Eggsperience Center: So funktioniert Legehennenhaltung ganzheitlich

08 Juni 2025
Brüterei
Eggsperience Center

Das Eggsperience Center zeigt, wie moderne Technik und ein ganzheitliches Stallkonzept Schlupf, Aufzucht und Legezeit vereinen – für mehr Tierwohl und Effizienz.

Die Familie Claessens-Jenniskens aus Venray (Provinz Limburg, Niederlande) entwickelte 2019 ein innovatives Konzept für die Legehennenhaltung: Das Schlüpfen, die Aufzucht und die Legephase sollen im selben Stall stattfinden. Der Ansatz zielt auf mehr Nachhaltigkeit und besseren Tierschutz, da auf den Transport der Tiere verzichtet wird, so Jelle Claessens.

Der Familienbetrieb wird bereits seit 1985 geführt. Heute arbeiten die Eltern John und Marian Claessens zusammen mit ihren Kindern Jelle, Douwe und Aafke auf dem Hof. Mittlerweile umfasst der Betrieb sechs Standorte zur Aufzucht und Legehennenhaltung. Die Eier werden sowohl im In- als auch im Ausland vermarktet – teils über einen Eierautomaten in der Nachbarschaft. Von jedem dort verkauften Ei gehen 2 Cent an die Organisation BIG Challenge, für die sich Marian Claessens auch persönlich engagiert.

1 Familie Claessens-Jenniskens: von links nach rechts hinten Douwe, Jelle und John, vorne Aafke und Marian.
2 Der Betrieb umfasst inzwischen sechs Aufzucht- und Legeställe in der Gemeinde Venray (Limburg). An zwei Aufzuchtstandorten erhalten sie Eintagsküken, die zu robusten Legehennen heranwachsen.
3_ Das Gemeinsame kann nicht ohne Innovation auskommen, die Innovation nicht ohne das Gemeinsame. Das ist das Erste, was Jelle Claessens sagt. „Ohne unsere Erfahrung mit konventioneller Aufzucht und Legehennen hätten wir diese Innovation nicht so umsetzen können.“
4_Eine kleine Scheune, die früher als Lagerraum diente, wurde an einem der Standorte am Ysselsteynseweg in Ysselsteyn zu einem Teststall, dem Eggsperience Center, umgebaut.
5_Das Eggsperience Centre bringt drei Innovationen zusammen: On-Farm Hatching, OneFarm und Clima+.
Big Dutchman hat die Natura Life entwickelt, die für den gesamten Lebenszyklus einer Legehenne geeignet ist, beginnend mit dem Brutei. Hier ein Blick auf die Brutschalen mit geschlechtsspezifischen Bruteiern.
7_Die Ergebnisse sind ähnlich wie in der Brüterei, und die Legeküken sind dem Brütereischlupf voraus. Sie sind ruhiger, was auch schon aus der Masthähnchenhaltung mit Schlupf im Stall bekannt ist.
8_Die Natura Life basiert auf einer Legevoliere. Durch technische Anpassungen ist die Unterbringung von Eintagsküken möglich geworden.
9_Der Stall mit zweitausend Hennen ist so praktisch wie möglich eingerichtet. „Auch mit Abteilen, damit wir erfahren, wie das in diesem System funktioniert“, erklärt Jelle.
10_ Jelle macht die Erfahrung, dass die Hühner durchgehend viel ruhiger sind als die Schwestern im Kontrollstall.
11_Jetzt ist der dritte Durchgang der Hühneraufzucht im Stall. „Wir haben die ersten beiden Durchgänge früher abgebrochen, um in diesem Stall schnellere Anpassungen vornehmen zu können“, erklärt Jelle.
12_Das Ziel der Familie Claessens-Jenniskens ist es, einen großen Stall mit diesem System zu realisieren. Ziel ist es, eine Legehenne zu erreichen, die vom Brutei bis zu 120 Wochen in diesem System lebt.

Vom Brutei bis zur Legehenne – alles im selben Stall

Zentrale Grundlage für die Weiterentwicklung war laut Jelle Claessens die Verbindung aus konventioneller Erfahrung und Innovationsgeist. Daraus entstand das sogenannte Eggsperience Center: Eine umgebaute Scheune in Ysselsteyn, die als Teststall dient. Dort arbeiten die Claessens mit zahlreichen Partnern aus Wissenschaft, Industrie und Verwaltung zusammen, unter anderem mit der Universität Utrecht, Pluriton, Big Dutchman und der Gemeinde Venray.

Im Eggsperience Center wurden drei technische Innovationen zusammengeführt: „On-Farm Hatching“, „OneFarm“ und „Clima+“. Dabei kommen auch geschlechtsspezifische Bruteier von Pluriton zum Einsatz, was bereits beim Schlüpfen männliche Küken ausschließt. Seit Sommer 2023 ist der Stall in Betrieb.

Big Dutchman entwickelte für dieses Projekt das Volierensystem „Natura Life“, das eine Haltung über den gesamten Lebenszyklus der Henne hinweg erlaubt – beginnend mit dem Brutei. Erste Erfahrungen zeigen laut Jelle Claessens, dass die im Stall geschlüpften Legeküken ruhiger sind als solche aus Brütereien, was auch aus der Masthühnerhaltung bekannt sei. Parallel wurde eine Kontrollherde in einem konventionellen Stall gehalten, um Vergleiche zu ermöglichen.

Technik, die wirkt: Volierensystem, Luftwäscher und Klimasteuerung

Tierarzt Rob Vriens von adVee betreut die Tiere regelmäßig. Die Haltungstechnologie wurde kontinuierlich verbessert, etwa um sicherzustellen, dass Küken Futter und Wasser gut erreichen und die Voliere sinnvoll nutzen können. Auch eine effektive Lüftung gehört dazu: Inno+ installierte einen Luftwäscher, der Ammoniak, Staub und Gerüche reduziert und gleichzeitig Wärmeenergie rückgewinnt.

Ruhigere Tiere und bessere Leistungen im Teststall

Der Teststall bietet Platz für 2.000 Hennen. Er ist flexibel aufgeteilt, um verschiedene Haltungsbedingungen auszuprobieren. Die jungen Hennen nutzen nach der Eingewöhnung das komplette System, was sich laut Jelle Claessens positiv auf ihr Verhalten auswirkt – sie seien deutlich ruhiger als die Vergleichsgruppe im Kontrollstall.

Mittlerweile läuft die dritte Aufzuchtrunde im Eggsperience Center. Die ersten beiden wurden bewusst verkürzt, um technische Optimierungen zügig umsetzen zu können. Erste Ergebnisse sind vielversprechend: niedrigere Verluste, bessere Futterverwertung und höhere Legeleistungen. Laut Jelle sollen die Tiere künftig deutlich länger Eier legen.
Langfristiges Ziel: Hennenhaltung bis zur 120. Lebenswoche
Langfristiges Ziel der Familie ist es, ein großes Stallkonzept zu realisieren, in dem Hennen vom Brutei bis zur 120. Lebenswoche im selben System bleiben. Laut Aafke Claessens müsse sich das Modell nicht nur unter Tierschutz- und Nachhaltigkeitsaspekten, sondern auch wirtschaftlich bewähren.

Geflügelnews
Bild: Natasja Beverloo
Quelle: Monique van Loon

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