Mehr Leistung und Tierwohl: Darauf kommt es bei der Ration an

09 Oktober 2026
Deutschland
Christopher Schuldt

Futter ist in der Legehennenhaltung weit mehr als ein Kostenfaktor: Die richtige Ration kann dazu beitragen, dass Hennen lange gesund bleiben und ihre Leistung lange halten. Welche Stellschrauben dabei entscheidend sind, wurde auf einer Veranstaltung von Lohmann Deutschland in Bakum diskutiert.

An heutige Legehennenherden gibt es hohe Ansprüche: Die Tiere sollen immer länger gehalten werden, dabei möglichst viele Eier legen, gesund bleiben und bis zum Ende der Haltungsperiode eine gute Befiederung behalten. Gleichzeitig stehen Nachhaltigkeit und Tierwohl zunehmend im Fokus. Die Fütterung kann dabei an mehreren Stellschrauben ansetzen.

Rationsgestaltung ist wichtiges Werkzeug

„Die Rationsgestaltung ist ein wichtiges Werkzeug, um Leistung, Tierwohl und Nachhaltigkeit zu optimieren“, erklärte Christopher Schuldt auf einer Lohmann-Veranstaltung in Bakum, Landkreis Vechta (Niedersachsen). Denn die Ziele ließen sich nicht unabhängig voneinander betrachten. Ohne vernünftiges Tierwohl gibt es keine Leistung. Ohne Leistung gibt es keine Nachhaltigkeit, so Schuldt, der Berater beim Futtermittelhersteller Best 3 Geflügelernährung ist.

Tierwohl beginnt am Trog. Ein Beispiel ist das Federpicken. Die Verhaltensauffälligkeit kann erhebliche Folgen für das Tierwohl und zugleich für die Wirtschaftlichkeit einer Herde haben. Laut Schuldt gibt es bei jeder Herde eine individuelle Schwelle, ab der Federpicken beginnt. Wo diese liegt, ist von Herde zu Herde unterschiedlich und wird auch mit von Herkunft, Haltung und Management beeinflusst. 

Eine ausbalancierte Fütterung kann jedoch dazu beitragen, die Reaktionsschwelle nach oben zu verschieben. Eine schlechte Befiederung der Hennen bedeutet, dass diese einen höheren Erhaltungsbedarf haben. Diese Energie steht dann nicht für die Eiproduktion zur Verfügung. 

Mehr Eier und längere Haltungsdauer

Wie stark sich die Anforderungen an die Fütterung verändert haben, zeigt ein Blick auf die Legehennenzucht. In den vergangenen 20 Jahren ist die durchschnittliche Eizahl je Henne um rund 29 Eier gestiegen – das sind etwa 1,5 Eier zusätzlich pro Jahr. Gleichzeitig hat sich die mögliche Haltungsdauer in diesem Zeitraum um rund 20 Wochen verlängert.

Für die Fütterung bedeutet das: Die Nährstoffversorgung muss an die höhere Leistung und die längere Haltungsdauer angepasst werden. Gleichzeitig gewinnt die Futtereffizienz an Bedeutung. Nicht allein die Menge des aufgenommenen Futters entscheidet, sondern vor allem, wie gut die darin enthaltenen Nährstoffe von der Henne genutzt werden können.

Dabei kommt dem Alter der Tiere eine besondere Bedeutung zu. Mit zunehmendem Alter lässt die Verdauungsleistung nach. Deshalb müssen nach Einschätzung des Fütterungsexperten hochverdauliche Futterkomponenten eingesetzt werden. Gerade ältere Hennen müssen ausreichend Energie für die Eiproduktion zur Verfügung haben, damit sie kein Körpergewicht abbauen.

Gut 100 Gäste waren der Einladung von Lohmann Deutschland nach Bakum gefolgt.

Nachhaltigkeit braucht effiziente Rationen

Nachhaltigkeit ist heute ein permanent genanntes Ziel in der Produktion. Eine nachhaltige Legehennenhaltung bedeutet jedoch, dass sie gleichzeitig wirtschaftlich funktionieren muss und hochwertige Lebensmittel erzeugt, die Verbraucher sich auch leisten können.

Schuldt sieht in deisem Sinne Potenzial in regional verfügbaren Rohstoffen. Interessant sei in diesem Zusammenhang auch der Einsatz tierischer Proteine. Seit 2021 ist deren Verwendung wieder möglich. Schuldt hält einen Anteil von etwa drei bis sechs Prozent in der Ration für sinnvoll. Hühner sind von Natur aus Allesfresser, zudem könnten vorhandene tierische Produkte im Sinne von Kreislaufwirtschaft genutzt werden. 

Regionale Rohwaren senken CO2-Fußabdruck

Auch das sei nachhaltig und senke den CO2-Fußabdruck des Futters. Eine Bachelorarbeit, auf die Schuldt verwies, verglich verschiedene Rationen hinsichtlich ihrer Umweltwirkung. Dabei schnitt eine Ration mit heimischen Eiweißträgern bezüglich der CO₂-Äquivalente besser ab als eine Standardration mit nur importiertem Soja. Noch niedriger lagen die Werte beim Einsatz tierischer Eiweißträger wie Tiermehl aus hiesiger Produktion.

Der Einsatz heimischer Eiweißträger hält zudem Wertschöpfung in der Region. 

Auch Struktur des Futters wird wichtiger

Neben den Inhaltsstoffen rückt bei längerer Nutzungsdauer der Hennen auch die physikalische Beschaffenheit des Futters stärker in den Fokus. Ein gut funktionierender Muskelmagen sei wichtig. Dafür müsse das Futter eine passende Struktur aufweisen und dürfe nicht zu fein sein.

Das Futter muss die Tiere über eine immer längere Haltungsdauer gesund und leistungsfähig halten, Verhaltensproblemen entgegenwirken und gleichzeitig möglichst effizient mit Ressourcen umgehen, so schloss der Referent seinen Vortrag ab. Neue Herausforderungen in der Legehennenhaltung brauchen aus Sicht des Fütterungsexperten auch neue Fütterungskonzepte.


Christa Diekmann-Lenartz
Bild: Ines Rietmann, Christa Diekmann-Lenartz

Reagieren

Geflügelnews lädt Sie ein, auf Artikel zu reagieren und schätzt Reaktionen mit Inhalt. Die Redaktion behält sich das Recht vor, beleidigende oder kommerziell motivierte Reaktionen ohne Angabe von Gründen zu entfernen.