstum schaffen.

Zwischen den Lagerhallen des Familienbetriebs fällt der neue Legehennenstall kaum auf. Dabei bietet das Gebäude Platz für 24.000 Freiland-Legehennen. Ende März zog die erste Herde ein. Für den jungen Niederländer Willem Jan Oosterhuis markierte das den Einstieg in die Geflügelhaltung.

Der Landwirt aus Uithuizermeeden in der niederländischen Provinz Groningen führt einen Ackerbaubetrieb mit Pflanzkartoffeln, Saatzwiebeln, Wintermöhren, Getreide und Zuckerrüben. Nun ergänzt ein zweiter Betriebszweig das Unternehmen.

Sinkende Kartoffelmargen erhöhen den Druck

Oosterhuis verfolgt mit der Investition zwei Ziele. Zum einen will er die Risiken des Betriebs breiter streuen. Zum anderen reizt ihn die größere Vielfalt bei den täglichen Arbeiten.

„Ich wollte einen zweiten Betriebszweig aufbauen, weil mir die Abwechslung gefällt und weil ich das wirtschaftliche Risiko besser verteilen möchte“, erklärt der Junglandwirt.

Die Entscheidung fiel auch vor dem Hintergrund schwankender Erlöse im Ackerbau. Während Pflanzkartoffeln in den vergangenen Jahren hohe Erträge brachten, erwartet Oosterhuis aktuell deutlich niedrigere Marktpreise als im Vorjahr. Dadurch schrumpfen die Margen spürbar.

Mit dem Eierverkauf erhält der Betrieb nun kontinuierliche Einnahmen. Das verbessert den Cashflow und macht das Unternehmen unabhängiger von den Ertragsschwankungen einzelner Kulturen.

Eiergeschäft soll Wachstum ermöglichen

Die positiven Perspektiven am Eiermarkt spielten bei der Entscheidung ebenfalls eine wichtige Rolle. Seit 2022 erzielen viele Legehennenhalter hohe Erlöse.

Für Oosterhuis soll die Geflügelhaltung deshalb mehr sein als eine zusätzliche Einnahmequelle. Er betrachtet sie als Wachstumsmotor für den gesamten Betrieb.

„Der Legehennenbereich soll einen Schwungradeffekt erzeugen und die weitere Entwicklung unseres Betriebs unterstützen“, sagt er.

Schicksalsschlag beschleunigt Generationswechsel

Als die Familie 2022 über einen neuen Betriebszweig nachdachte, befand sich Oosterhuis noch in seiner Ausbildung an der Aeres Hochschule in Dronten. Gleichzeitig traf die Familie ein schwerer Schicksalsschlag: Sein Vater erlitt einen Schlaganfall.

Dadurch musste der damals 18-Jährige deutlich früher Verantwortung übernehmen als geplant. Gemeinsam mit seiner Mutter Cathelien und einem Mitarbeiter führte er den Betrieb weiter und schloss parallel sein Studium ab.

Heute leitet Oosterhuis den Familienbetrieb. Sein Vater arbeitet nicht mehr aktiv mit.

Warum die Wahl auf Freilandhennen fiel

Zunächst dachte die Familie über die Haltung von Masthähnchen nach. Da Kartoffelanbau bereits viel Arbeitszeit beansprucht, erschien dieser Betriebszweig zunächst attraktiver.

Nach Gesprächen mit Praktikern und Beratern prüfte die Familie auch den Einstieg in die Milchviehhaltung. Diese Option verwarf sie jedoch schnell, weil dafür erhebliche Ackerflächen hätten umgewidmet werden müssen.

Schließlich fiel die Wahl auf Freiland-Legehennen. Ausschlaggebend waren die Genehmigungsmöglichkeiten in Groningen und die deutlich besseren Vermarktungschancen.

Während die Provinz den Ausbau der intensiven Geflügelhaltung stark begrenzt, gelten Freilandhennen als flächengebundene Tierhaltung. Dadurch ließ sich das Projekt genehmigen.

Hinzu kam der größere Absatzmarkt. Alternative Konzepte wie Bio-Masthähnchen oder das niederländische Tierwohlprogramm „3 Sterne Beter Leven“ erschienen der Familie zu stark von Nischenmärkten abhängig.

Kreislaufwirtschaft passt zum Betriebskonzept

Auch die Bio-Legehennenhaltung kam nicht infrage. Stattdessen entschied sich die Familie für ein System, das sich gut in den bestehenden Ackerbaubetrieb integrieren lässt.

Künftig sollen die Hennen teilweise betriebseigenes Getreide erhalten. Gleichzeitig kann der anfallende Geflügelmist auf den eigenen Flächen genutzt werden. So entsteht ein geschlossener Nährstoffkreislauf zwischen Ackerbau und Tierhaltung.

Genehmigungen in Rekordzeit

Nach der Grundsatzentscheidung plante die Familie einen Stall für 24.000 Tiere. Damit blieb das Projekt deutlich unter den Schwellenwerten, die umfangreichere Umweltprüfungen erforderlich gemacht hätten.

Den Genehmigungsantrag reichte das Beratungsbüro Ende 2023 ein. Bereits ein halbes Jahr später lagen alle notwendigen Genehmigungen vor.

Im Herbst starteten die Bauarbeiten. Parallel wählte die Familie das Bauunternehmen, die Stalleinrichtung und das Volierensystem aus.

Vermarktung läuft über die UPP

Für die Vermarktung der Eier setzt Oosterhuis auf die niederländische Erzeugerorganisation UPP. Als Neueinsteiger wollte er die Vermarktung nicht selbst organisieren und profitiert nun vom Marktwissen der Organisation.

Bei den Junghennen entschied sich die Familie nach Gesprächen mit Berufskollegen für Dekalb-White-Hennen. Die Tiere bezieht der Betrieb vom Anbieter Het Anker.

Besonders wichtig waren für Oosterhuis die Erfahrungen anderer Legehennenhalter.

„Verkäufer können vieles erzählen. Die Meinung von Kollegen aus der Praxis hat für mich deutlich mehr Gewicht“, sagt er.

Lernen in der Praxis

Obwohl Oosterhuis bereits viele Betriebe besucht hat, betrachtet er sich weiterhin als Einsteiger in der Geflügelhaltung. In den ersten Monaten unterstützen ihn Berater und Fachleute bei der Betreuung der Tiere.

Gemeinsam mit seiner Mutter und einem 19-jährigen Mitarbeiter kümmert er sich um die neue Herde. Zusätzliche Arbeitskräfte plant er vorerst nicht einzuarbeiten.

„Wir sind jung und können in arbeitsreichen Phasen auch einmal länger arbeiten. Sollte der Betrieb weiter wachsen, können wir später immer noch zusätzliches Personal einstellen“, sagt Oosterhuis.

Geflügelnews
Quelle: Tom Schotman

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